Freitag, 25. Februar 2011

Sucht den Holundermond

Mein Autorenkollege Stefan Gemmel hat mir gestern ein ganz besonderes Foto geschickt:

(c) Stefan Gemmel




Dieses Bild hat mich zu einem Wettbewerb der etwas anderen Art inspiriert:

Sucht (und findet!) den Holundemond in eurer Buchhandlung und gewinnt ein signiertes Exemplar.

Mehr zu dem Foto und dem Wettbewerb findet ihr hier: http://holundermond.blogspot.com/2011/02/holundermond-im-buchhandel-jetzt.html

Viel Spaß und viel Erfolg!

Donnerstag, 24. Februar 2011

Der Prophet im eigenen Land

Von vielen meiner Kollegen höre ich immer wieder, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.
Soll heißen, dass meine Kollegen und/oder deren Bücher in der eigenen Heimat oft nicht wahrgenommen werden und sie erst ab einem Radius von mindestens 150 Kilometer das Gefühl haben, gelesen und gehört zu werden.

Ich habe mich innerlich darauf eingestellt, dass es mir auch so gehen wird.
Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich heute morgen auf der Homepage meines Buchhändlers einen Text entdeckte, der nicht nur mich als Hanauer Autorin vorstellt, sondern gleich auch noch zu meiner Homepage, meinem Autorenweblog und meinem ersten Roman verlinkt: http://www.freiheitsplatz.de/category/stoebern
Auf der rechten Seite bin ich unter der Rubrik "Befreundete Autoren" zu finden.

Dafür sage ich dem Buchladen am Freiheitsplatz ein herzliches Dankeschön.
Und gehe jetzt umgehend wieder an meinen Küchen-Schreib-Tisch, um den Buchladen bald mit weiteren Büchern bestücken zu können.

Dienstag, 22. Februar 2011

Abtauchen

Es ist still geworden um mich herum.
Sämtliche meiner (Autoren)Freunde befinden sich gerade in einer intensiven Schreibphase.
Ich bewundere immer diejenigen, die sich in dieser Zeit tatsächlich völlig von der Welt verabschieden, sich in ihr Kämmerlein zurückziehen und nur noch schreiben. Die Telefon und Internet abstellen und einfach nicht mehr erreichbar sind.
Selbst in den allerintensivsten Schreibphasen schaffe ich das nicht. Ich brauche das Leben um mich herum. Ich tauche tief in Geschichten ein, aber ich bin nie ganz weg. Die Welt um mich herum ist immer irgendwo da. Ich nehme sie dann  zwar oft nur wie durch einen Schleier war, oder, um beim Tauchen zu bleiben, wie das Treiben am Beckenrand, wenn man unter Wasser die Augen öffnet. Verschwommen, aber ich weiß, da ist noch etwas.
Ob das für mein Schreiben gut ist, dass ich es nie schaffe, mich so völlig auszuklinken, weiß ich nicht. Dass ich es nicht schaffe, liegt zum einen an meinen äußeren Umständen. Ein Schreiberling, der kinderlos und/oder als Single lebt, hat es sicher leichter, die Welt einfach auszuschließen, wenn er Ruhe möchte. Mir gelingt das nur stunden-, manchmal nur minutenweise.
Es gibt aber noch einen anderen Grund: Ich habe Angst, etwas zu verpassen. Das gestehe ich mir nicht gerne ein, ist aber so. Ich brauche dieses Gefühl, mitten in allen Welten zu stecken. Das hat Nachteile - aber nicht nur.
Nur so konnte es passieren, dass ich zwar gerade intensiv an einem Kinderbuch schreibe, mich aber eine völlig neue Idee, eine ganz andere Geschichte mittendrin getroffen hat wie der Blitz.
Diese Geschichte hat sich in meinem Hinterkopf eingenistet und fängt an zu wachsen. Noch räume ich ihr nicht allzu viel Platz ein, damit sie mein aktuelles Projekt nicht zu sehr stört, aber neugierig wie ich bin, gehe ich doch ab und zu nach hinten in diesen Winkel und schau nach, wie es meiner Geschichte so geht. Sobald ich dort auftauche, bombadiert sie mich mit Fragen. Fragen, die ich nicht so aus dem Stehgreif beantworten kann.
Ich habe meiner Geschichte versprochen, die Antworten zu suchen, wenn sie mir ein wenig Zeit dazu lässt.
Geduld, habe ich gesagt, hab bitte ein wenig Geduld.
Meine Geschichte hat nur höhnisch gelacht.
Geduld, hat sie gerufen, du sprichst schon wieder von Dingen, die du gar nicht kennst.
Und weil sie recht hat, meine Geschichte, und ich Geduld vermutlich niemals lernen werde, habe ich angefangen, diesen Fragen nachzugehen, habe mir Literatur gesucht und Menschen, die mir vielleicht die Antworten sagen können. Recherche nennen wir das. Klingt auch viel besser als Ungeduld. Heute werden die ersten Bücherpäckchen hier eintrudeln und ich bin schon ganz aufgeregt. Weil sie mich in eine völlig neue Welt entführen werden. Eine Welt, sehr weit vor dieser Zeit.





Der Postbote kommt vermutlich so gegen 12.00 Uhr.
Bleiben mir noch knapp vier Stunden Zeit zum abtauchen und schreiben. Aber aus den Augenwinkeln werde ich den Beckenrand beobachten, damit ich den Postboten nicht verpasse.

