Freitag, 30. Dezember 2016

Nina George im Tischgespräch

Sehr gerne stelle ich in meinem Blog auch immer wieder mal Kolleginnen und Kollegen vor, deren Bücher und/oder deren Arbeit mich besonders beeindrucken. Eine davon ist schon seit geraumer Zeit Nina George, von deren Energie und Enthusiasmus  ich mir so manches Mal gerne eine winzig kleine Scheibe abschneiden möchte.

Quelle: www.1.wdr.de


Was Nina zu ihrem ungebrochenen Elan und ihrem Engagement für den Buchmarkt, zum Schreiben, zum Leben und auch zum Tod zu sagen hat, das könnt ihr jetzt nachhören im Tischgespräch, das der WDR mit ihr geführt hat. 

Einfach auf den nebenstehenden Link klicken: Nina George - Tischgespräch

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Überraschungspost

Ganz kurz vor Ende des Jahres erreichte mich noch eine richtige Überraschungspost.
Die Klasse 4b der Grundschule Aßlar hat vor den Weihnachtsferien mein Buch "Florentine oder Wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt" gelesen, die Kinder haben ein Lesetagebuch geführt, kreative Aufgaben rund ums Buch erledigt UND - sie haben mir geschrieben! 23 wunderbare liebe Briefe der ganzen Klasse lagen heute in meinem Briefkasten.



 Am liebsten würde ich euch alle vorlesen bzw. zeigen, aber das schaffe ich leider aus Platzgründen und auch zeitlich nicht.
Deshalb habe ich hier stellvertretend zwei Briefe für euch eingescannt und setze mich jetzt daran, den Kindern ganz schnell einen Antwortbrief zu schreiben, damit sie ihn gleich nach dem Ende der Weihnachtsferien vorfinden.


Von hier aus aber schon mal ein ganz dickes Dankeschön an die ganze Klasse 4b und ihre Lehrerin Annika Rösch für diese wunderschöne Überraschung! Ich habe mich riesig darüber gefreut! Und Florentine ist auch ganz glücklich über so viel Fanpost!

Dienstag, 27. Dezember 2016

Zwischen den Jahren

Es ist immer wieder eine merkwürdige Zeit - so zwischen den Jahren. Es fühlt sich nach geschenkter Zeit an, nach Zeit, die plötzlich irgendwo noch übrig ist. Weil alle Termine pünktlich vor Weihnachten endeten und die neuen Termine erst für das kommende Jahr geplant sind. Aber ich weiß diese Zeit gut zu nutzen, eigentlich ist sie sogar dringend notwendig, um all das voranzutreiben, das sich auf meinem Schreibtisch schon stapelt.
Mein aktuelles Manuskript habe ich aus dem Lektorat zurück. Jetzt geht es ans Überarbeiten und den Feinschliff, eigentlich meine Lieblingsarbeit am Text. Außerdem warten zwei Verlage auf eine Leseprobe von mir für ein ganz anderes Buch, hier muss ich meine Erzählstimme finden und vor allem auch einen zumindest groben Plot zimmern, damit ich einen guten Einstieg in den Roman schreiben kann.
Eine Kurzgeschichte will noch bis Ende des Jahres abgegeben werden, gerade fällt es mir auf, doch noch ein Termin in diesem Jahr - ein Abgabetermin.

Was soll ich sonst noch sagen? Zu dem vergangenen Jahr ist schon so viel gesagt und geschrieben worden, dass mir das Jahr 2016 fast leid tut. Es war sicher ein aufwühlendes Jahr. Aber es hatte für mich trotz allem auch viele schöne Momente und Augenblicke, große und kleine Überraschungen und Geschenke bereit. Ich möchte keinen einzigen Tag des letzten Jahres missen und bin dankbar, dass ich es zusammen mit all meinen Lieben gesund und munter erleben durfte. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen weniger jammern und ein bisschen mehr auf die positiven Dinge schauen. Ich meine damit nicht eine rosarote Brille, die uns den Blick auf die Gefahren verschleiert. Aber ich wünsche mir von uns allen ein bisschen Enthusiasmus, die Dinge anzupacken, die angepackt werden müssen, ein bisschen Mut, weiter zu gehen und für die Werte einzustehen, die uns wichtig sind und ich wünsche mir Besonnenheit und Verständnis für einander.

In diesem Jahr wurde mein Sohn Paul konfirmiert. Und gerade in den letzten Tagen, als so viel von Angst und Schrecken die Rede war, fiel uns der Konfirmationsspruch wieder ein, den wir Paul schon zur Taufe und später dann zur Konfirmation mit auf den Weg gegeben haben:


Und ich denke, es ist egal, ob wir an diesen oder einen anderen Gott glauben oder gar ohne Glauben sind: Ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit kann uns auch im kommenden Jahr weiter bringen, als diejenigen, die versuchen, uns mit Hass und Angst zu überziehen.




Freitag, 25. November 2016

Freiheit für Aslı Erdoğan!

Bitte unterschreibt diese Petition und teilt sie. Überall!

25. NOV. 2016 — Die Freude war kurz in dieser Woche: Aslı Erdoğan ist frei – so die Nachricht aus der Türkei. Nach einer Stunde die ernüchternde Klarstellung: Die türkische Autorin bleibt in Haft, es war eine Falschmeldung. Seit mehr als drei Monaten sitzt die Autorin und Journalistin in einer kleinen Gefängniszelle im Istanbuler Stadtteil Bakirköy in Untersuchungshaft. Sie ist stark gesundheitlich angeschlagen, die ärztliche Versorgung wird ihr weitestgehend verwehrt. Während der Buchmesse in Istanbul vor zwei Wochen hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammen mit deutschen Autoren und Verlegern vor dem Gefängnis in Bakirköy eine Mahnwache abgehalten und ihre umgehende Freilassung gefordert.

Wir müssen weiter für die Freiheit Aslı Erdoğans und anderer inhaftierter und verfolgter Kulturschaffender in der Türkei kämpfen! Machen Sie Ihre Mitmenschen auf die Zustände in der Türkei aufmerksam und teilen Sie die Petition.

(Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels)






Samstag, 19. November 2016

Die Schuld der anderen

Heute muss ich einfach mal auf einen Blogger-Kollegen verweisen und  dorthin verlinken. Denn ohne ihn hätte ich dieses Zitat, das so exakt auf die aktuelle Situation nach der US-Präsidentenwahl passt, vermutlich nicht gefunden.



Das Zitat stelle ich Euch hier ein, den Artikel lest ihr dann bitte beim Kaffeehaussitzer!

»Weißt Du, worin die amerikanische Lebensart besteht?«, fragte Richie. Er blickte immer noch aus dem Fenster, das Glas auf halber Höhe zum Mund. 
Ich spürte, wie die Wut im Raum endgültig mit dem Whisky in meinem Blut verschmolz und sich im Sog des Alkohols auflöste. »Nein, Richie. Worin?«
»Einen Schuldigen finden«, sagte er und nahm einen kräftigen Schluck. »Ist doch so. Du arbeitest auf einer Baustelle und lässt einen Hammer auf deinen Fuß fallen? Verklage die Baugesellschaft. Das ist ein Zehntausend-Dollar-Fuß. Du bist weiß und findest keine Arbeit? Gib den Minderheitenprogrammen die Schuld. Du findest keine und bist schwarz? Gib den Weißen die Schuld. Oder den Koreanern. Oder warum nicht gleich den Japanern? Denen gibt sowieso jeder die Schuld. Das ganze Land ist voll von bösen, unglücklichen, verwirrten, beleidigten Menschen, und keiner von denen hat genug Grips, um produktiv mit seiner Situation umzugehen. Sie reden von der guten alten Zeit, als alles noch einfacher war, als ob man in diese Zeit zurückkehren könne. Und weil sie es nicht schnallen, suchen sie sich jemanden, dem sie die Schuld geben können. Nigger, Juden, Weiße, Schlitzaugen, Araber, Russen, Abtreibungsbefürworter, Abtreibungsgegner – sonst noch jemand?«
Ich schwieg. Gegen die Wahrheit lässt sich nicht viel einwenden.

