Mittwoch, 27. März 2013

Schreiben bis zum Burnout

Ich bin mit vielen AutorInnen befreundet. 
Wir tauschen uns aus übers Schreiben, über die Verlage, über unsere Jobs, über Erfolge/Misserfolge, über Lesereisen, über Höhen und Tiefen unseres oft sehr einsamen Schreiballtags.
In letzter Zeit mehren sich die Hilferufe: Von Verzweiflung über die Zusammenarbeit mit Verlagen ist die Rede bis hin zu großen finanziellen Problemen, vom Druck der Auftragsschreiberei, vom Verheiztwerden bis hin zum Burnout. Besonders letzteres ist erschreckend. Immer mehr meiner Kollegen und Kolleginnen brechen unter dem Druck zusammen. 
Und dann sitzen wir da und fragen uns: Ist es das, was wir wollten, als wir noch vom ersten Buch geträumt haben?
Wer diesen Traum auch träumt oder aber schon ausgeträumt hat, sollte dringend folgende Blogbeiträge lesen:


außerdem


und dann noch


Ich schreibe aktuell drei bis vier Romane pro Jahr. Leben kann ich davon nicht. Trotzdem bin ich schon froh, dass ich mich und meine Kinder zumindest einigermaßen über Wasser halten kann. Und wage es nicht, das Pensum zu reduzieren  aus Angst vor dem finanziellen Einbruch. Aus Angst davor, bei den Verlagen ganz schnell ins Abseits zu geraten. Die Warteschlangen der Autoren mit Manuskript in der Hand ist elend lang. 

Gleichzeitig merke ich, dass mir die Zeit fehlt. Die Zeit, Texte reifen zu lassen, die Zeit, Ideen zu spinnen, Geschichten zu entwickeln. Von der Zeit, mich vom Schreiben zu erholen, mal ganz abgesehen. Ich beginne mehr und mehr an der Qualität meiner Bücher zu zweifeln. Und verdränge die Warnsignale, so wie es alle tun. 
Was treibt uns in diesen Teufelskreis? Als ich anfing zu schreiben, wurde mir schon recht früh gesagt, dass maximal 4 % aller Autoren von ihrem Einkommen leben können. Trotzdem war ich felsenfest davon überzeugt, bald dazu zu gehören. Ist es immer noch der alte Traum vom Tellerwäscher, der uns so blind werden lässt für die Realität? 

Trotzdem gibt es zur Zeit so viele Autoren und solche, die es werden wollen, wie noch nie. Woher kommt dieser Drang zu schreiben und zu veröffentlichen? Bei mir, bei all den Kollegen und bei denen, die noch davon träumen? Wenn es doch so schwer ist, in dieser Branche Fuß zu fassen, wenn sich so überhaupt nicht vom Bücherschreiben leben lässt, wenn die Neuerscheinungen das eigene Buch schon nach wenigen Wochen wieder aus den Regalen der Buchhandlungen drängen, warum um alles in der Welt springt man dann auf dieses Karussell noch mit auf? 

Carla Berling schreibt dazu in ihrem  Tagebuch eines Romans "Vom Kämpfen und vom Schreiben":
Ich glaube, dass die meisten Künstler ein besonders großes Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung haben.
Vielleicht ist das der Schlüssel für uns Autoren. Vielleicht sollten wir endlich damit anfangen, uns selbst zu lieben und wieder mehr auf unsere Bedürfnisse achten, statt darauf zu warten, dass andere das tun.

1 Kommentar:

Alice Gabathuler hat gesagt…

Was mich gerade total umhaut: Ich habe gar nicht schlecht verkauft letztes Jahr. Für jemanden, der nur ein Buch pro Jahr schreibt, sogar sehr ordentlich. Aber ich kann mir mit den Einnahmen aus diesen gar nicht so schlechten Verkaufsszahlen einfach zu wenig kaufen. DAS furstet.

Nun kann ich auswählen: Mehr schreiben (haha - wozu, um mehr zu verkaufen und doch nicht genug zu verdienen und erst noch in einen gewaltigen Burnout zu rennen, ganz abgesehen davon, dass mir dann die Zeit zum Überarbeiten und damit auch für die Qualität fehlt?) und weniger Lesungen machen (denn damit mache ich mein hauptsächlich mein Geld).

Oder gleich wenig schreiben und wieder voll auf Lesungen zu setzen. Das ist zwar extrem anstrengend, aber für mich als Jugendbuchautorin wesentlich ergiebiger. Aber eigentlich wollte ich meine Lesungen etwas zurückschrauben, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

Oder ich werde das, was ich lange war: Hobbyautorin. Und betrachte die Einnahmen aus dem Schreiben von Büchern als Taschengeld. Was meine ganze Arbeit (und das ist Bücherschreiben: Arbeit)total abwertet.