Freitag, 18. Februar 2011

Schriftzeit - eine Empfehlung

Wer meine Blogroll aufmerksam beobachtet, weiß, dass ich ihr wieder ein neues Weblog hinzugefügt habe.
Alle anderen möchte ich gerne auf dieses ganz besondere Strandgut, das ich durch den Tipp einer lieben Kollegin entdeckte, hinweisen:
Schriftzeit, das Weblog von Stephan Waldscheidt sollte ein Muss für jeden Schreiberling werden.

Stephan selbst untertitelt sein Weblog mit
"Wie Sie Romane schreiben, veröffentlichen, vermarkten und Ihre Leser verzaubern"
und exakt darum geht es in seinem Blog.
Mit einem Augenzwinkern und viel Humor nimmt der Autor des Satire-Klassikers "Schreib den verd ... Roman" das Handwerk des Schreibens und alles, was dazu gehört, unter seine sehr gründliche Lupe.
 
Stephan selbst schreibt auf seinem Blog:
schriftzeit.de hat sich der erzählenden Literatur verschrieben. Lyrikern, Sprachartisten und Genies hilft es nicht weiter. Oder doch? Vielleicht in einem Punkt: schriftzeit.de zeigt, dass man allein durch Know-How wunderbare Geschichten erzählen kann, auch wenn der zweite Vorname nicht „Hochliterat“ oder „Genius“ lautet. Vor dem weißen Blatt sind alle gleich. Damit Sie zu den Gleichen gehören, die gleicher sind als andere, picken Sie sich das aus meinen Artikeln heraus, was Ihnen weiterhilft. Den Rest vergessen Sie.
Lest einfach mal rein. Für mich sind Stephans Tipps eine wahre Fundgrube geworden. Und ich hoffe sehr, dass er nie eines meiner Bücher in die Finger bekommt, an seine Maßstäbe anlegt und genüsslich seziert ;-)

Mittwoch, 16. Februar 2011

15 Fragen an ...

André Marx












Alle Fans der Serie "Die drei ???" werden meinen heutigen Interview-Partner kennen.

Als ich André fragte, ob er sich meinen 15 Fragen stellen wolle, habe ich mich riesig über seine Zusage gefreut. Und stand dann prompt vor einem Problem.

Um meine Interview-Fragen auszuarbeiten, versuche ich natürlich erst, mein "Opfer" ein wenig näher kennenzulernen. Nur - wie soll man etwas über einen Autor herausfinden, der weder ein Weblog schreibt, noch bei Twitter oder Facebook aktiv ist, ja der noch nicht mal eine eigene Homepage hat.
Immerhin gibt es einen Wikipedia-Eintrag über André, so dass ich euch zumindest erzählen kann, dass er ein deutscher Autor ist, in der Nähe von Osnabrück geboren wurde und heute in Berlin lebt. ;-)

Den Rest fragen wir ihn am besten selbst.

1.  Hallo André.  Zuerst die obligatorische Frage zum Warmwerden:
Von welchem Beruf hat eigentlich der achtjährige André geträumt?

Ob Du’s glaubst oder nicht: Der achtjährige André wollte Schriftsteller werden und hat auch schon fleißig darauf hingearbeitet. Es gab da eigentlich nie eine Alternative für ihn, was seine Eltern anfangs noch lustig, später dann sehr besorgniserregend fanden. Aber Klein-André blieb unbeirrt und beschloss mit 13, dass er mit 18 seinen ersten Roman veröffentlicht haben würde. Das hat dann nicht ganz hingehauen, aber die Überzeugung, dass das früher oder später klappen wird, war unerschütterlich. Auf diese Erinnerung haben sich das Großhirn und das Kleinhirn des erwachsenen André zumindest geeinigt.


2. Wann und wie hast du die drei ??? kennengelernt?

Mein fünf Jahre älterer Bruder bekam ein Hörspiel geschenkt, das dann ziemlich schnell in meinen Besitz überging. Das muss Ende der Siebziger gewesen sein, ich war also etwa sechs Jahre alt. Später las er die Bücher, und als ich auch endlich Bücher dieses Umfangs lesen konnte, bin ich dann ebenfalls eingestiegen. Ich muss allerdings gestehen: Mein Herz schlug genauso sehr, wenn nicht noch stärker, für die Fünf Freunde und Burg Schreckenstein.


3. Und wie kam es jetzt dazu, dass du selbst ein Autor für diese berühmte Serie geworden bist?

„Jetzt“ ist schön gesagt, das ist ja nun auch schon 15 Jahre her … ;-)
Ich fragte mich eines Tages, ob es die Reihe eigentlich noch gibt, ging in eine Buchhandlung und entdeckte, dass sie nicht nur höchst lebendig war, sondern außerdem damals von einer deutschsprachigen Autorin fortgesetzt wurde. Das irritierte mich, da die Bände aus meiner Kindheit schließlich Übersetzungen aus dem Amerikanischen waren. Also schrieb ich dem Verlag einen Brief und fragte nach.
Man erzählte mir, dass die Reihe in den USA mangels Erfolg ein paar Jahre zuvor eingestellt worden war. Der deutsche Verlag, der auf die Reihe nicht verzichten wollte, hatte jedoch die Lizenz zum Weiterschreiben erworben. Ich beschloss kurzerhand, dass ich das auch kann, schrieb meinen ersten drei ???-Fall und schickte ihn an die Lektorin. Die war zwar überrascht, aber wie der Zufall es wollte, war man gerade auf der Suche nach einem Autor, und nach einigem Hin und Her war ich dann dabei.


4. Wie viele drei ??? Bände hast du inzwischen geschrieben?

Bislang waren es 27 Bände, zwei davon Trilogien, also streng genommen 31 Bände, verteilt auf 27 Geschichten.


