Mittwoch, 16. Februar 2011

15 Fragen an ...

André Marx












Alle Fans der Serie "Die drei ???" werden meinen heutigen Interview-Partner kennen.

Als ich André fragte, ob er sich meinen 15 Fragen stellen wolle, habe ich mich riesig über seine Zusage gefreut. Und stand dann prompt vor einem Problem.

Um meine Interview-Fragen auszuarbeiten, versuche ich natürlich erst, mein "Opfer" ein wenig näher kennenzulernen. Nur - wie soll man etwas über einen Autor herausfinden, der weder ein Weblog schreibt, noch bei Twitter oder Facebook aktiv ist, ja der noch nicht mal eine eigene Homepage hat.
Immerhin gibt es einen Wikipedia-Eintrag über André, so dass ich euch zumindest erzählen kann, dass er ein deutscher Autor ist, in der Nähe von Osnabrück geboren wurde und heute in Berlin lebt. ;-)

Den Rest fragen wir ihn am besten selbst.

1.  Hallo André.  Zuerst die obligatorische Frage zum Warmwerden:
Von welchem Beruf hat eigentlich der achtjährige André geträumt?

Ob Du’s glaubst oder nicht: Der achtjährige André wollte Schriftsteller werden und hat auch schon fleißig darauf hingearbeitet. Es gab da eigentlich nie eine Alternative für ihn, was seine Eltern anfangs noch lustig, später dann sehr besorgniserregend fanden. Aber Klein-André blieb unbeirrt und beschloss mit 13, dass er mit 18 seinen ersten Roman veröffentlicht haben würde. Das hat dann nicht ganz hingehauen, aber die Überzeugung, dass das früher oder später klappen wird, war unerschütterlich. Auf diese Erinnerung haben sich das Großhirn und das Kleinhirn des erwachsenen André zumindest geeinigt.


2. Wann und wie hast du die drei ??? kennengelernt?

Mein fünf Jahre älterer Bruder bekam ein Hörspiel geschenkt, das dann ziemlich schnell in meinen Besitz überging. Das muss Ende der Siebziger gewesen sein, ich war also etwa sechs Jahre alt. Später las er die Bücher, und als ich auch endlich Bücher dieses Umfangs lesen konnte, bin ich dann ebenfalls eingestiegen. Ich muss allerdings gestehen: Mein Herz schlug genauso sehr, wenn nicht noch stärker, für die Fünf Freunde und Burg Schreckenstein.


3. Und wie kam es jetzt dazu, dass du selbst ein Autor für diese berühmte Serie geworden bist?

„Jetzt“ ist schön gesagt, das ist ja nun auch schon 15 Jahre her … ;-)
Ich fragte mich eines Tages, ob es die Reihe eigentlich noch gibt, ging in eine Buchhandlung und entdeckte, dass sie nicht nur höchst lebendig war, sondern außerdem damals von einer deutschsprachigen Autorin fortgesetzt wurde. Das irritierte mich, da die Bände aus meiner Kindheit schließlich Übersetzungen aus dem Amerikanischen waren. Also schrieb ich dem Verlag einen Brief und fragte nach.
Man erzählte mir, dass die Reihe in den USA mangels Erfolg ein paar Jahre zuvor eingestellt worden war. Der deutsche Verlag, der auf die Reihe nicht verzichten wollte, hatte jedoch die Lizenz zum Weiterschreiben erworben. Ich beschloss kurzerhand, dass ich das auch kann, schrieb meinen ersten drei ???-Fall und schickte ihn an die Lektorin. Die war zwar überrascht, aber wie der Zufall es wollte, war man gerade auf der Suche nach einem Autor, und nach einigem Hin und Her war ich dann dabei.


4. Wie viele drei ??? Bände hast du inzwischen geschrieben?

Bislang waren es 27 Bände, zwei davon Trilogien, also streng genommen 31 Bände, verteilt auf 27 Geschichten.


5.   Woher nimmst du nach so vielen Bänden noch neue Ideen? Und tauschen sich die drei ???-Autoren untereinander über ihre Ideen aus? Kennt ihr euch überhaupt persönlich?

Ich antworte mal rückwärts: Inzwischen kenne wir uns alle persönlich. Das war ganz am Anfang nicht so, aber im Laufe der Zeit haben sich durch Buchmessen und anderen Events immer wieder Gelegenheiten ergeben, sich über den Weg zu laufen. Austausch gibt es manchmal auf persönlicher Ebene, wenn man sich etwas besser kennt oder mal Rat bei einem Kollegen sucht. Aber die offiziellen Absprachen z.B. über die Wahl der Themen, die in den Büchern behandelt werden, laufen über den Verlag. Da kann es dann schon mal heißen: „Schreib bitte nichts über einen Kunstdiebstahl, das macht XY schon für den nächsten Herbst.“
Letzte Frage: Woher nehme ich neue Ideen? Gar nicht. Ich habe seit vier Jahren kein drei ???-Buch mehr geschrieben. Und das liegt unter anderem daran, dass mir zum Thema „Drei Jungs aus Kalifornien lösen einen Fall“ nichts Neues mehr einfällt.