(aus: Ein letzter Drink von Dennis Lehane)


Mittwoch, 2. November 2016

Warum ist das so?

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal der "Oldenburger Jugendbuchpreis" mangels Qualität der eingereichten Manuskripte nicht vergeben.
Einen ausführlichen Artikel dazu findet man im Börsenblatt: HIER

Über die Nichtvergabe des Preises berichtete an anderer Stelle auch Sabine Hoß auf ihrer Literaturseite Bücher leben!

In ihrem Beitrag beschreibt Sabine Hoß auch ihre eigenen Lesewahrnehmungen dahingehend, dass sie nach mehr als 10 Jahren intensiver Arbeit mit Kinder- und Jugendliteratur festgestellt habe, dass es ihr immer schwerer falle, sprachliche und inhaltliche Perlen herauszufischen. Zitat: "Zu viele Bücher sind hier nur noch Massenware."

"Warum ist das so?", fragte Sabine Hoß und auf diese Frage hat ihr nun mein Kollege Salah Naoura geantwortet.

Sein Fazit: Deutschsprachige Autoren schreiben nicht schlechter oder besser als andere Autoren anderer Länder. Allerdings sind die Bedingungen für KJL-Autoren, die Anspruchsvolles und Innovatives wagen wollen, in Deutschland derzeit ... leider denkbar schlecht.

Die Gründe, die seiner Meinung nach dafür verantwortlich sind, hat Salah in seiner langen Antwort an Sabine Hoß ausgeführt. HIER könnt ihr die komplette Antwort lesen, die ich Wort für Wort unterschreibe.


Solange Verlage nur darauf schielen, möglichst schnell, schnell den nächsten Bestseller rauszuhauen, deshalb teure Lizenzen einkaufen und ihr komplettes Werbebudget in eben diese Lizenztitel stecken, solange sie Nachwuchsautoren geradezu auffordern, doch möglichst diese Lizenzen mit "ähnlichen" Titeln zu bedienen, wird es nicht nur Sabine Hoß weiter so empfinden, dass  Kinder- und Jugendbücher als Massenware daherkommen.  Und so lange werden anspruchsvolle und innovative deutschsprachige Kinderbücher immer in zweiter Reihe stehen. Wenn sie überhaupt einen Platz im Verlagsregal finden.

Noch bin ich nicht bereit, mich von dieser inzwischen gängigen Praxis entmutigen zu lassen. Und wenn mir eine Lektorin wieder einmal - wie tatsächlich schon mehrfach in der Vergangenheit geschehen - sagt: Schreiben Sie doch mal so wie John Green, dann kann ich nur den Kopf schütteln, mich an den Schreibtisch setzen und weiter so schreiben wie Jutta Wilke.

Dienstag, 1. November 2016

National Novel Writing Month 2016

Es geht los. Der NaNoWriMo 2016 ist gestartet.
NaNoWriMo? Du weißt nicht, was das ist?
Seit Wochen fiebern tausende Schreibwütige diesem Termin entgegen, unter dem Hashtag #nanowrimo oder #NaNoWriMo oder #NaNoWriMo16 oder auch #NaNoWriMo2016 ist er dir bestimmt schon begegnet, der heiß ersehnte National Novel Writing Month.

Ich zitiere einfach mal aus Wikipedia:

NaNoWriMo, oder National Novel Writing Month, ist ein kreatives Schreibprojekt, das im Jahr 1999 von dem Amerikaner Chris Baty ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, während der 30 Tage des Monats November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu verfassen. Trotz seines Namens ist das Projekt längst international geworden und in vielen Ländern der Welt versuchen jedes Jahr tausende von Menschen, in 30 Tagen ein Buch zu schreiben. Auf diese Weise wurden während des NaNoWriMo 2009 insgesamt 2.427.190.537 Wörter geschrieben.
Und nach einigen erfolglosen Versuchen bin ich in diesem Jahr endlich wieder aktiv dabei.
Wer mich auf der offiziellen NaNoWriMo-Seite sucht, findet mich unter meinem dortigen Namen Holundermond.


Ich freue mich über viele sog. Writing Buddies und folge euch ebenfalls gerne, wenn ihr mir verratet, wie ihr heißt.
Und jetzt muss ich mich hier ganz schnell ausklinken. Denn ich habe rechts neben meinem Blog einen Zähler installiert, damit ihr meine Schreibfortschritte dort mitverfolgen könnt. Und der  Zähler steht tatsächlich noch auf Null. (zumindest tat er das am 1.11.16 um 10:50 Uhr) Es wird also Zeit, in die Tasten zu hauen.

Montag, 31. Oktober 2016

Die Carnegie-Hall, Sir Karl Jenkins und ich

Musikliebhaber kennen seinen Namen. Der Komponist Karl Jenkins ist vor allem für seine Bemühungen um Völkerverständigung und Versöhnung zwischen den Erdteilen bekannt.
Es ist deshalb eine schöne Tradition, dass die Konzertreihen in der Carnegie Hall in New York alljährlich im Januar mit einer Folge von Kompositionen dieses Komponisten eröffnet werden.
So auch im Januar 2017.

Am Sonntag, dem 15. Januar 2017 wird in der Carnegie Hall  Karl Jenkins Requiem zur Aufführung gebracht sowie - als US - Premiere -  die Cantata Memoria for the Children of Aberfan.

Und so klingt die Ankündigung auf der Website der Carnegie Hall:

DCINY honors UK composer Sir Karl Jenkins with an evening comprised of both new and lauded compositions by the honoree. The program includes the U.S. premiere of Cantata Memoria for the Children of Aberfan and the Jenkins Requiem. The performance is conducted by Jonathan Griffith, DCINY Artistic Director and Principal Conductor, and features Distinguished Concerts Orchestra and Distinguished Concerts Singers International.

Warum ich euch das erzähle?

Weil ich mich so unglaublich auf dieses Konzert freue. Weil ich als Teil unseres großen Schulchores, in dem auch Eltern mitsingen, nämlich genau zu diesen "Distinguished Concerts Singers" gehöre.
Weil ich deshalb zusammen mit meinem "K3" Paul und einem großen Teil des Chores am 11. Januar 2017 nach New York fliegen, Sir Karl Jenkins himself kennenlernen und dann als Teil eines großen internationalen Chores in der Carnegie Hall auf der Bühne stehen und dieses Requiem singen werde.

Als vor etwa einem halben Jahr die offizielle Einladung an unsere Schule ging, glaubte unser Chorleiter zunächst an einen Scherz und suchte die versteckte Kamera. Aber es war kein Scherz. Und deshalb probt jetzt seit Wochen ein Auswahlchor des Schulchores für eben dieses Konzert.

Das alles ist so unfassbar, so unglaublich, dass es mir noch ein wenig vorkommt wie ein Traum. Ich freue mich so so so sehr auf die Musiker und Musikerinnen aus der ganzen Welt, denn es werden noch viele Chöre von allen Kontinenten dieses Planeten das Konzert mitgestalten. Und ganz besonders freue ich mich darüber, dass mein K3 Paul nicht nur im Tenor dabei ist, sondern am 15. Januar in der Carnegie-Hall auch noch seinen 15. Geburtstag feiern wird. Dieser Geburtstag dürfte für den Rest seines Lebens als Erinnerung kaum noch zu toppen sein.