5.   Woher nimmst du nach so vielen Bänden noch neue Ideen? Und tauschen sich die drei ???-Autoren untereinander über ihre Ideen aus? Kennt ihr euch überhaupt persönlich?

Ich antworte mal rückwärts: Inzwischen kenne wir uns alle persönlich. Das war ganz am Anfang nicht so, aber im Laufe der Zeit haben sich durch Buchmessen und anderen Events immer wieder Gelegenheiten ergeben, sich über den Weg zu laufen. Austausch gibt es manchmal auf persönlicher Ebene, wenn man sich etwas besser kennt oder mal Rat bei einem Kollegen sucht. Aber die offiziellen Absprachen z.B. über die Wahl der Themen, die in den Büchern behandelt werden, laufen über den Verlag. Da kann es dann schon mal heißen: „Schreib bitte nichts über einen Kunstdiebstahl, das macht XY schon für den nächsten Herbst.“
Letzte Frage: Woher nehme ich neue Ideen? Gar nicht. Ich habe seit vier Jahren kein drei ???-Buch mehr geschrieben. Und das liegt unter anderem daran, dass mir zum Thema „Drei Jungs aus Kalifornien lösen einen Fall“ nichts Neues mehr einfällt.


6.  Die drei ??? haben ja eine riesige Fangemeinde. Viele, viele Kinder, aber ich glaube, dass es fast noch mehr erwachsene Fans gibt, die mit den Abenteuern von Justus, Peter und Bob groß geworden und ihnen heute noch treu sind. Wen hast du beim Schreiben vor Augen? Die jugendliche oder die erwachsene Zielgruppe? Für wen schreibst du?

Für mich. Beziehungsweise für den Elfjährigen in mir. Natürlich habe ich die erwachsenen Fans auch im Kopf und versuche, ihre Erwartungen mit einzubeziehen. Aber die drei ??? sind und bleiben eine Reihe für Kinder und Jugendliche. Wenn ein Elfjähriger mit der Geschichte nichts mehr anfangen kann, ist was schiefgelaufen. Ich glaube außerdem, dass auch die erwachsenen Fans nicht mehr zufrieden wären, wenn sie erwachsene Geschichten zu lesen bekämen. Sie wollen ja Jugendbücher lesen, sonst würden sie nicht nach den drei ??? greifen.


7. Neben den drei ??? Büchern hast du noch eine sehr erfolgreiche Kinderbuchserie zusammen mit deinem Kollegen Boris Pfeiffer entwickelt: Das Wilde Pack.
Siehst du dich eher als Serienschreiber oder würdest du auch gerne mal einen richtig fetten Einzeltitel machen?

Ich würde auch gern mal einen Einzeltitel machen. Aber sobald ich eine Geschichte am Wickel habe und sie im Kopf ausarbeite, lande ich früher oder später mindestens bei einer Trilogie oder gleich einer ganzen Serie. Ich kann mich einfach nicht kurz fassen.


8. Noch mal zum Wilden Pack: Wie muss man sich das Schreiben mit einem Co-Autor praktisch vorstellen? Einer denkt, der andere lenkt oder wie macht ihr das?

Wir denken und lenken beide gleichermaßen. Wir haben uns damals die Figuren, das Setting und den großen Handlungsbogen gemeinsam ausgedacht und dann angefangen zu schreiben. Das läuft seitdem so: Für jeden neuen Band treffen wir uns und reden einen Tag lang über die Geschichte. Dann fängt einer an und schreibt die ersten zwanzig, dreißig Seiten. Der Zweite liest diese Seiten Korrektur, ändert alles, was ihm nicht gefällt (auch inhaltlich), hängt die nächsten zwanzig Seiten dran und schickt sie wieder zurück. Auf diese Weise geht das Manuskripte einige Male hin und her, bis es schließlich fertig ist in einer Version, die uns beiden gefällt. Um gleich die nächste Frage vorwegzunehmen: Nein, wir sind uns nicht immer einig. Aber dann wird eben so lange miteinander geredet, bis einer den anderen überzeugt oder doch zumindest überredet hat. Oder wir einigen uns auf einen Kompromiss.


9. Gibt es einen Ort, an dem du dich am liebsten aufhältst, dir die besten Ideen kommen und du vielleicht sogar am besten schreiben kannst?

Nö. Ich schreibe ganz langweilig an meinem Schreibtisch, und Ideen habe ich überall und nirgends. Am liebsten halte ich mich im Kino auf, aber da schreibt es sich natürlich eher schlecht. Den Klassiker, nämlich die sonnigen Terrasse, von der aus man einen Blick aufs glitzernde Meer hat, habe ich auch schon ausprobiert, kann ihn aber nur bedingt weiterempfehlen. Nichts gegen die sonnige Terrasse, aber vor lauter Atmosphäre kommt man eigentlich zu nichts. Ich glaube, Schreiben erfordert eine gewisse Kargheit, zumindest bei mir.


10. Wie sieht eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag bei dem Autor André Marx aus?

Ganz langweilig: Nach dem Frühstück setze ich mich mit dem ersten Kaffee an den Schreibtisch. Die erste Stunde geht für Mails und Internet drauf. Danach schalte ich meine W-Lan-Box aus, um nicht ständig in Versuchung zu geraten, und fange an zu arbeiten. Das tue ich dann je nach Tagesform und Bedarf zwischen drei und acht Stunden, kommt immer ganz drauf an. An Überarbeitungen kann ich länger sitzen. Beim Schreiben eines ganz neues Textes ist nach spätestens fünf Stunden Schluss. Meistens läuft Musik dabei, aber nix mit Gesang, das reißt mich raus.