6.  Die drei ??? haben ja eine riesige Fangemeinde. Viele, viele Kinder, aber ich glaube, dass es fast noch mehr erwachsene Fans gibt, die mit den Abenteuern von Justus, Peter und Bob groß geworden und ihnen heute noch treu sind. Wen hast du beim Schreiben vor Augen? Die jugendliche oder die erwachsene Zielgruppe? Für wen schreibst du?

Für mich. Beziehungsweise für den Elfjährigen in mir. Natürlich habe ich die erwachsenen Fans auch im Kopf und versuche, ihre Erwartungen mit einzubeziehen. Aber die drei ??? sind und bleiben eine Reihe für Kinder und Jugendliche. Wenn ein Elfjähriger mit der Geschichte nichts mehr anfangen kann, ist was schiefgelaufen. Ich glaube außerdem, dass auch die erwachsenen Fans nicht mehr zufrieden wären, wenn sie erwachsene Geschichten zu lesen bekämen. Sie wollen ja Jugendbücher lesen, sonst würden sie nicht nach den drei ??? greifen.


7. Neben den drei ??? Büchern hast du noch eine sehr erfolgreiche Kinderbuchserie zusammen mit deinem Kollegen Boris Pfeiffer entwickelt: Das Wilde Pack.
Siehst du dich eher als Serienschreiber oder würdest du auch gerne mal einen richtig fetten Einzeltitel machen?

Ich würde auch gern mal einen Einzeltitel machen. Aber sobald ich eine Geschichte am Wickel habe und sie im Kopf ausarbeite, lande ich früher oder später mindestens bei einer Trilogie oder gleich einer ganzen Serie. Ich kann mich einfach nicht kurz fassen.


8. Noch mal zum Wilden Pack: Wie muss man sich das Schreiben mit einem Co-Autor praktisch vorstellen? Einer denkt, der andere lenkt oder wie macht ihr das?

Wir denken und lenken beide gleichermaßen. Wir haben uns damals die Figuren, das Setting und den großen Handlungsbogen gemeinsam ausgedacht und dann angefangen zu schreiben. Das läuft seitdem so: Für jeden neuen Band treffen wir uns und reden einen Tag lang über die Geschichte. Dann fängt einer an und schreibt die ersten zwanzig, dreißig Seiten. Der Zweite liest diese Seiten Korrektur, ändert alles, was ihm nicht gefällt (auch inhaltlich), hängt die nächsten zwanzig Seiten dran und schickt sie wieder zurück. Auf diese Weise geht das Manuskripte einige Male hin und her, bis es schließlich fertig ist in einer Version, die uns beiden gefällt. Um gleich die nächste Frage vorwegzunehmen: Nein, wir sind uns nicht immer einig. Aber dann wird eben so lange miteinander geredet, bis einer den anderen überzeugt oder doch zumindest überredet hat. Oder wir einigen uns auf einen Kompromiss.


9. Gibt es einen Ort, an dem du dich am liebsten aufhältst, dir die besten Ideen kommen und du vielleicht sogar am besten schreiben kannst?

Nö. Ich schreibe ganz langweilig an meinem Schreibtisch, und Ideen habe ich überall und nirgends. Am liebsten halte ich mich im Kino auf, aber da schreibt es sich natürlich eher schlecht. Den Klassiker, nämlich die sonnigen Terrasse, von der aus man einen Blick aufs glitzernde Meer hat, habe ich auch schon ausprobiert, kann ihn aber nur bedingt weiterempfehlen. Nichts gegen die sonnige Terrasse, aber vor lauter Atmosphäre kommt man eigentlich zu nichts. Ich glaube, Schreiben erfordert eine gewisse Kargheit, zumindest bei mir.


10. Wie sieht eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag bei dem Autor André Marx aus?

Ganz langweilig: Nach dem Frühstück setze ich mich mit dem ersten Kaffee an den Schreibtisch. Die erste Stunde geht für Mails und Internet drauf. Danach schalte ich meine W-Lan-Box aus, um nicht ständig in Versuchung zu geraten, und fange an zu arbeiten. Das tue ich dann je nach Tagesform und Bedarf zwischen drei und acht Stunden, kommt immer ganz drauf an. An Überarbeitungen kann ich länger sitzen. Beim Schreiben eines ganz neues Textes ist nach spätestens fünf Stunden Schluss. Meistens läuft Musik dabei, aber nix mit Gesang, das reißt mich raus.


