Freitag, 13. September 2013

Was wir fühlen

ist das, was zählt.
Nicht das, was ist. Mir ist es so wichtig, euch das heute zu sagen.

Wenn ihr Schriftsteller sein wollt, dann fragt nicht danach, wie ihr das werdet, sondern seid es einfach. Lasst das Gefühl einfach in euch zu. Setzt euch hin und schreibt und seid Schriftsteller. Wenn ihr Maler sein wollt, setzt euch hin und malt und seid Maler. Und wenn ihr Kunstschreiner sein wollt, dann schreinert und seid es. 

Es ist nicht wichtig, ob ihr ein oder vier Bücher im Jahr schreibt. Wenn ihr schreibt, seid ihr Schriftsteller. Genießt das Gefühl, nach dem ihr euch so gesehnt habt, badet darin und lebt es. Es ist nicht wichtig, ob ihr ein Möbel im Monat oder nur eins im Jahr entwerft und baut. Und es ist überhaupt nicht wichtig, was andere dazu sagen. Fühlt euch so, wie ihr euch fühlen wollt.

 Ich höre das so oft. All diese Träume. Ich wünschte, ich hätte, ich wäre, ich könnte ... Ich kann mich verliebt fühlen, selbst wenn es um mich herum regnet, stürmt oder schneit, kann ich auf Wolken schweben und mich warm und wohlig und geborgen fühlen. Mit ein bisschen Fantasie kann ich mich auch in meinen vier Wänden mitten in Hanau fühlen als hätte ich ein Haus am Meer.

Wisst ihr, was meine Beobachtung ist? Es sind nicht die Dinge, hinter denen wir herhetzen. Es sind viel mehr die Gefühle, die wir damit verbinden. Es sind Lebensgefühle, nach denen wir uns sehnen. Das Gefühl der Freiheit. Das Gefühl der Unabhängigkeit. Das Gefühl des Geborgenseins. Und und und ...
und ich behaupte, dass wir uns diese Gefühle jederzeit gönnen können.
Ganz egal, was andere sagen.
Ganz egal, wo im Leben wir stehen.
Das ist das, was Kinder uns voraus haben. Oder anders gesagt, das ist das, was die meisten von uns mit ihrer Kindheit verloren haben. Die Fähigkeit zu fühlen ...

 Ein Mädchen, das mit einem Regenschirm auf einer Mauer balanciert, ist eine Seiltänzerin. Es fühlt sich wie eine Seiltänzerin. Und kein Gedanke könnte dieses Gefühl in Frage stellen. Ein Junge mit einem Holzschwert in der Hand ist ein Ritter. Er fühlt sich stark und mächtig und verwegen. Wir Nicht-mehr-Kinder belächeln das. Wir sagen: Es spielt ja nur. Es ist nicht wirklich eine Seiltänzerin, ein Ritter.



Aber kommt es darauf an? Kommt es wirklich darauf an, was ist? Oder kommt es nicht viel mehr darauf an, wie es sich anfühlt? Sind nicht unsere Gefühle das, was uns mit Leben füllt? Viel mehr als die Dinge, die sind? Ich glaube, genau das meint das berühmte Zitat: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Vielleicht sollte man es abwandeln in "Fühle deine Träume".
Ich wünsche euch das. Von Herzen.

1 Kommentar:

Hanne von BookLounge hat gesagt…

"Lasst das Gefühl einfach zu."
Du hast wieder einmal einen Text geschrieben, den ich nun schon drei Mal durchgelesen habe.
Von mir kommt einfach nur ein "Danke", auch wenn ich oft belanglos diesen Daumen hoch bei FB klicke, nix bei denken. Die für mich wichtigen Dinge sehe ich schon, nur manches Mal halte ich mich lieber zurück.
Liebe Grüße Hanne