11. Wenn man im Netz etwas über dich sucht,  findet man in erster Linie Informationen zu den drei ???.  Hast du das Gefühl, als Autor auf diese eine Reihe reduziert und sonst nicht ernst genommen zu werden?

Reduziert werde ich darauf schon ein bisschen, aber ernst genommen fühle ich mich trotzdem, auch bei den anderen Sachen, die ich gemacht habe, zum Beispiel eben „Das Wilde Pack“, Theaterstücke oder Lektoratsarbeiten. Von denen wissen halt viele Leute nicht, aber es kann ja nicht alles so erfolgreich sein wie die drei ???.


12. Es gibt keine Homepage von André Marx. Warum nicht?

Weil ich zu faul bin, mich um eine Homepage zu kümmern. Und ich wüsste auch nicht, was da überhaupt stehen soll. Wenn man ein bisschen sucht, findet man eigentlich bereits alles über meine Bücher und mich im Netz, was irgendwie relevant ist. Wozu dann noch eine eigene Homepage? Grund Nummer drei: Ich habe ein bisschen Angst vor Mails von Unbekannten.


13: Gibt es etwas, das du in deinen Büchern vermitteln willst oder willst du einfach „nur“ unterhalten?

Schwierige Frage … Eine Geschichte ist ja kein luftleerer Raum, sie berührt zwangsläufig Themen des menschlichen Lebens, bei denen ich mich für irgendeine Haltung entscheiden muss, und sei es nur die Art und Weise, wie zwei Figuren miteinander umgehen. Ich will mit dieser Entscheidung nichts „vermitteln“, tue es aber zwangsläufig trotzdem. Schon mit der Wahl meines Stoffes vermittle ich, was mir erzählenswert erscheint. Also, sagen wir mal so: Ich habe noch nie etwas geschrieben, um eine „Botschaft“ zu transportieren. Sondern immer nur, weil ich eine Geschichte erzählen wollte. Wer aber darin trotzdem eine Botschaft findet, darf sie gerne behalten und seinen Freunden zeigen, meinetwegen auch mir. Vielleicht habe ich sie ja selbst gar nicht gesehen.


14. An welchen Projekten arbeitest du gerade? Über welche Neuerscheinungen können sich deine Fans demnächst freuen?

Boris und ich sind gerade mit dem letzten Band von „Das Wilde Pack“ fertig geworden. Jetzt kommt noch ein bisschen Überarbeitung und Feinschliff, aber im Großen und Ganzen war es das. Das Buch wird allerdings erst in knapp einem Jahr erscheinen, bis dahin ist also für Neuerscheinungen gesorgt. Was für mich als Nächstes kommt, weiß ich noch nicht. Und ich freue mich sehr darüber, es noch nicht zu wissen, denn die letzten 15 Jahre war ich immer in irgendeine Serie eingebunden. Das ist jetzt nicht mehr so. Es gibt ein paar vage und ein paar konkretere Ideen, aber ich möchte mich davon überraschen lassen, worauf ich nächste Woche am meisten Lust habe. Und das werde ich dann machen.

15. Wenn heute eine Fee vor dir stünde und du hättest drei Wünsche frei. Welche wären das?

Ich nehme mal an, du meinst abgesehen von so langweiligen Sachen, die sich jeder wünscht, so was wie Weltfrieden, dem Ende der Umweltzerstörung und einem Heilmittel für Krebs? Hm … so ganz eigennützig würde ich mich gern unsichtbar machen können. Und fliegen können wäre auch nicht schlecht. Oder die Zeit anhalten. Oder formwandeln. Also, ich denke, ich würde mir aus der Vielzahl der klassischen Superheldenfähigkeiten zwei aussuchen und mir den dritten Wunsch aufsparen für später, wenn ich ihn mal wirklich brauche.


Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

Danke gleichfalls!


Ein paar persönliche Fragen für unseren Steckbrief:

Das ist mir wichtig: Loyalität, meine Arbeit, Freunde, Musik.

Das mag ich überhaupt nicht: Egomanen, Kunstgeschwätz und Rosenkohl.

Lieblingsbuch: „Die unendliche Geschichte“

Lieblingsplatz: Kommt drauf an wofür.

Lieblingsfrage: Ironiemodus ein: „Woher nimmst du deine Ideen?“

Mein Motto: „Das bisschen, was ich lese, schreibe ich mir selbst.“ Ironiemodus aus.

:-)

Dienstag, 15. Februar 2011

Schreiballtag

Meine regelmäßigen Blogleser wissen das schon.
Wenn es hier im Blog ruhiger wird, hat mein Schreiballtag mich wieder fest im Griff. Im Moment besteht der aus einem ganzen Feuerwerk von Gefühlen, Erlebnissen und Arbeiten.
Da ist zunächt mal mein Roman Holundermond, der nach einer gefühlt ewigen Wartezeit endlich im Handel ist.
Und prompt gab es auch die erste Rezension dazu, nachzulesen im Blog Textora Schreibatelier von Birgit Ebbert.

Parallel dazu ist inzwischen auch mein Erstleser beim Duden-Verlag "Klarer Fall für Anna Blum" im Handel erhältlich. Auch hier habe ich schon einige positive Rückmeldungen bekommen.

Damit den Leseanfängern nicht die Bücher ausgehen, habe ich inzwischen ein weiteres Buch für die Reihe Lesedetektive geschrieben, das dann Anfang nächsten Jahres erscheinen wird.

