Montag, 13. Juni 2016

Das leere Blatt Papier

Ich habe ja schon öfter mal darüber gesprochen bzw. geschrieben: Über die Angst des Autors vor der leeren Seite, dem leeren Blatt Papier, dem leeren Monitor. Auch in meinen Schreibkursen ist das immer und immer wieder Thema.
Da will man so gerne schreiben, ist fest entschlossen, heute das Manuskript um einen ganz entscheidenden Teil voranzutreiben, will endlich das begonnene Kapitel in den Griff kriegen, die Szene zu Ende schreiben, alles ist perfekt, Kinder aus dem Haus, Küche aufgeräumt, Stifte und Papier ausreichend vorhanden, Kaffee gekocht - wahlweise das Weinglas gefüllt - und dann .... starrt man auf das leere Blatt und nichts geschieht. Keine Eingebung, kein Text, der aus der Feder fließt oder wenigstens in die Tastatur tropft, nichts, einfach nichts.
Und irgendwann steht man dann doch wieder auf, räumt die Spülmaschine aus, wirft noch eine Waschmaschine an, schreibt Einkaufszettel (die schreiben sich flüssig und ohne abzusetzen), saugt eben flugs mal durch, geht zum Briefkasten, schenkt sich Kaffee nach (wahlweise Wein), geht wieder zum Schreibtisch und ... nichts.

Dagegen gibt es natürlich verschiedene Tricks, Tipps erfahrener Autoren, die von "schreib einfach nur ein Wort" bis hin zu "klapp das Ding zu und fahr shoppen" reichen, manche raten auch zu einem dritten Glas Wein oder zu einem anderen Brotberuf. bei Titus Müller bin ich heute über einen Satz gestolpert, der für mich so einleuchtend war, dass ich plötzlich einfach drauflos geschrieben habe:

"Ein schlechtes Manuskript kann man am nächsten Tag überarbeiten, ein leeres Blatt Papier nicht."

Also ran an den Text. Schreibt. Damit ihr morgen was zum Überarbeiten habt. Und keine Alkoholvergiftung.

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