Mittwoch, 26. Oktober 2016

These drei

Schreiben ist ein Abenteuer. Abenteuer plant man nicht.

So lautet sie - These drei von Ankleben verboten.

Was kann ich dazu anderes sagen, als ja, aus vollem Herzen JA? Schreiben ist ein Abenteuer.
Aber:  Ich plane mein Schreiben. Das durchaus. Ich entwerfe, verwerfe, plotte, entwickle, spanne Fäden mit Leib und Seele. Trotzdem ist es immer wieder so, dass mein schönster Plan mir nichts nutzt, dass meine Figuren anders wollen als ich will oder ganz einfach auch mein Leben nicht so schnurgerade verläuft, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen erdacht und erplant habe. Aber ist nicht gerade das das Abenteuer bei jeder Wanderung, die man unternimmt? Wie langweilig wäre der Weg, wenn er vom Start schnurgerade und ohne jede Überraschung zum Ziel führen würde? Natürlich wandere ich auch mit einer Wanderkarte, zumindest bei längeren Wegstrecken laufe ich nicht einfach ins Blaue hinein. Und trotzdem sind doch gerade die kleinen Überraschungen unterwegs die Momente, die das Wandern zu einem ganz besonderen Abenteuer machen. Sei es die kleine Lichtung, die man gefunden hat, weil man sich an einer Weggabelung verlaufen hat, sei es das Gewitter in den Bergen, von dem man noch Jahre später berichten wird ... und so ist es auch mit dem Abenteuer SCHREIBEN. Man kann das Schreiben planen, nicht aber das Abenteuer, das man damit erlebt.



Ein Roman, den ich vom ersten bis zum letzten Wort ohne Hindernisse, ohne Umwege runter schreibe, hinterlässt keine Spuren in mir.
Anders ein Roman, der sich quer stellt, ein Text, der mich nachts nicht schlafen lässt, Figuren, die unbequem sind oder aber auch einfach nur ein Schreibprogramm, das genau dann abstürzt, wenn ich die letzten zwanzig Seiten noch nicht gespeichert habe. Das alles sind nur im ersten Moment kleine und große Katastrophen. Aber genau wie das Gewitter während der Bergtour sind es im Rückblick die Momente, die das Schreiben zu einem Abenteuer machen, die Augenblicke, die die Schriftstellerin in mir herausfordern, die mich lebendig halten, mich wachrütteln, an mir zerren und mich mitreißen.
Schreiben ist ein Abenteuer. Ich werde weiter plotten und Wanderrouten durch meine Texte festlegen. Und dann lasse ich mich überraschen von dem, was am Schreibtischrand auf mich wartet.

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