Und wer weiß? Vielleicht befindet sich ja unter den vielen Konzertteilnehmern sogar noch ein amerikanischer Verleger, den ich um den Finger wickeln kann? ☺ ☺ ☺

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Nochmal ganz neu

Nachdem mein Schweinchen "Florentine" eine neue Verlagsheimat gefunden hat, freue ich mich jetzt riesig darüber, dass auch ein Jugendroman von mir an anderer Stelle wieder veröffentlicht wird.
Vor dem neuen Erscheinungstermin steht aber die Arbeit. Denn der neue Herausgeber braucht jetzt das druckfähige Manuskript. Nichts leichter als das, sollte man meinen, schließlich liegen die Druckfahnen ja vor. Pustekuchen. Schwarz wie Schnee ging damals in den Druck, ohne dass ich die Druckfahnen je zu Gesicht bekommen hätte. Das lag an verschiedenen ungünstigen Faktoren, an Krankheiten, an Durcheinander im Verlag, an Zeitdruck.


Deshalb muss ich jetzt Wort für Wort und Seite für Seite die mir vorliegende Word-Datei mit dem Endergebnis, dem gedruckten Buch, abgleichen. Und schauen, was damals vom Verlag noch geändert worden ist.
Zuerst dachte ich, am einfachsten sei diese Arbeit zu zwei zu erledigen. Einer liest vor, der andere liest im Manuskript mit und korrigiert gegebenenfalls. Aber schon nach dem ersten Absatz wurde mir klar, dass es so nicht funktioniert. Weil nämlich damals vom Verlag nicht nur Text, sondern auch Zeichensetzung teilweise geändert worden ist. Oder ab und zu Wörter kursiv gesetzt wurden, die ich nicht kursiv hatte und ähnliches mehr. All das hört man beim Vorlesen nicht heraus oder aber, man müsste jedes Satzzeichen laut mitlesen. Das wäre mühselig.
Also liegt jetzt der aufgeschlagene Roman vor mir, das Manuskript leuchtet auf dem Monitor und ich lese Satz für Satz, Wort für Wort zweimal und vergleiche.
Das dauert bei 450 Seiten. Und ist eine anstrengende Konzentrationsübung.

Aber: Wenn man trotz dieser doppelten Leseübung und trotz dem mühsamen Fehlersuchen beim Lesen vor lauter Spannung eine Gänsehaut bekommt, dann hat man damals beim Schreiben etwas richtig gemacht.
Und die Vorfreude auf die Wiederbelebung dieses Romans rechtfertigt jede Minute Arbeit, die ich jetzt nochmal hineinstecken muss!

Mittwoch, 26. Oktober 2016

These drei

Schreiben ist ein Abenteuer. Abenteuer plant man nicht.

So lautet sie - These drei von Ankleben verboten.

Was kann ich dazu anderes sagen, als ja, aus vollem Herzen JA? Schreiben ist ein Abenteuer.
Aber:  Ich plane mein Schreiben. Das durchaus. Ich entwerfe, verwerfe, plotte, entwickle, spanne Fäden mit Leib und Seele. Trotzdem ist es immer wieder so, dass mein schönster Plan mir nichts nutzt, dass meine Figuren anders wollen als ich will oder ganz einfach auch mein Leben nicht so schnurgerade verläuft, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen erdacht und erplant habe. Aber ist nicht gerade das das Abenteuer bei jeder Wanderung, die man unternimmt? Wie langweilig wäre der Weg, wenn er vom Start schnurgerade und ohne jede Überraschung zum Ziel führen würde? Natürlich wandere ich auch mit einer Wanderkarte, zumindest bei längeren Wegstrecken laufe ich nicht einfach ins Blaue hinein. Und trotzdem sind doch gerade die kleinen Überraschungen unterwegs die Momente, die das Wandern zu einem ganz besonderen Abenteuer machen. Sei es die kleine Lichtung, die man gefunden hat, weil man sich an einer Weggabelung verlaufen hat, sei es das Gewitter in den Bergen, von dem man noch Jahre später berichten wird ... und so ist es auch mit dem Abenteuer SCHREIBEN. Man kann das Schreiben planen, nicht aber das Abenteuer, das man damit erlebt.



Ein Roman, den ich vom ersten bis zum letzten Wort ohne Hindernisse, ohne Umwege runter schreibe, hinterlässt keine Spuren in mir.
Anders ein Roman, der sich quer stellt, ein Text, der mich nachts nicht schlafen lässt, Figuren, die unbequem sind oder aber auch einfach nur ein Schreibprogramm, das genau dann abstürzt, wenn ich die letzten zwanzig Seiten noch nicht gespeichert habe. Das alles sind nur im ersten Moment kleine und große Katastrophen. Aber genau wie das Gewitter während der Bergtour sind es im Rückblick die Momente, die das Schreiben zu einem Abenteuer machen, die Augenblicke, die die Schriftstellerin in mir herausfordern, die mich lebendig halten, mich wachrütteln, an mir zerren und mich mitreißen.
Schreiben ist ein Abenteuer. Ich werde weiter plotten und Wanderrouten durch meine Texte festlegen. Und dann lasse ich mich überraschen von dem, was am Schreibtischrand auf mich wartet.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Uns gehts wohl zu gut







Lasst diese Bilder einmal kurz auf euch wirken.
Ich habe euch nicht etwa meinen Großeinkauf vom letzten Wochenende fotografiert. Oder - genau genommen ist es exakt das. Nur dass mich dieser Einkauf keinen Cent gekostet hat.
Was ihr auf den Fotos seht, sind Lebensmittel, die ich mir über die Organisation Foodsharing von einem sogenannten Fairteiler geholt habe.
Mit anderen Worten: Diese Lebensmittel auf meinem Küchentisch wurden von verschiedenen Lebensmittelmärkten "entsorgt".
Ich schreibe bewusst "entsorgt", weil das auf dem Foto alles Lebensmittel sind, die unter "normalen" Umständen im Müllcontainer gelandet wären. Der ganze Küchentisch liegt voll mit aussortierter, entsorgter Ware. Dass die Sachen nicht im Müllcontainer landeten, haben sie nur engagieren sog. Foodsavern der Organisation Foodsharing zu verdanken.
Als Großfamilienmitglied und Mutter von fünf Kindern ist mir unsere Wegwerfgesellschaft ganz besonders im Hinblick auf Lebensmitteln schon lange ein Dorn im Auge, und immer wieder habe ich nach Möglichkeiten gesucht, dem entgegenzuwirken. Anfragen bei Lebensmittelhändlern wurden immer negativ beschieden. Was nicht mehr verkauft wird, wird weggeworfen. Fertig.
Auch wenn es sich um zwanzig frischgebackene Brote in der Backabteilung handelt. Nach Ladenschluss landen die in der Mülltonne.
Illegales Containern - also nachts heimlich die Container wieder ausräumen - kam für mich nicht infrage. Umso glücklicher war ich, als mein Ältester (Student in Frankfurt) mich auf die Foodsharing-Gemeinschaft hinwies.
Foodsharer kann jeder werden. Man registriert sich und bemüht sich, Lebensmittel nicht mehr wegzuwerfen, sondern zu verteilen. Wer Überfluss hat, kann Essenskörbe auf der Online-Plattform einstellen, andere User können sich melden und die Essenskörbe abholen. Alles vollkommen kostenlos und ohne schlechtes Gewissen. Es geht darum, Lebensmittel nicht mehr wegzuwerfen. Das ist das Ziel. Dass man dabei jede Menge Geld spart, ein weiterer positiver Nebeneffekt.
Einen Schritt weiter gehen die Foodsaver. Nach entsprechender Schulung und mit Ausweisen versehen, bemühen sie sich um die Lebensmittelmärkte ihrer Region. Und sammeln ein, was weggeworfen werden soll.
An den "Fairteiler-Stationen" kann man sich die Sachen dann je nach Bedarf abholen, die Information, wann ein Fairteiler wieder gefüllt worden ist, erfolgt via Mail, Facebook oder WhatsApp.

