Dienstag, 27. August 2013

Wolfgang Herrndorf ist tot

... und ich bin unendlich traurig.

Die meisten kennen ihn spätestens seit seinem Roman Tschick, der Geschichte einer Freundschaft zwischen dem "Psycho" Maik und dem russischen Spätaussiedler Andrej Tschichatschow, genannt Tschick.

Tschick  wurde zum Bestseller, der sich allein in Deutschland 1 Million mal verkaufte. Für seinen Roman Sand erhielt Wolfgang Herrndorf den Preis der Leipziger Buchmesse 2012.

Wolfgang Herrndorf litt an einem unheilbaren Gehirntumor. Sein Leiden und vor allem sein Sterben hat er in seinem Blog "Arbeit und Struktur" dokumentiert, das ich auch auf meiner Blogroll seit Jahren verlinkt hatte.

Nach den letzten Blogeinträgen war klar, dass er nur noch auf den Tod warten konnte. Trotzdem befällt uns beim Lesen solcher Einträge doch immer wieder nur die Hoffnung, dass wenigstens dieser eine es schaffen möge.

Seine langjährige Vertraute und Freundin, die Autorin Kathrin Passig, teilte vor wenigen Minuten per Twitter mit:
"Wolfgang Herrndorf starb nicht am Krebs. Er hat sich gestern in den späten Abendstunden am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen."

Wolfgang Herrndorf hat es geschafft. In anderer Hinsicht.
Er hat es geschafft, sich in die Herzen seiner Leser zu schreiben und damit unsterblich zu werden.
Sein Tod geht mir nahe. Sehr nahe. Vielleicht, weil wir schon seit so vielen Monaten Bloggerkollegen waren, ganz sicher, weil er ein wunderbarer Autorenkollege war und auf jeden Fall, weil ich seinen Mut und seine Begeisterung fürs Schreiben, die ihn selbst dann noch weiterschreiben ließ, als er kaum noch Worte und Buchstaben gefunden hat, so sehr bewundert habe.

Ich wünsche mir für Wolfgang Herrndorf, dass er auf der anderen Seite das findet, das er sich hier gewünscht hat.




"... den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch
mit dem Tod der andren muss man leben." (Mascha Kaleko)

Der Autor stirbt. Er dokumentiert seinen 
unausweichlichen Weg seit seiner Erkrankung für 
die Öffentlichkeit. Der öffentlich lebte, stirbt
öffentlich.

Es mahnt der Sterbende die Lebenden zu leben. 
Er geht. Hoffen wir auf ein Wunder ?  Auf die erlösende 
Nachricht, die doch nicht kommen wird? 

Schaut hin. Wendet nicht euren Blick ab. Seht, wovor 
die Gesellschaft gern die Augen verschließt. Seht, 
wovor das Leben kapituliert. 
Vor der Unendlichkeit. 

Aber du wirst leben. In deinen Geschichten. In den 
Herzen derer, die dir nahe stehen.

1 Kommentar:

Sarah hat gesagt…

Jutta, das ist sehr schön. Meine Gedanken gehen an seine Freunde und die Familie. Ich kann seinen Entschluss nachvollziehen - welche Qual, als Schreibender nicht mehr schreiben zu können. Wenigstens zu bestimmen, wann man geht..und trotzdem muss es für die um ihn herum schwer gewesen sein.

Reiner, dein Gedicht macht mir Gänsehaut. Danke dafür.