11. Wenn man im Netz etwas über dich sucht,  findet man in erster Linie Informationen zu den drei ???.  Hast du das Gefühl, als Autor auf diese eine Reihe reduziert und sonst nicht ernst genommen zu werden?

Reduziert werde ich darauf schon ein bisschen, aber ernst genommen fühle ich mich trotzdem, auch bei den anderen Sachen, die ich gemacht habe, zum Beispiel eben „Das Wilde Pack“, Theaterstücke oder Lektoratsarbeiten. Von denen wissen halt viele Leute nicht, aber es kann ja nicht alles so erfolgreich sein wie die drei ???.


12. Es gibt keine Homepage von André Marx. Warum nicht?

Weil ich zu faul bin, mich um eine Homepage zu kümmern. Und ich wüsste auch nicht, was da überhaupt stehen soll. Wenn man ein bisschen sucht, findet man eigentlich bereits alles über meine Bücher und mich im Netz, was irgendwie relevant ist. Wozu dann noch eine eigene Homepage? Grund Nummer drei: Ich habe ein bisschen Angst vor Mails von Unbekannten.


13: Gibt es etwas, das du in deinen Büchern vermitteln willst oder willst du einfach „nur“ unterhalten?

Schwierige Frage … Eine Geschichte ist ja kein luftleerer Raum, sie berührt zwangsläufig Themen des menschlichen Lebens, bei denen ich mich für irgendeine Haltung entscheiden muss, und sei es nur die Art und Weise, wie zwei Figuren miteinander umgehen. Ich will mit dieser Entscheidung nichts „vermitteln“, tue es aber zwangsläufig trotzdem. Schon mit der Wahl meines Stoffes vermittle ich, was mir erzählenswert erscheint. Also, sagen wir mal so: Ich habe noch nie etwas geschrieben, um eine „Botschaft“ zu transportieren. Sondern immer nur, weil ich eine Geschichte erzählen wollte. Wer aber darin trotzdem eine Botschaft findet, darf sie gerne behalten und seinen Freunden zeigen, meinetwegen auch mir. Vielleicht habe ich sie ja selbst gar nicht gesehen.


14. An welchen Projekten arbeitest du gerade? Über welche Neuerscheinungen können sich deine Fans demnächst freuen?

Boris und ich sind gerade mit dem letzten Band von „Das Wilde Pack“ fertig geworden. Jetzt kommt noch ein bisschen Überarbeitung und Feinschliff, aber im Großen und Ganzen war es das. Das Buch wird allerdings erst in knapp einem Jahr erscheinen, bis dahin ist also für Neuerscheinungen gesorgt. Was für mich als Nächstes kommt, weiß ich noch nicht. Und ich freue mich sehr darüber, es noch nicht zu wissen, denn die letzten 15 Jahre war ich immer in irgendeine Serie eingebunden. Das ist jetzt nicht mehr so. Es gibt ein paar vage und ein paar konkretere Ideen, aber ich möchte mich davon überraschen lassen, worauf ich nächste Woche am meisten Lust habe. Und das werde ich dann machen.

15. Wenn heute eine Fee vor dir stünde und du hättest drei Wünsche frei. Welche wären das?

Ich nehme mal an, du meinst abgesehen von so langweiligen Sachen, die sich jeder wünscht, so was wie Weltfrieden, dem Ende der Umweltzerstörung und einem Heilmittel für Krebs? Hm … so ganz eigennützig würde ich mich gern unsichtbar machen können. Und fliegen können wäre auch nicht schlecht. Oder die Zeit anhalten. Oder formwandeln. Also, ich denke, ich würde mir aus der Vielzahl der klassischen Superheldenfähigkeiten zwei aussuchen und mir den dritten Wunsch aufsparen für später, wenn ich ihn mal wirklich brauche.


Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

Danke gleichfalls!


Ein paar persönliche Fragen für unseren Steckbrief:

Das ist mir wichtig: Loyalität, meine Arbeit, Freunde, Musik.

Das mag ich überhaupt nicht: Egomanen, Kunstgeschwätz und Rosenkohl.

Lieblingsbuch: „Die unendliche Geschichte“

Lieblingsplatz: Kommt drauf an wofür.

Lieblingsfrage: Ironiemodus ein: „Woher nimmst du deine Ideen?“

Mein Motto: „Das bisschen, was ich lese, schreibe ich mir selbst.“ Ironiemodus aus.

:-)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ich mag seine Bücher vorallem die drei Fragezeichen!!!