Ich schreibe euch das alles, weil ich nach meinem "Einkauf" beim Fairteiler in meinem Wohngebiet immer noch völlig fassungslos bin. Das alles wäre ohne Foodsaver in der Mülltonne gelandet?
Überlegt einfach mal, welchen Weg zum Beispiel die Mandarinen schon hinter sich haben. Und dann werfen wir sie hier weg. Und warum? Weil die Netze, in denen sie verkauft werden sollten, gerissen waren und die Früchte einzeln in den Regalen lagen. Das gleiche gilt für die Kartoffeln auf dem Foto.
Die Joghurts sind zum Teil seit einem Tag abgelaufen, die meisten Joghurts sind nicht abgelaufen, sondern wurden aussortiert, weil die Viererpacks auseinandergebrochen wurden und so nicht mehr verkauft werden konnten! Die Bratwürstchen auf dem Foto sind noch eine Woche haltbar. Ich habe keine Ahnung, warum sie im Müll landen sollten.

Einerseits bin ich natürlich sehr glücklich über diese neue Methode, wertvolles Haushaltsgeld zu sparen. Andererseits bin ich ehrlich geschockt, wie wir mit unseren Lebensmitteln umgehen. Gewusst habe ich das natürlich schon lange, aber es so bunt und frisch vor mir auf dem Küchentisch zu sehen, war doch nochmal etwas anderes. Und deshalb zeige ich euch diese Fotos.
Wir dürfen so nicht weiter machen. Hier muss endlich was passieren. Ein Umdenken ist dringend erforderlich! Und deshalb bitte ich euch, schaut euch die Seite Foodsharing an, meldet euch an und helft mit, Lebensmittel zu retten, indem ihr sie verbraucht, verteilt und weitergebt, statt sie wegzuwerfen.

Freitag, 7. Oktober 2016

These 2

Und weiter geht es mit den Thesen. Wer den Hintergrund dazu kennen möchte, guckt hier: Ankleben verboten!

These 2 lautet: Unterbrich nicht, was du angefangen hast!

Was für ein weiser Ratschlag. Unterbrich nicht, was du angefangen hast. Ja. Aber leider weit entfernt von meiner Realität.
Wobei ich ganz deutlich zwei Arten von Unterbrechungen unterscheide.
Die eine - das Prokrastinieren. Ich schreibe, die Gedanken schweifen ab, ich fange an, plötzlich ganz andere Dinge zu tun, als fröhlich weiter in die Tasten zu hacken resp. den Stift zu schwingen.
Ich räume Spülmaschinen aus, fülle Waschmaschinen, sauge Staub ... einerseits nicht gut, weil es von mangelnder Disziplin zeugt. Andererseits merke ich oft, dass ich gerade bei diesen hausfraulichen Notwendigkeiten nebenher im Kopf durchaus weiter schreibe. Dass sich beim Fensterputzen Knoten im Kopf lösen, Puzzlesteine beim Staubsaugen an die richtige Stelle fallen oder ich beim Blumengießen auf einmal weiß, wo der Haken im Plot ist.
Also ist es genau genommen gar nicht so schlimm, ab und zu ein wenig hauszuhalten während man schreibt.

Die zweite Art von Unterbrechung ist eher kontraproduktiv: der ganz normale Wahnsinn halt. Oder - wie John Lennon angeblich gesagt hat: Leben ist das, was passiert, während du gerade dabei bist, andere Pläne zu machen.

Und diese Unterbrechungen würde ich mir tatsächlich oft lieber schenken. Weil sie mich rausholen aus meinem Manuskript. Weil sie mir  querkommen, mir in die Kniekehlen treten, weil sie höhnisch lachend am Rand stehen und mir ein Bein stellen, weil sie feixen, wenn ich schon wieder am Abgabetermin vorbeischleiche den Kopf voller Gedanken, aber kein fertiges Manuskript in der Hand.


Manchmal schaffe ich es, diese Unterbrechungen zu ignorieren. Bewaffnet mit literweise Kaffee und einer Tüte Gummibärchen schlage ich ihnen ein Schnippchen und rufe ihnen zu: Ihr könnt mich mal. Aber ganz oft - viel zu oft - erwischen sie mich.

Ich werde ihnen zukünftig These 2 um die Ohren schlagen. Das Leben soll gefälligst warten, bis ich fertig bin ☺

Und ihr so?




Mittwoch, 5. Oktober 2016

These 1

In meinem letzten Beitrag habe ich euch von dem Stück Papier erzählt, dass ich gefunden und das mir ausdrücklich das Ankleben verboten hat.
Ich habe es trotzdem getan. Und euch versprochen, mich der einzelnen Thesen doch noch einmal anzunehmen.

Und da ist sie nun - These 1:

Während du an etwas schreibst, schweig darüber.

Es gibt natürlich einige einleuchtende Gründe, sich an diese These zu halten. Zum einen unterliegen Inhalte, die ich bereits bei einem Verlag untergebracht haben, oft einer Schweigepflicht bis zur Veröffentlichung, um nicht die Konkurrenz auf den Plan zu rufen.
In Kollegenkreisen höre ich aber auch oft von der Angst, eine Idee könnte von anderen Autoren gestohlen bzw. abgekupfert werden. Ideen sind ja bekanntlich nicht geschützt, vielleicht wäre es deshalb ratsam, darüber zu schweigen.

Und ja, es mag auch Autoren geben, die nur dann ganz in ihren Text eintauchen können, wenn sie eben nicht darüber sprechen. Wenn sie jeden Satz, jedes Wort für sich behalten bis zur Veröffentlichung. So wie es Maler gibt, die man jederzeit im Atelier besuchen und ihnen über die Schulter gucken kann und solche, die schnell ein Tuch über die Staffelei werfen.




Ich mache das nicht. Ich gehe vielleicht nicht in jedes Detail und ich beachte natürlich auch eventuelle vertragliche Verpflichtungen. Aber ansonsten rede ich gerne und oft über meine Arbeit. Ich brauche den Austausch, um immer wieder neu inspiriert zu werden, um neue Denkanstöße zu bekommen und auch, um mal abzuklopfen, wie meine Ideen denn so bei anderen ankommen. Nicken sie begeistert oder gähnen sie gelangweilt?
Außerdem hilft mir der Austausch oft über Momente hinweg, in denen ich hängen bleibe, nicht weiter weiß oder anfange, mich gedanklich im Kreis zu drehen.

Gerade bei sehr speziellen Themen hat mir das Reden darüber auch schon den einen oder anderen Kontakt gebracht, der mir inhaltlich weiterhelfen konnte oder einen Tipp hatte, wo ich mit meiner Recherche noch ansetzen könnte.

Ich brenne für meine Geschichten. Ich glaube, es würde mich verbrennen, wenn ich nicht darüber sprechen dürfte.

Und jetzt bin ich gespannt: Wie macht ihr das? Haltet ihr euch an These 1 oder sprecht ihr über das, was ihr gerade schreibt?