Parallel zum Schreiben gab es auch wieder ein Lektorat zu bewältigen. Diesmal handelt es sich um einen Roman für Mädchen ab 12 - mehr wird noch nicht verraten. Nur so viel: Es wird ziemlich frech und witzig, Liebe spielt natürlich eine nicht unwesentliche Rolle - ach ja - und Gummibärchen dürfen auch nicht fehlen.
Alles weitere dann im Sommer ;-)

Aktuell schreibe ich an einem neuen Kinderbuch für Kinder ab 8 Jahre, für das ich gemeinsam mit dem Verlag einen wunderbaren Illustrator gefunden habe. Ich freue mich schon riesig auf das fertige Buch. Vor mir liegen allerdings noch rund 100 zu schreibende Seiten.

Das alles wäre kein Problem, wären da nicht immer wieder diese Begegnungen zwischendurch. Ich traue mich schon kaum noch aus dem Haus, weil hinter jeder Straßenecke neue Geschichten lauern, die aufgeschrieben werden wollen.

Da ich bald Geburtstag habe, hier der dezente Hinweis an meine Familie: Mir gehen langsam die Notizbücher aus ;-)

Freitag, 11. Februar 2011

Staffellauf

Eigentlich wollte ich nur ein wenig in den anderen Blogs stöbern und meinen Freitagnachmittag-Kaffee genießen. Und plötzlich flog mir ein Stöckchen zu.
Rabenblut hat es geworfen und ich nehme es gerne auf.

Gebunden oder Taschenbuch?

Als Autorin lieber gebunden, als Leserin nehme ich beides ;-)

Amazon oder Buchhandel?

Amazon eher selten, viel viel lieber bei meinem Buchhandel in der Stadt, bei dem ich übrigens auch online bestellen und mir die Bücher sogar liefern lassen kann, wenn ich mal nicht in die Stadt komme.

Lesezeichen oder Eselsohr?

Lesezeichen und zwar die schönen von Rebella - Coppenrath

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?

Meine Bücher sind vollkommen ungeordnet. Sie quellen aus Regalen, stapeln sich auf Fensterbänken, verstecken sich in Nischen, liegen im Bad, auf dem Klo, in der Küche, auf Tischen, Stühlen und sogar auf dem Fußboden. Seltsamerweise finde ich fast jedes Buch auf Anhieb, es ist, als ob ich spüren würde, wo in den Bücherbergen sich ein Buch aufhält.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Behalten. (Fast) immer. Ein paar Versuche habe ich mit bookcrossing gestartet, ohne großen Erfolg. Belegexemplare werden natürlich weiterverschenkt, bevorzugt an das Kinderhospiz Sternenbrücke und an die Menschen, die mir beim Schreiben helfend zur Seite standen.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?

Natürlich behalten.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?

Immer mit.

Kurzgeschichte oder Roman?

Fast nur Romane.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zu Ende ist?

Meistens zwingen mich andere Umstände zum Aufhören, spätestens die Tatsache, dass ich mitten in der Nacht mit der Nase im Buch aufwache ;-)

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?

Beides. Und oft auch parallel.

Kaufen oder leihen?

Kaufen. Was irgendwann dazu führen wird, dass die Statik unseres Hauses nicht mehr mitspielt.

Neu oder gebraucht?

Meistens neu, aber ich liebe auch Bücherflohmärkte. Viele Menschen wissen ja gar nicht, welche Schätze sie da verschleudern.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Stöbern, manchmal Empfehlung oder Rezension und sehr oft einfach das Cover.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Geschlossenes Ende. Cliffhanger machen mich wütend. Dann fühle ich mich so verschaukelt.

Morgens, mittags oder nachts lesen?

Ähm - frühmorgens, morgens, vormittags, mittags, nachmittags, abends, nachts, mitten in der nacht. Und zwischendurch.

Einzelband oder Serie?

Bevorzugt Einzelband.

Lieblingsserie?

Harry Potter war als Serie lesbar.
Kai Meyer lese ich auch als Serie.


Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?

Gehört haben sicher schon einige davon, trotzdem kennen es viele nicht:

Mimus von Lilli Thal

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?

Alle Bücher von Antje Babendererde

Welches Buch liest du gegenwärtig?

"Millionen" von Frank Cottrell Boyce

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

DAS Lieblingsbuch gibt es für mich nicht, jedes gute Buch hat etwas Magisches und jedes auf seine eigene Art.

Lieblingsautoren?

Da geht es mir ähnlich wie mit den Büchern. Ich lese ALLES von Cornelia Funke, aber nicht alles gefällt mir, ich lese ALLES von Astrid Lindgren, aber nicht alles mag ich. Andreas Steinhöfel gehört zu meinen Lieblingsautoren und Bart Moeyaert. Auf jeden Fall eher Kinder- und Jugendbuch.

Nicole hat das Staffelholz ja schon so weit geworfen, dass mir kaum noch jemand bleibt. ;-)
Deshalb werfe ich das Hölzchen mal zu Annette Weber und frage sie, ob sie es auffangen mag.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Bücher für die Sternenbrücke

Einmal jährlich wiederhole ich diese Aktion und sammele unter den Kollegen und Freunden (neue) Kinderbücher für die Sternenbrücke.
In diesem Jahr habe ich es zum ersten Mal geschafft, die Bücher in zwei riesigen Koffern persönlich zu dem Kinderhospiz in Hamburg zu bringen. Zum Glück gibt es von Hanau täglich einen ICE, der nach Hamburg durchfährt - um 6.00 morgens!
In Hamburg brauchte ich ein Taxi, um zum Hotel zu kommen, mit dem Bus oder der S-Bahn hätte ich die Bücherkoffer alleine nicht bewegen können. Ein älterer Taxifahrer wollte mich fahren und wollte mir dann unbedingt die Taschen noch die Hoteltreppe hochtragen, weil es so furchtbar stürmte und regnete. Der gute Mann hat ganz schön geächzt und gestöhnt und mich gefragt, ob ich mit einer Steinesammlung auf Reisen sei.

