Dienstag, 22. März 2016

Ohrfeige

Hanau liest (wieder) ein Buch!


Die Idee entstand 1989 in Seattle, USA. Ziel war es, die Einwohnerinnen und Einwohner für ein paar Tage zu einem gemeinsamen Leseerlebnis zu bewegen.
Im Jahr 2002 schwappte diese Idee über den großen Teich nach Hamburg und fand von dort aus viele begeisterte Anhänger auch in anderen deutschen Städten.
2005 startete dann auch meine Heimatstadt Hanau die gemeinsame Lesewoche unter dem Motto "Hanau liest ein Buch". Damals stand "Emmas Glück" von Claudia Schreiber im Mittelpunkt.
Es folgten
2007: Gut gegen Nordwind / Daniel Glattauer
2009: Scherbenpark / Alina Bronsky
2011: Angerichtet / Herman Koch
2013: Glückskind / Steven Uhly
Wegen des Umzugs unserer Stadtbibliothek im Sommer 2015 musste die gemeinsame Leseaktion ein Jahr pausieren, aber jetzt ist es endlich wieder soweit.

Zum sechsten Mal werden Bürgerinnen und Bürger in der Aktionswoche vom 16. bis 24. September 2016 an vielen ungewöhnlichen Orten in ganz Hanau vorlesen, Lesefreude stiften und neugierig machen auf dieses Buch:




Ohrfeige von Abbas Khider, erschienen im Hanser Verlag.

Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen. Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört.
Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er, in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayerischen Provinz gelandet. Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte, bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang.

Obwohl der Roman bereits in den Jahren 2003 bis 2006 spielt, ist er heute aktueller denn je und wirft eine der zentralen Fragen unserer Zeit auf: Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?

Ich freue mich, dass die Verantwortlichen der Aktion "Hanau liest ein Buch" diesen Roman ausgewählt haben, denn schon beim sogenannten "Anlesen" im Kulturforum der Stadt Hanau am vergangenen Samstag wurde klar: Dieses Buch wird polarisieren und die Meinungen werden durchaus geteilt sein. Aber es wird über dieses Buch gesprochen werden. Und das ist gut so.
Nicht die unterschiedlichen Ansichten sind das Problem dieser Tage, ein Problem haben wir dann, wenn wir aufhören miteinander zu reden. Denn auch Schweigen kann eine Ohrfeige sein.

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