Sonntag, 2. Oktober 2016

Ankleben verboten

Manchmal geht der Zufall seltsame Wege. Und am Ende des Tages schüttelt man nur staunend den Kopf und fragt sich, ob das jetzt überhaupt Zufall war.
Eigentlich wollte ich am Manuskript arbeiten. Kreativ sein. Produktiv. Und so ganz nebenbei noch dringend einen Blogbeitrag schreiben. Aber wie so oft fielen mir plötzlich hundert Dinge ein, die auch noch erledigt werden wollten. Zum Beispiel aufräumen. Herumliegende Zeitschriften und Bücher einsortieren. Staub wischen. Wäsche waschen.
Als ich eins der Bücher in die Hand nahm, um es zurück ins Regal zu schieben, rutschte ein Faltblatt heraus. Ich legte es ohne Beachtung zur Seite und machte weiter. Erst am Abend, inzwischen leicht missmutig und mit meinem Beruf hadernd (ein neues Thema für den Blog fehlte mir auch noch), fiel mir der Zettel wieder auf. Ich wollte ihn schon wegwerfen, dachte, irgendeine Werbebroschüre in den Händen zu halten, als mein Blick an der Überschrift hängenblieb: Ankleben verboten!
Komischer Titel. Ich war weit davon entfernt, das Ding anzukleben. Aber meine Neugier war geweckt. 
Ich hab das Schriftstück auseinander gefaltet, gelesen, gestutzt, nochmal gelesen. Und dann habe ich genau das gemacht, was laut Titel verboten ist: Ich habe es in meinem Zimmer angeklebt. Ans Bücherregal, so dass ich es immer im Blick habe.
Denn auf diesem Faltblatt befindet sich Die Technik des Schriftstellers in 13 Thesen.
Aufgeschrieben hat diese Thesen Reinhard Kaiser - Mühlecker in Anlehnung an Walter Benjamin, der bereits 1928 dreizehn Thesen über die Technik des Schriftstellers veröffentlicht hat.
Und zwar unter dem Titel "Ankleben verboten!"



Ich habe ein bisschen recherchiert. Die Literaturzeitschrift Neue Rundschau hat diese Idee Walter Benjamins im Jahr 2007 aufgegriffen und bat seitdem für jede ihrer Ausgaben einen Schriftsteller, ebenfalls 13 Thesen zu formulieren. Und eben eins dieser Exemplare der Neuen Rundschau hatte ich heute nachmittag ins Regal geräumt und dabei die Thesen von Reinhard Kaiser - Mühlecker gefunden.
Wer sich für die Thesen von Walter Benjamin oder die der anderen bisher befragten Schriftsteller interessiert, findet diese auf den Seiten der Neuen Rundschau

Mich werden die Thesen an meinem Bücherschrank noch für eine Weile beschäftigen. Und gleichzeitig lieferte mir Reinhard Kaiser-Mühlecker nicht nur jede Menge Stoff zum Nachdenken, sondern gleich auch noch Stoff für mindestens dreizehn weitere Blogbeiträge. Denn diesen Thesen will ich in den nächsten Tagen schon noch ein bisschen auf den Grund gehen. Und wer weiß, vielleicht kann ich dabei ja meine ganz eigenen Thesen zur Technik des Schriftstellers entwickeln.


Donnerstag, 29. September 2016

Florentine ist wieder da!

Ich hatte es bereits angekündigt - jetzt ist es offiziell:

Mein Kinderbuch Florentine oder Wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt ist endlich endlich wieder im Handel.
Ich habe so sehr um dieses Schweinchen gekämpft, denn die Kinder lieben es! Aus keinem anderen Buch habe ich in den letzten beiden Jahren so viele schöne und fröhliche Lesungen bestritten wie aus diesem.
Jetzt hat sich der Buch Verlag Kempen des heimatlosen Schweins angenommen und seit ein paar Tagen ist Florentine wieder lieferbar.
Besonders glücklich bin ich darüber, dass auch die tollen und witzigen Vignetten von Patrick Wirbeleit wieder übernommen worden sind.



Erhältlich ist das Buch überall, wo man Bücher kaufen kann und natürlich auch beim Buch Verlag Kempen direkt unter der ISBN: 978-3867407519 für den sagenhaft günstigen Preis von € 7,50

Wer gerne ein signiertes Buch haben möchte, kann sich jederzeit direkt an mich wenden: post(at)juttawilke.de



Sonntag, 25. September 2016

Erster Hessischer Kinderbuchtag



Trotz Hexenschuss, Bronchitis, Halsentzündung und Borreliose ... dieses Ereignis habe ich mir nicht nehmen lassen.
Heute fand in der Kurfürstlichen Burg in Eltville am Rhein der Erste Hessische Kinderbuchtag statt und ich durfte - zusammen mit 15 weiteren wunderbaren Kolleginnen und Kollegen dabei sein!

Zu einem ausführlichen Bericht bin ich heute nicht mehr in der Lage. Aber dafür lasse ich euch meinen kurzen Beitrag hier, den ich für die Eröffnungsfeier geschrieben hatte:



Warum ich Kinderbücher schreibe:
Schon als Kind war mir
eine Welt immer zu wenig.
Hier gab es ja keine echten Prinzessinnen mehr
 - oder nur hässliche –
keine Ritter, keine Drachen und keinen König.
Ich wollte andere Welten sehen,
wollte Hexen, Zauberer und Feen.
In meinen Büchern
hab ich sie alle gefunden.
Stundenlang hab ich gelesen,
bin zu den Sternen geflogen,
zu fremden Wesen.
Hab mich nachts
unter der Decke versteckt,
mit der Taschenlampe und `ner Tafel Schokolade
neue Welten entdeckt.
Ich bin mit dem Buch vor der Nase
morgens aufgestanden,
hab beim Zähneputzen gelesen
oder auf dem Klo,
und mir war ganz egal
wie meine Eltern das fanden.
Hab alle Wunschpunkte des Sams verbraucht,
hab mit Pippi nicht den Fußboden berührt
und ab und zu mit Winnetou
eine Friedenspfeife geraucht.
Ich bin zum Schulbus gelaufen
mit dem offenen Buch in der Hand.
Blöd war das nur, wenn da plötzlich
eine Laterne stand.
Die von Narnia war es leider nie.
Trotzdem war ich dort,
besuchte Aslan, den König.
Eine Welt war mir einfach immer zu wenig.
Mit Fuchur bin ich
zur kindlichen Kaiserin geflogen,
hab mit Momo die grauen Herren besiegt,
bin mit Jim Knopf und Emma
durch Lummerland gezogen.


Und eines Tages - war ich groß,
also von außen gesehen.
In mir drin steckt aber doch
immer noch
das Kind mit den Zauberern und Feen.
Und das erzählt mir Geschichten,
sagt ganz oft: Weißt du noch?
Wie wir damals …
mit Peter Pan die verlorenen Jungs in Nimmerland fanden
oder mit Alice vor der Tür zum Wunderland standen?
Und dann seh ich all die Türen,
hinter jeder Tür ein neuer Planet,
ein neues Abenteuer,
das nie zu Ende geht.
All die Welten,
in denen ich war,
sind nie wirklich verschwunden.
Ich hab dort die Steinzeit, einen goldenen Pokal und
sogar ein altes Zirkusschwein gefunden.
Und heute weiß ich: Ich hab etwas,
das selbst Harry Potter nie hatte:
Mein Stift ist ein Zauberstab und
mein Patronus eine Leseratte.
Jede Geschichte, die ich erzähle,
ist eine neue Tür.
Und jedes Buch,
das ich schreibe
und das DU liest –

öffnet sie DIR!
© Jutta Wilke


Sonntag, 11. September 2016

Fiese Eindringlinge

Hier ist es aktuell ein bisschen ruhiger geworden und das hat Gründe. Mich hat es erwischt. Genau genommen hat mich vor etlichen Wochen eine Zecke erwischt und ich habe mir nicht allzu viel dabei gedacht.
Bis jetzt einige Krankheitszeichen aufgetreten sind, die meine behandelnde Ärztin stutzig und mich etwas flügellahm gemacht haben. Fieber, heftige Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Dauermüdigkeit ... um nur einige zu nennen.
Eine gründliche Blutuntersuchung brachte es dann ans Licht: Ich habe mir durch den Zeckenbiss eine Borreliose eingefangen. Damit hätte ich nie und nimmer gerechnet, weil ich mich zwar dunkel an eine Zecke erinnern konnte, das aber wirklich schon so lange zurücklag, dass ich das gar nicht in Betracht gezogen hatte. Eine (Spät)Sommergrippe erschien mir wahrscheinlicher.
Aber jetzt konnte mir meine Ärztin meinen ziemlich lädierten Zustand zumindest medizinisch nachvollziehbar erklären.