Zusammen mit den Kolleginnen Gabriele Gfrerer und Kari Erlhoff machte ich mich am Freitagnachmittag dann bei strömendem Regen auf dem Weg in Richtung Kinderhospiz. Gabi und ich waren wirklich heilfroh, dass uns Kari mit dem Auto am Hotel abholen konnte. So blieben die Bücher dann doch noch einigermaßen trocken.

In der Sternenbrücke wurden wir von Frau Schüddekopf sehr liebevoll mit Kaffee und Plätzchen empfangen und dann haben wir erst einmal fast 2 Stunden nur geredet. Über unsere Arbeit als Kinderbuchautoren, vor allem aber über die Arbeit in einem Kinderhospiz, über den Umgang der Mitarbeiter mit sterbenden Kindern und deren Eltern und Familien, über die Kinder selbst. Viele viele Fragen haben uns bewegt und wir durften wirklich alle stellen.
Ich glaube, jede von uns dreien war mehr als beeindruckt von der großen Wärme und Liebe, die dieses Haus ausstrahlt und der wunderbaren Arbeit, die dort geleistet wird.
Mit unseren Büchern können wir nur einen winzigen Teil zu dem beitragen, was in einem Kinderhospiz tatsächlich gebraucht wird.
Trotzdem wurde beim Auspacken jedes Buch freudig begrüßt. Auch wenn die kleinen Patienten selbst oft nicht mehr in der Lage sind zu lesen oder Bilder zu betrachten, so hören viele von ihnen noch gerne zu oder genießen beim Vorlesen einfach die Stimme, die sie hören. Außerdem tummeln sich doch auch immer wieder jede Menge Geschwisterkinder in der Sternenbrücke, so dass wir sicher sind, unsere Kinderbücher werden gelesen werden.


Kari Erlhoff - Jutta Wilke und Frau Schüddekopf von der Sternenbrücke

Auch  unsere vorsichtige Frage, ob wir auch Krimis für Kinder und Jugendliche dalassen können, wurde beantwortet:
"Hier sind ganz normale Kinder mit ganz normalen Bedürfnissen. Klar wollen die auch mal spannende oder auch gruselige Geschichten lesen."

Wir haben den Mitarbeitern der Sternenbrücke fest versprochen, dass es immer wieder neue Bücher von uns geben wird. Schließlich wollen wir alle ja noch viele Bücher schreiben. Ausdrücklich haben wir auch darum gebeten, ruhig hin und wieder ein Buch zu verschenken, sollte sich ein Kind in eine Geschichte verliebt haben und sich gar nicht mehr trennen wollen.
Wir wollen weitersammeln - die ersten Bücher sind heute schon wieder bei mir eingetrudelt -  damit es bald wieder heißt: Bücher für die Sternenbrücke.

Überarbeitenmodus on


Dienstag, 8. Februar 2011

Du bist nicht allein

Da sitzen wir Autoren in unseren Kämmerlein.
Wir denken und dichten, entwerfen und verwerfen und wir hoffen und bangen, dass unser Text auch jemandem gefallen möge. Sehnsüchtig starren wir Tag für Tag immer wieder in unser Postfach und wenn wir zu den Glücklichen gehören, die schon veröffentlicht haben, kommt noch der tägliche Blick auf die Amazonränge hinzu. Und beide, Postfach und Amazon, sind wunderbar geeignet, uns zu verhöhnen, uns auszulachen, uns klein zu machen und uns zu zeigen: Wir sind nichts. Gar nichts. Und zudem noch allein.

Doch dann kommt das, was ich letztes Wochenende genießen durfte:
Ein Treffen von mehr als zwanzig Kinder- und Jugendbuchautoren in Hamburg! Und es war einfach nur toll!
Schon am ersten Abend konnte ich endlich einmal den Kollegen Tom Finn persönlich kennenlernen und mich zusammen mit Gabriele Gfrerer in die Tiefen der Fantasywelt entführen lassen. Die Tiefen des Schanzenviertels in Hamburg haben wir nebenbei auch kennengelernt, der Abend war ein rundum gelungener. Noch in der S-Bahn tauschten Gabi und ich Plot-Ideen aus, die wir im Hotelzimmer bis tief in die Nacht fortsetzten, lange war ich nicht mehr so beschwingt, so frei in meinen Gedanken, so fähig zum Rumspinnen, Träumen, Plotten und Geschichten (er)finden.
Am nächsten Tag war dann unser großes Treffen und hier ging es weiter mit dem Austauschen über Ideen, Projekte, aber auch Schreibblockaden, Steuererklärungen oder die leidigen Änderungswünsche und Absagen der Verlage.
Und es tat so gut zu sehen und hören, dass man keineswegs alleine ist mit seinem Schreiballtag, sondern dass wir doch alle irgendwie im gleichen Boot sitzen.
Es war spannend, die eine oder andere Kollegin oder den Kollegen persönlich kennenzulernen, es wurden Belegexemplare getauscht und Programmvorschauen herumgereicht. Kurz: Es war ein rundum gelungenes Treffen der Kinderbuchautoren.
Und in einem waren wir uns abschließend alle einig: Wir haben den wunderbarsten Beruf der Welt!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Warum ich schreibe

Das werde ich immer wieder gefragt. Und kann es nicht wirklich beantworten. Einmal habe ich gesagt, man könnte mich genauso gut fragen, warum ich atme.
Ich schreibe, weil ich es muss, will, kann, darf ... weil es meine Art ist, mich auszudrücken, zu sprechen, zu kommunizieren, mich bemerkbar zu machen, zu diskutieren, zu erinnern, zu träumen. Es gibt so vielerlei Gründe, dass ich wirklich nicht die eine einzige Antwort weiß.
Im Grunde müsste ich das Zitat   cogito, ergo sum  (Ich denke, also bin ich) abwandeln in  scribo, ergo sum (Ich schreibe, also bin ich).

