Montag, 30. September 2013

Wer muss schon lesen?

Ich hatte mich längst damit abgefunden, dass offensichtlich keins meiner fünf Kinder meinen Büchervirus geerbt hat. Leseratten im Kinderzimmer? Fehlanzeige.
Dachte ich.
Und jetzt - seit einigen Tagen - sitzen plötzlich an allen möglichen und unmöglichen Orten im Haus lesende Kinder mit einem dicken Buch auf dem Schoß. Auf der Treppe. Beim Mittagessen. Auf dem Klo. Im Bett unter der Bettdecke. Sogar in der Badewanne.
K3 (11 Jahre) und K4 (9 Jahre) hat es gepackt.
Und ich stehe staunend davor und habe - ganz ehrlich - überhaupt keine Ahnung, was diese Lesewut plötzlich ausgelöst haben könnte.

Natürlich habe ich immer viel vorgelesen. Von Anfang an und auch stets sehr lange. Ich lese heute noch vor, nicht nur den Kindern, auch dem Liebsten. Ich lese einfach gerne vor.


Ich habe mir zeitweise den Mund fusselig geredet, um die Kinder ans Buch zu kriegen. Habe es mit allem möglichen Tricks probiert. Den erprobten und den weniger erprobten. Wie kann das sein? Ich bin Kinderbuchautorin, kämpfe für die Leseförderung, und die eigenen Kinder verweigern jedes Buch, das dicker ist als ein Pixi-Heftchen?

Und jetzt? Als ich schon aufgegeben hatte, mich schon drauf eingestellt hatte, dass mehr als textlose Mangas unsere Kinderzimmer wohl nie sehen werden, jetzt auf einmal hat sie das Lese-Virus gepackt. Und zwar richtig.
K3 liest Harry Potter, ohne Luft zu holen (Kniefall vor Frau Rowling für diese Bücher) und K4 liest Der kleine Hobbit. Und wartet sehnsüchtig darauf, dass K3 mit dem nächsten HP-Band durch ist.

Ich würde euch so gerne sagen, wie das geschehen konnte. Vor allem den Müttern unter euch würde ich gerne einen Tipp geben. Aber ich kann es nicht. Es gab keinen Auslöser. Keinen erkennbaren jedenfalls. Außer vielleicht meine plötzliche Resignation, die dann irgendwann in Gelassenheit umschlug.
Sie wollen nicht lesen? Na gut. Dann halt nicht.

Vielleicht ist das das Geheimnis verschlossener Türen. Vielleicht heißt "Sesam öffne dich" übersetzt eigentlich nur: Mir doch egal, ob du aufgehst oder nicht. Mir geht's auch gut, wenn du verschlossen bleibst. Vielleicht finden verschlossene Türen es langweilig, wenn man nicht an ihnen rüttelt. Dann sehen sie keinen Sinn mehr darin, verschlossen zu bleiben.

Einen Versuch wäre es wert.
Deshalb: Egal worum ihr kämpft: probiert es mal mit Gelassenheit. Vielleicht geht es euch ja wie mir. Und euch öffnen sich plötzlich Welten, mit denen ihr schon längst nicht mehr gerechnet habt.

So ging es  zumindest auch K4 jetzt.

Heute Morgen am Frühstückstisch: "Du Mama, seit ich dieses Buch lese, habe ich das Gefühl, die ganze Geschichte findet jetzt in meinem Zimmer statt. Ich hab ein ganzes Zimmer voll mit dieser spannenden Geschichte."
Und nach einer Weile ... er nippte nachdenklich am Kakao ...
" ...du, sag mal: Wie viele tausend Bücher haben wir im Haus?"
"Viele."  :-)

Freitag, 13. September 2013

Und doch ist einer ...



Wieder ist einer der ganz Großen gegangen. Otto Sander.



Was wir fühlen

ist das, was zählt.
Nicht das, was ist. Mir ist es so wichtig, euch das heute zu sagen.