Aktuell ziehen wir mit sehr starken Antibiotika gegen die Borrelien zu Feld. Und entsprechend fühle ich mich. Mein Verdauungssystem spielt verrückt, mein Kopf dröhnt und müde bin ich eigentlich nur noch ... und auf dem Schreibtisch häufen sich die Texte, die fertig geschrieben oder überarbeitet werden wollen.
Deshalb kommen jetzt all die Dinge ein bisschen zu kurz, die zusätzliche Kraft und Energie brauchen. Dieser Blog gehört dazu. Aber ich bin noch da, lese bei euch mit und werde euch auch weiter auf dem Laufenden halten.




Montag, 29. August 2016

#FreeWordsTurkey








Heute, am Montag, dem 29. August 2016, startet die bisher größte Aktion und gezielte Kampagne, um sich für die Meinungsfreiheit und für die Autorinnen und Autoren der Türkei einzusetzen: #FreeWordsTurkey

Im Anhang findet ihr die Pressemeldung, welche die Aktion vorstellt und  Punkt 9.00 deutschlandweit online gehen wird.

Nicht nur die gesamte Buchbranche, sondern ALLE BÜRGER werden darin aufgerufen, sich so laut sie nur können auszusprechen für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Kunstfreiheit, und damit an unsere Politiker heranzutreten.

Ich persönlich bitte euch alle, die Pressemitteillung, die Kampagne unter dem Hashtag #FreeWordsTurkey weiter zu tragen, zu teilen, zu veröffentlichen, bekannt zu machen und vor allem auch die Petition zu unterzeichnen.

Und hier die Pressemitteilung im Wortlaut:


Petition: Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey
Bundesregierung und EU-Kommission müssen Meinungsfreiheit in der Türkei einfordern 

Börsenverein des Deutschen Buchhandels, PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen fordern von Bundesregierung und EU-Kommission kompromisslosen Einsatz für Meinungsfreiheit in der Türkei / Petition unter www.freewordsturkey.de/petition / Bundeskanzleramt mit Aktionsbotschaft angestrahlt

Frankfurt am Main / Berlin / Darmstadt, 29.8.2016 – Die türkische Regierung geht derzeit vehement gegen die Freiheit des Wortes vor. Seit dem Putschversuch vor sechs Wochen werden regierungskritische Autoren, Journalisten, Verleger und andere Medien- und Kulturschaffende massiv drangsaliert und verfolgt. Mindestens 60 Journalisten und Autoren wurden verhaftet, mehr als 130 Medienhäuser wurden geschlossen, darunter 45 Zeitungen, 29 Buchverlage und 15 Magazine. Damit spitzt sich die bereits angespannte Situation für Journalisten, Autoren und Verlage in der Türkei weiter zu.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels startet deshalb gemeinsam mit dem PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen die Kampagne „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“. Gemeinsam rufen sie dazu auf, eine Online-Petition an die Bundesregierung und die EU-Kommission zu unterzeichnen. Darin appellieren sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Die drei Organisationen fordern die Verantwortlichen dazu auf, ihre Politik gegenüber der Türkei und anderen Ländern, in denen die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt wird, zu überprüfen. Außerdem fordern sie schnelle Hilfe für verfolgte Journalisten und Autoren, zum Beispiel durch die unbürokratische Ausstellung von Nothilfe-Visa.
„Die türkische Regierung greift die Meinungsfreiheit massiv an. Die Bundesregierung und die EU-Kommission dürfen dazu nicht länger schweigen. Die Freiheit des Wortes ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar. Die Politik muss dieses Recht kompromisslos vertreten, sie darf es nicht aufgrund von Nützlichkeitserwägungen auf Spiel setzen. Lassen Sie uns gemeinsam das Schweigen brechen und ein Zeichen für die Meinungsfreiheit setzen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.
„Die Verhaftungen, Einschüchterungen und Behinderungen von Autoren in der Türkei müssen umgehend aufhören. Wir haben das Recht und die Pflicht, für die Kollegen zu kämpfen, weil mit den gezielten Maßnahmen gegen die Presse- und Meinungsfreiheit nicht nur die türkische Demokratie massiv gefährdet wird, sondern durch die Tatenlosigkeit der europäischen Politik gegenüber diesen Vorgängen auch unsere Werte massiv beschädigt werden. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, sagt Sascha Feuchert, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschlands.
„Schweigen ist angesichts der Situation in der Türkei keine Option. Gegen die massenhafte Verfolgung von Journalisten und Autoren gilt es jetzt, klar Stellung zu beziehen. Die verfolgten türkischen Medienschaffenden brauchen unsere Solidarität und unsere praktische Unterstützung“, sagt Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen.


Gemeinsame Bewegung der Buch- und Medienbranche

Verlage, Buchhandlungen und andere Medienunternehmen unterstützen die Kampagne aktiv. Unternehmen schalten ihren Webseiten ein Bild mit der Aktionsbotschaft „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“ vor. Buchhandlungen rufen ihre Kundinnen und Kunden in den kommenden Tagen mit Plakaten in ihren Läden zur Teilnahme an der Petition auf. Die drei Organisationen fordern Partnerorganisationen im In- und Ausland dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen und die Petition zu verbreiten.

Sonntag, 28. August 2016

Ohrfeige

Abbas Khider (c) Morgenpost.de


Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen.
Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört.

Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayrischen Provinz gelandet. Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte, bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang.

... geschrieben hat diesen ebenso abgründigen wie warmherzigen Roman Abbas Khider. Und gelesen wird dieses Buch jetzt im Rahmen der Aktion "Hanau liest ein Buch" in der ganzen Stadt.

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Seit 2000 lebt er in Deutschland. 2008 erschien sein Debütroman "Der falsche Inder", es folgten die Romane "Die Orangen des Präsidenten" (2011), "Brief in die Auberginenrepublik" (2013) und "Ohrfeige" (2016).
Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis sowie dem Hilde-Domin-Preis geehrt. Ganz aktuell erhält Abbas Khider den Spycher: Literaturpreis Leuk 2016. Abbas Khider lebt in Berlin.


Vom 16. bis 24. September 2016 lesen nun rund 60 Vorleserinnen und Vorleser an über 50 Orten in und um Hanau aus Khiders neuestem Roman "Ohrfeige".

Ich selbst bin auch dabei und freue mich auf zwei Lesetermine in "meinen" zwei Buchhandlungen in Hanau.
Wer Lust hat, mir beim Vorlesen zu lauschen, kommt entweder am


oder alternativ am


Kleiner Tipp: Am 19. September 2016 findet ab 16:30 eine Signierstunde mit dem Autor Abbas Khider persönlich im Buchladen am Freiheitsplatz statt.
Das wäre doch eine ideale Verbindung: Erst hört ihr mir ein bisschen beim Vorlesen zu und schnuppert so in das Buch, danach könnt ihr es im Buchladen kaufen und vom Autor persönlich signieren lassen. Besser geht's ja kaum

Ich freue mich jedenfalls auf zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer!