Fragen wir besser mal einen berühmten Kollegen, warum er eigentlich schreibt:

Max Frisch - Warum schreiben Sie?

Mittwoch, 2. Februar 2011

Mutter sein

Ich sitze mit meinem ersten eigenen Roman in der Hand da und staune.
Ich staune über einen einzigen Satz. Einen Satz, den die meisten meiner Leser vermutlich völlig gedankenlos überlesen werden - was ihnen vergönnt sei.
Aber mich hat heute genau dieser eine Satz tief berührt, tiefer, als jeder andere Satz in meinem Buch. Er steht ziemlich weit hinten, genau genommen fast am Schluss.

Und er lautet:

Nach der Geburt ihres fünften Kindes hängte sie ihre Robe an den Nagel, um sich ganz ihrer auf XL-Format angewachsenen Großfamilie widmen zu können.

Das ist ein Teil meiner Biographie. Und natürlich kenne ich diesen Satz schon länger, steht er doch so oder ähnlich auf meiner Homepage, auf Verlagsseiten, irgendwo im Blog-Profil.
Bisher habe ich beim Lesen immer an die Robe gedacht, die Anwaltsrobe, die ich wirklich gerne und leichten Herzens an den Nagel gehängt habe.
Erst heute fiel mir die Ungeheuerlichkeit dieses Satzes in Auge: ... nach der Geburt ihres fünften Kindes.
Und ich fühlte mich plötzlich unendlich reich, unendlich dankbar. Fünf Schwangerschaften, alle vollkommen problemlos, fünf Geburten, jede für sich spannend, jede für sich ein Abenteuer, das es alleine wert wäre, ein Buch darüber zu schreiben, jede für sich ein Stück Himmel. Sicher, ein Kind zu gebären ist anstrengend und immer mit Schmerzen verbunden. Aber trotzdem blicke ich auch hier auf fünf wunderbare Geburten zurück. Und jedesmal war es ein bisschen so, als ob Türen zwischen Welten sich öffnen, die sonst verschlossen sind.

Zwanzig Jahre ist es her


Und dann? Fünf quietschgesunde Kinder. Natürlich eines schöner als das andere ;-) Jedes eben auf seine Weise.
Mein erstes Kind, meine Tochter, wird in diesem Monat 20.
Zwanzig Jahre und ich frage mich, wo ist diese Zeit geblieben? Es scheint mir, dass es erst gestern war, als ich dieses winzige zerbrechliche Mädchen, dem später vier mehr als kräftige Brüder folgten, auf meinem Bauch liegen hatte.
Mein jüngstes Kind besucht noch den Kindergarten. Und auch, wenn viele das nicht verstehen können, ich bin sehr dankbar dafür, dass ich noch so viel Zeit habe, mich an das Loslassen der anderen Kinder zu gewöhnen. Denn loslassen muss ich natürlich jedes einzelne von ihnen, dessen bin ich mir bewusst.

Heute fand ich in einem anderen Blog einen Brief wieder, den ich vor langer Zeit einem meiner Kinder in sein Geburtstagebuch geklebt habe. Ein Brief von einer Autorin, die mich seit meiner Kindheit begleitet:
Astrid Lindgren.
Wer hätte über das Wunder der Geburt, das Geschenk und auch das Loslassen schöner schreiben können als diese Frau?
Deshalb will ich euch den Brief hier zeigen und wünsche vor allem den Müttern unter euch einen schönen Tag!

Brief an meinen Sohn
von Astrid Lindgren

Mein Sohn liegt in meinem Arm. Er ist eine so zarte kleine Last, man spürt sie fast gar nicht. Und doch wiegt sie schwerer als Erde und Himmel und Sterne und das ganze Sonnensystem. Wenn ich heute sterben müsste, so könnte ich die Erinnerung an diese holde kleine Last mit mir ins Paradies nehmen. Ich habe nicht vergebens gelebt.
Mein Sohn liegt in meinem Arm. Er hat so kleine, kleine Hände. Die eine hat sich um meinen Zeigefinger geschlossen, und ich wage nicht, mich zu rühren. Er könnte dann vielleicht loslassen, und das wäre unerträglich. So ein Himmelswunder diese kleine Hand mit fünf kleinen Fingern und fünf kleinen Nägeln. Ich wusste ja, dass Kinder kleine Hände haben, aber ich habe wohl nicht recht begriffen, dass mein Kind auch solche haben würde. Denn ich liege hier und blicke auf das kleine Rosenblatt, das die Hand meines Sohnes ist, und kann nicht aufhören zu staunen.Er liegt mit geschlossenen Augen da und bohrt seine Nase in meine Brust, er hat schwarzes, flaumiges Haar, und ich kann ihn atmen hören. Er ist ein Wunderwerk.Sein Vater war hier und fand auch, dass er ein Wunderwerk sei. Er muss also ein Wunderwerk sein, da wir beide es finden. Meine Liebe zu ihm tut fast weh.