Wenn ihr Schriftsteller sein wollt, dann fragt nicht danach, wie ihr das werdet, sondern seid es einfach. Lasst das Gefühl einfach in euch zu. Setzt euch hin und schreibt und seid Schriftsteller. Wenn ihr Maler sein wollt, setzt euch hin und malt und seid Maler. Und wenn ihr Kunstschreiner sein wollt, dann schreinert und seid es. 

Es ist nicht wichtig, ob ihr ein oder vier Bücher im Jahr schreibt. Wenn ihr schreibt, seid ihr Schriftsteller. Genießt das Gefühl, nach dem ihr euch so gesehnt habt, badet darin und lebt es. Es ist nicht wichtig, ob ihr ein Möbel im Monat oder nur eins im Jahr entwerft und baut. Und es ist überhaupt nicht wichtig, was andere dazu sagen. Fühlt euch so, wie ihr euch fühlen wollt.

 Ich höre das so oft. All diese Träume. Ich wünschte, ich hätte, ich wäre, ich könnte ... Ich kann mich verliebt fühlen, selbst wenn es um mich herum regnet, stürmt oder schneit, kann ich auf Wolken schweben und mich warm und wohlig und geborgen fühlen. Mit ein bisschen Fantasie kann ich mich auch in meinen vier Wänden mitten in Hanau fühlen als hätte ich ein Haus am Meer.

Wisst ihr, was meine Beobachtung ist? Es sind nicht die Dinge, hinter denen wir herhetzen. Es sind viel mehr die Gefühle, die wir damit verbinden. Es sind Lebensgefühle, nach denen wir uns sehnen. Das Gefühl der Freiheit. Das Gefühl der Unabhängigkeit. Das Gefühl des Geborgenseins. Und und und ...
und ich behaupte, dass wir uns diese Gefühle jederzeit gönnen können.
Ganz egal, was andere sagen.
Ganz egal, wo im Leben wir stehen.
Das ist das, was Kinder uns voraus haben. Oder anders gesagt, das ist das, was die meisten von uns mit ihrer Kindheit verloren haben. Die Fähigkeit zu fühlen ...

 Ein Mädchen, das mit einem Regenschirm auf einer Mauer balanciert, ist eine Seiltänzerin. Es fühlt sich wie eine Seiltänzerin. Und kein Gedanke könnte dieses Gefühl in Frage stellen. Ein Junge mit einem Holzschwert in der Hand ist ein Ritter. Er fühlt sich stark und mächtig und verwegen. Wir Nicht-mehr-Kinder belächeln das. Wir sagen: Es spielt ja nur. Es ist nicht wirklich eine Seiltänzerin, ein Ritter.



Aber kommt es darauf an? Kommt es wirklich darauf an, was ist? Oder kommt es nicht viel mehr darauf an, wie es sich anfühlt? Sind nicht unsere Gefühle das, was uns mit Leben füllt? Viel mehr als die Dinge, die sind? Ich glaube, genau das meint das berühmte Zitat: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Vielleicht sollte man es abwandeln in "Fühle deine Träume".
Ich wünsche euch das. Von Herzen.

Montag, 2. September 2013

Bombig

Heute war ein richtig spannender Tag.
K2 hat sein Praktikum angefangen. Abi hat er seit Juni in der Tasche. Jetzt macht er ein Praktikum, dann eine Ausbildung. Immer schön eins nach dem anderen. Danach will er Kunst studieren.
Wo er jetzt arbeitet? Beim "Bomber".
Die meisten zucken schon zusammen, wenn ich das erzähle. Verständnislose weit aufgerissene Augen. Wo???
Na hier: Bomber

Bomber Helge Steinmann 


K2 war heute den ganzen Tag mit seinem neuen Chef unterwegs. Und war begeistert. Und ich war schon alleine vom Zuhören begeistert. So spannende Begegnungen.
K3-K5 hoffen jetzt auf eigene Graffitys in den Kinderzimmern. Mal schauen, was uns die neue Ausbildung sonst noch so bringt.