Donnerstag, 25. August 2016

Endlich Yoga



Ich habe euch noch gar nicht von meiner neuesten Erfahrung berichtet.
Dazu als kleine Vorgeschichte: in jungen Jahren war ich sehr sehr sportlich. Ich habe schon als Jugendliche Leichtathletik als Leistungssport betrieben, als Studentin bin ich dann später auf Triathlon umgestiegen - ihr wisst schon: Schwimmen, Radfahren, Laufen. Bis zum Ironman habe ich es zwar nicht geschafft, sondern mich auf die sogenannten Kurzdistanzen beschränkt, aber auch das beinhaltete pro Wettkampf rund 2 KM Schwimmen, 60 KM Radfahren und 10-12 KM Laufen.
In Trainingseinheiten hieß das: Ich habe damals eigentlich fast jeden Tag trainiert und fast jeden Tag zwei dieser Sportarten. Kurz: ich war fit wie ein Turnschuh.
Ich war damals eine Kämpfernatur. Ich wollte mich mit anderen messen. Mich reizte der Wettkampf gegen meinen inneren Schweinehund, aber auch gegen andere. Und besonders gut gefiel mir, dass im Triathlon immer gemischt angetreten wurde, also auch Männlein gegen Weiblein.

Irgendwann kamen dann meine Kinder auf die Welt und meine Prioritäten haben sich verschoben. Meinen letzten Wettkampf absolvierte ich, als meine heute 25 jährige Tochter drei Jahre alt war. Sie stand mit Fähnchen winkend am Straßenrand.

Mein Leben veränderte sich mit der Großfamilie. Ich bewegte mich noch, das schon, aber sehr viel gemächlicher und weniger sportlich ambitioniert. Mir fehlte das nicht mal besonders. Manchmal guckte ich ein wenig verzweifelt in den Spiegel, denn 25 Jahre plus 5 Schwangerschaften minus drei bis vier Stunden Sport täglich, das gibt bei mir unterm Strich satte 15 - 20 Kilo mehr auf der Waage.

Ab und zu habe ich es halbherzig wieder versucht. Mich in Fitness-Studios angemeldet, um sie kurz darauf wieder fluchtartig zu verlassen. Mich mit einer neuen Pulsuhr ausgestattet, um durch die Wälder zu rennen, irgendwann lag die Pulsuhr dann wieder in der Schublade. Der innere Schweinehund war einfach zu stark.

Inzwischen wurde mein Leben immer turbulenter, mir ging es dabei nicht immer besser, zeitweise stand ich kurz vor dem Burnout. Und ich merkte: es muss etwas passieren.
Schneller, höher, weiter interessiert mich heute nicht mehr so sehr. Aber gesünder wäre mir schon wichtig.
Und da kam eine Freundin auf mich zu, die ich eigentlich schon seit vielen Jahren über unsere Söhne kenne. Dorothee Droege ist ausgebildete Rücken- und Yogalehrerin. Und lud mich in einen ihrer Yoga-Kurse ein.
Beim ersten Versuch habe ich noch müde abgewinkt. Keine Zeit, und überhaupt: Yoga. Das stellte ich mir zum Gähnen langweilig vor. Vor meinem inneren Auge erschienen gedämpfte einschläfernde Farben, murmelnde Gesänge, Zimmerspringbrunnen und Leute, die mit glasigem Blick vor sich hin meditieren. Das war so meine Vorstellung. Nix für mich - da war ich mir sicher.

Mir ging es aber nicht besser. Ich habe zwar inzwischen angefangen, meine Ernährung umzustellen und auch sonst einiges in meinem Leben wieder geradezurücken, aber mein Körper ist noch nicht zufrieden. Dann kam Dorothee nochmal auf mich zu, ganz aktuell, weil ihr neuester Kurs begann. Und ich sagte zu, es doch einmal auszuprobieren.

Und: Ich war begeistert. Alle Yoga-Fans unter euch wird das sicher nicht wundern, mich hat es extrem gewundert. Ich habe mich schon ewig nicht mehr so wohl gefühlt nach 1,5 Stunden. Ich hatte das Gefühl, der ganze Körper wurde einmal neu ausgerichtet und wieder zusammengesetzt, ich bin wunderbar entspannt nach Hause geradelt. Und habe definitv beschlossen, das weiter zu machen. Die einzelnen Übungen und ihre Namen klangen für mich noch schrecklich fremd. Aber mit Langeweile und glasigem Blick hatte das alles überhaupt nichts zu tun. Ich hätte niemals gedacht, dass ich Yoga-Übungen als Sport empfinden würde. Und  zwar als eine durchaus anstrengende, aber doch sehr angenehme Sportart.
Ich werde euch weiter berichten, das nur mal schnell zu meiner neuesten Erkenntnis.


Sonntag, 21. August 2016

Künstler sein



Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. 

(Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter)



Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


Samstag, 20. August 2016

101 Wege, nicht zu schreiben

Heute mal ein Feature des Deutschlandfunks.
Gefunden habe ich es dank der Kollegin Gesine Schulz, die den Link auf Twitter geteilt hat.

101 Wege, nicht zu schreiben

Man kann das Feature sowohl anhören, als auch den Inhalt als Textdatei oder PDF downloaden. Ein Download lohnt sich, denn dann stößt man auf so schöne Textstellen, wie diese hier:

Notizen geben dir das Gefühl, schon etwas geschrieben zu haben. Zu schreiben, obwohl du noch gar nicht schreibst. Immer lauert die Ersatzhandlung.

Wer von uns kennt das nicht? Ich fülle stapelweise Notizbücher, ohne wirklich etwas geschrieben zu haben. Aber trotzdem bleibt das gute Gefühl, ähnlich wie nach den Morgenseiten.



Alle, die noch nach 101 Gründen suchen, nicht zu schreiben, sollten sich dieses Feature nicht entgehen lassen.
Und sich dann hinsetzen - und trotzdem schreiben!



Freitag, 19. August 2016

Erster Hessischer Kinderbuchtag

Was dabei herauskommt, wenn sich Kinderbuch-Autoren und - Autorinnen austauschen, vernetzen und immer wieder im privaten Wohnzimmer treffen?

Der 1. Hessische Kinderbuchtag am 25. September in Eltville unter dem Motto:

Wir rocken die Burg!


Ich freue mich jetzt schon darauf und bin sicher: Es wird super! Kommt alle und macht mit!






Zu den Details:

Am Sonntag, den 25. September 2016 startet von 11:00 bis 15:00 Uhr der 1. Hessische Kinderbuchtag auf der Kurfürstlichen Burg Eltville! Unter dem Motto „Wir rocken die Burg“ präsentieren 16 namhafte Autoren aus ganz Hessen in kurzweiligen Lesungen ihre aktuellen Kinderbücher. Für die Kinder gibt es ein Quiz, den Gewinnern winken tolle Preise. Kulinarisches und einen Büchertisch gibt es im Burghof – und natürlich stehen die Autoren für Fragen, Interviews und Fotos zur Verfügung. 

Ein fröhliches Lesefest für Kinder und ihre Familien ab 5 Jahren, organisiert von Ilona Einwohlt, Antje Herden, Maja Nielsen und Sabine Stemmler, das in dieser Form wie der Hessentag immer wieder gebucht werden kann, so die Idee. Daher freuen sich die Autoren aus ganz Hessen nicht nur auf zahlreiche Kinder, sondern auch auf Veranstalter, Bibliothekare und Pädagogen, die sich für Lesungen und Leseförderung interessieren.
Es lesen: Julia Breitenöder, Nina Dulleck, Stefanie Dörr, Martin Ebbertz, Ilona Einwohlt, Sven Gerhardt, Angelika Glitz, Antje Herden, Juma Kliebenstein, Maja Nielsen, Bettina Obrecht, Barbara van den Speulhof, Jochen Till, Britta Vorbach und Annet Stütze, Jutta Wilke und Thomas Wolff.
Der Eintritt ist frei!