Vorhin hat mein Sohn ein bisschen geweint. Wie ein kläglich blökendes Zicklein gebärdet er sich, wenn er weint, und ich ertrage es fast nicht. Wie schutzlos du bist, kleines Zicklein. Mein kleines Vögelchen, wie soll ich dich schützen? Meine Arme schließen sich fester um dich. Sie haben auf dich gewartet, meine Arme, sie waren von Anfang an für dich bestimmt, ein Nest für dich zu sein, du mein Vögelchen.Du bist mein, du gehörst mir jetzt. In diesem Augenblick bist du ganz mein. Aber bald wirst du anfangen zu wachsen. Jeder Tag, der vergeht, wird dich ein kleines Stück weiter von mir wegführen. Nie mehr wirst du mir so nahe sein wie jetzt.Vielleicht werde ich eines Tages mit Schmerz an diese Stunde denken: “Wie die klagende Saite einer Geige, wie ein Kiebitzruf auf der Heide geht die Sehnsucht der Menschen nach Menschen durch die von Menschen bewohnte Welt. Am demütigsten und tiefsten aber sehnen sich die Eltern nach den Kindern, die von den Gesetzen des Lebens in andere Zusammenhänge gerufen wurden”. Das steht in einem Buch, das ich habe.In diesem Augenblick hast du mich, aber gewiss werden die Gesetze des Lebens auch dich in andere Zusammenhänge rufen. Und dann werde ich vielleicht so ein rufender Kiebitz auf der Heide sein und vergeblich nach meinem Vögelchen rufen. Das Vogeljunge wird wachsen und groß werden. Ich weiß, dass es so sein muss.
Aber jetzt, in diesem Augenblick, habe ich dich. Du bist mein, mein – mit deinem flaumigen Kopf und deinen zarten, kleinen Fingern und deinem kläglichen Weinen und deinem Munde, der nach mir sucht. Du brauchst mich, denn du bist nur ein armes, kleines Kind, das auf die Erde gekommen ist und gar nicht ohne Mutter sein kann. Du weißt nicht einmal, was das für ein Ort ist, an den du gekommen bist, und vielleicht klingt dein Weinen deshalb so verirrt. Hast du Angst, das Leben zu beginnen? Du weißt nicht, was dich erwartet? Soll ich es dir erzählen?
Hier gibt es so viel Merkwürdiges. Warte nur, dann wirst du es sehen. Es gibt blühende Apfelbäume und kleine, stille Seen und große, weite Meere und Sterne in der Nacht und blaue Frühlingsabende und Wälder – ist es nicht schön, dass es Wälder gibt? Manchmal liegt Raureif auf den Bäumen, manchmal scheint der Mond, und im Sommer liegt Tau im Grase, wenn man erwacht. Dann kannst du auf deinen kleinen, nackten Füßen dort gehen. Du kannst auf schmalen, einsamen Skispuren in den Wald hinein gleiten – wenn es Winter ist natürlich. Die Sonne wirst du lieben, sie wärmt und leuchtet, und das Wasser im Meer ist kühl und lieblich, wenn du badest. Es gibt Märchen in der Welt und Lieder. Es gibt Bücher und Menschen, und einige von ihnen werden deine Freunde. Es gibt Blumen, sie sind gar nicht nützlich, sondern nur schön. Ist das nicht wunderbar und herrlich? Und auf der ganzen Erde gibt es Wälder und Seen und Berge und Flüsse und Städte, die du nie gesehen hast, aber vielleicht eines Tages sehen wirst. Deshalb sage ich dir, mein Sohn, dass die Erde ein guter Ort ist, um dort zu leben, und dass das Leben ein Geschenk ist. Glaub nie denen, die etwas anderes zu sagen versuchen. Gewiss, das Leben kann auch schwer sein, dass will ich dir nicht verhehlen. Du wirst Kummer haben, du wirst weinen. Es kommen vielleicht Stunden, da du den Wunsch hast, nicht mehr zu leben. Oh du kannst nie verstehen, was für ein Gefühl es für mich ist, dies zu wissen. Ich könnte mein Herzblut für dich geben, aber ich kann nicht eine einzige von den Sorgen wegnehmen, die dich erwarten. Und doch sage ich dir, mein liebes Kind:Die Erde ist die Heimat der Menschen, und sie ist eine wunderbare Heimat. Möge das Leben nie so hart gegen dich sein, dass du es nicht verstehst.
Gott schütze dich, mein Sohn!
Astrid Lindgren

Dienstag, 1. Februar 2011

Ich packe meinen Koffer ...

... und packe ein Buch ein. Ich packe meinen Koffer und packe ein Buch und ein Buch ein. Ich packe meinen Koffer und packe ein Buch und ein Buch und ein Buch ein ...
Irgendwann ist der erste Koffer voll und ich packe einen zweiten Koffer.



Nein, ich will weder aus- noch umziehen. Bei uns wird auch nicht renoviert oder umgebaut. Ich packe Bücher für die Sternenbrücke. Monatelang haben Kinderbuchautoren aus ganz Deutschland, sogar aus Österreich und der Schweiz mir ihre Belege geschickt. Ursprünglich sollten die Bücher schon vor Weihnachten nach Hamburg reisen, wegen Krankheit komme ich erst jetzt dazu.
Aber jetzt steht der Termin fest: Am Freitag, dem 4. Februar werde ich die Bücher zusammen mit meinen Kolleginnen Gabriele Gfrerer und Kari Erlhoff in das Kinderhospiz Sternenbrücke in Hamburg bringen. Ich freue mich schon sehr darauf, die neue Heimat unserer Bücher einmal mit eigenen Augen zu sehen. Jetzt muss ich die zwei sehr sehr schweren Koffer nur noch dorthin bringen.
Zum Glück habe ich einen ICE gefunden, der von Hanau nach Hamburg in einem Rutsch fährt. Vor Ort hoffe ich auf einen freundlichen Taxifahrer. :-)