Mittwoch, 17. August 2016

To do or not to do

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!

Diese Aufforderung stand heute morgen in einem Kalender, den mir meine Kinder zu Weihnachten geschenkt hatten.

Was für eine Aufforderung.
Ich neige ja dazu, Listen zu führen. To do - Listen, Einkaufslisten, Gewichtsprotokolle, Gartenpläne, Renovierungspläne.
Ich schreibe auf, was ich tun will, ich schreibe auf, was ich erreichen will, ich notiere, was ich gegessen habe, was ich getrunken habe, führe Listen über geschriebene Seiten und solche über noch zu schreibende Seiten, ich führe Gartentagebücher, Haushaltsbücher, Listen über alles Mögliche.
Jeden Morgen beim ersten Kaffee notiere ich, was ich an diesem Tag alles erledigen möchte.
Und jetzt steht da dieser Satz:
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!
Jeden Tag Freude klingt ja erstmal nicht schlecht. Jeden Tag klingt nach Liste, also setze ich Freude auf die Liste für heute. Und jetzt?
Warte ich auf die Freude oder wie geht es weiter? Ich überlege, woher die Freude kommen könnte. Worüber würde ich mich jetzt freuen? Da fällt mir einiges ein. Nur,,. wie kommt das jetzt zu mir?
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast. Sorge dafür. Ich selbst soll dafür sorgen. Ich selbst bin für die Erledigung dieses Punktes auf der To-Do-Liste verantwortlich. Einmal Freude täglich. Mindestens. Jetzt überlege ich schon anders. Was würde mir heute Freude bereiten? Heute, an diesem ganz besonderen Tag, an genau diesem 17. August 2016, ein Tag, der so nie wieder sein wird in meinem Leben.
Mir wird ein bisschen mulmig bei diesem Gedanken. Nicht immer ist mir die Endlichkeit jedes einzelnen Augenblicks so präsent. Aber jetzt gerade ist sie es und umso mehr spüre ich auch die Verantwortung, diesem besonderen Tag ganz besonders zu begegnen.
Ich wollte heute viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Außerdem steht auf meiner To-Do-Liste das Unkraut auf dem Gehweg und im Vorgarten. Dann muss noch ein Auto abgeholt werden. Einkaufen, Wäsche waschen, kochen, ein Bücherregal leerräumen. Volles Programm also.
Sorge dafür, dass du Freude hast!


Ich könnte jetzt natürlich sagen: Meine Freude ziehe ich daraus, dass ich am Abend müde und zufrieden ins Bett falle, weil ich alles auf der Liste abgehakt habe. Aber ganz so einfach will ich es mir nicht machen. Allzu oft empfinde ich statt Freude über die gesetzten Häkchen nur eine abgrundtiefe Müdigkeit. Was kein Wunder ist, denn erfüllte Pflichten sind noch lange nicht etwas, das ich nur für mich getan habe. Ganz oft sind abgehakte Arbeiten solche, die ich erledige, um Anforderungen von außen gerecht zu werden. Ob das immer sinnvoll ist, sei jetzt mal dahin gestellt. Das wäre mal ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.
Aber jetzt bin ich auf der Suche nach der Freude für mich heute. Und da fällt mir etwas ein.
Ich wolle schon lange mal wieder in unserem Gartencenter stöbern. Seit Wochen schon. Warum mache ich das eigentlich nicht heute? Das Gartencenter hat sogar ein kleines Café und bietet damit genau die Entspannung, die mir heute zwischen meinen Erledigungen gut tun könnte.
Ich setze diesen Punkt auf meine Liste: Café-Besuch im Gartencenter. Und freue mich jetzt schon darauf, mir diese kleine Auszeit nachher zu gönnen.
Und damit ich es morgen und übermorgen und an jedem weiteren Tag nicht vergesse, schreibe ich diesen Satz jetzt vorne auf meinen Terminplaner:

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast.




Sonntag, 14. August 2016

Ein ganz normaler Sonntag

Die Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff)

Was für ein Start in den Tag! Ich bin mit diesen Zeilen im Kopf wach geworden. Woher kam das Gedicht auf einmal? Ich kenne es schon lange, genau genommen seit meiner Schulzeit. Mein ehemaliger Deutschlehrer hat es oft zitiert und ich habe es vom ersten Moment an geliebt. Und nach etwas gesucht.

Mein Fokus lag dabei in all den Jahren auf zwei Dingen. Auf zwei Worten, besser gesagt. Mein Fokus lag auf den Worten Wünschelrute und Zauberwort.
Wünschelrute, das hat mit wünschen zu tun. Aber auch mit suchen und finden. Mit Wünschelruten suchen Menschen nach Wasser, nach unterirdischen Energien, Strahlungen. Und zum Finden braucht man wohl das Zauberwort. So dachte ich immer. Und fragte mich oft: Was könnte dieses Zauberwort sein? Und was wollte ich eigentlich finden? Zufriedenheit? Erfolg? Das Glück? Auf der Suche nach dem Glück bin ich ständig. Wie die meisten um mich herum.
Manchmal ist es zum Greifen nah, dann ist es wieder weg, manchmal kann ich darin baden, manchmal ist es flüchtig wie Schaum, dann wieder scheint es nur ein Hirngespinst zu sein.
Trotzdem: Wir jagen, suchen und wünschen weiter.
Und dann war da ja noch das Zauberwort.
Im Grunde suchen wir doch alle nach diesem Zauberwort. Das Wort, das uns Türen öffnet und uns verborgene Schätze finden lässt. Das Zauberwort, das Hässliches in Schönes verwandelt und Böses in Gutes. Das Zauberwort, das aus Unglück Glück macht.
Ich habe mich oft gefragt, was könnte dieses Zauberwort sein, das Eichendorff hier meinte. Liebe vielleicht. Liebe ist ein großes Wort. Dankbarkeit. Ein Wort, das mir viele Türen geöffnet hat im Leben. Vergebung. Frieden. Freiheit. Alles mächtige Zauberwörter.


Als ich heute morgen im Bett lag und mir plötzlich dieses Gedicht in den Kopf kam, da hörte es sich für mich zum ersten Mal ganz anders an, ganz neu.
Ich sprach es leise vor mich hin, rezitierte es wieder und wieder und spürte, wie mein Fokus sich verschob. Weg von der Wünschelrute, weg vom Zauberwort.
Schläft ein Lied in allen Dingen, schläft ein Lied in allen Dingen ... murmelte ich die ganze Zeit. In allen.
Und plötzlich traf es mich wie ein Stromschlag. In allen.  Allen war mein Wort. Allen ist das Wort, das ich so lange gesucht habe. In allen Dingen schläft ein Lied. Nicht nur in den schönen Dingen. Nicht nur in den guten Dingen. Nicht nur in den einfachen, leichten. In allen Dingen,
In jedem Augenblick, immer und überall. Mit diesem Gedanken bin ich dann richtig wach geworden und habe mich umgeschaut. Und hatte auf einmal das Gefühl, als ob alles zu mir spricht. Wirklich alles. Der Himmel, die Sonne vor dem Fenster. Aber auch der Tisch, der Stuhl in meinem Zimmer, die Kleidungsstücke auf dem Fußboden, die leere Kaffeetasse am Bett, die Bücher neben dem Bett, die Fotos an den Wänden, alles singt, klingt und erzählt seine ganz eigene Geschichte. In allen Dingen. In allen Augenblicken. In allen. Ich habe mein Zauberwort gefunden. An einem ganz normalen Sonntag.