Dienstag, 26. September 2017

Offener Brief an die AfD

Sehr geehrte AfD,

wir sind die 87 Prozent, die euch nicht gewählt haben.

Wir sind links der Mitte, rechts der Mitte und genau auf der Mitte. Wir sind Menschen jedes Geschlechts, jedes Alters, jeder Herkunft, jeder Religion, jeder Hautfarbe, jeder sexuellen Orientierung, jeder politischen Richtung. Wir sind die, die unser Land zu dem machen, was es ist.

Und wir stehen auf gegen euren Rassismus. 

Wir stehen für ein weltoffenes, soziales, liberales, vielfältiges Deutschland, in dem kein Platz ist für Fremdenfeindlichkeit. Wo ihr Mauern ziehen wollt, bauen wir Brücken. Wo ihr Hass verbreiten wollt, reagieren wir mit Zusammenhalt.

Das hier ist unser aller Land und ihr “holt es euch nicht zurück".




Zu dem Zeitpunkt, da ich diesen offenen Brief in meinem Blog poste, haben ihn bereits rund 350.000 Menschen unterschrieben. Und es werden von Sekunde zu Sekunde mehr.
Wer ebenfalls unterzeichnen möchte, kann das HIER tun. Lasst uns gemeinsam aufstehen gegen rechte Parolen, rechte Hetze, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Lasst uns aufmerksam bleiben und wach und füreinander sorgen.



Montag, 18. September 2017

Schreiben gegen Rechts

Erst war es Sorge, dann Fassungslosigkeit, dann Verzweiflung, inzwischen ist es Wut, mit der ich seit Monaten die Entwicklungen in diesem Land beobachte. 
Und heute Morgen wachte ich auf mit dem Gedanken, dass schon der nächste Montag als  der Tag in die Geschichtsbücher eingehen könnte, an dem Nazis in den Bundestag einziehen. Und dass mich eines Tages meine Kinder fragen könnten: Was hast du damals im Jahr 2017 getan, um das zu verhindern? 
Würde ich dann auch sagen, ich habe nichts davon gewusst? Oder: Was hätte ich denn tun sollen?

Mein Jahrgang hat die Geschichte des Nationalsozialismus in der Schule durchgekaut, bis es uns aus den Ohren heraus kam. Wir, die wir nichts mehr unmittelbar mit dem Dritten Reich, mit dem Krieg, mit den Greueltaten der Nazis zu tun hatten, konnten es in der Schule teilweise nicht mehr hören, wollten nichts mehr davon wissen. Holocaust. Antisemitismus. Verfolgung. Säuberungsaktionen. T4. Vernichtung unwerten Lebens. Krieg. Wir wollten nichts mehr darüber lesen. Und waren uns sicher: Uns wäre das nicht passiert. Niemals. Wir hätten Hitler und alles, was danach kam, verhindert. 
Um uns das Gegenteil zu beweisen, um uns die Gefahr einer Mitläuferschaft dennoch vor Augen zu führen, las sicher jeder von uns in seiner Schullaufbahn mindestens einmal den Roman "Die Welle" oder sah den gleichnamigen Film. Jeder von uns war selbst nach diesem Buch noch davon überzeugt, dass es das in Deutschland nicht mehr geben wird: Menschen, die blind und taub einer Partei hinterher laufen, deren Parteiprogramm Werte wie Meinungsfreiheit , Religionsfreiheit und Menschenrechte mit den Füßen tritt. 

Heute hingegen wagte die Frankfurter Rundschau bereits die Prognose, dass es eine rechtsnationale Partei sein wird, die am nächsten Sonntag als drittstärkste Partei mit in den Bundestag einziehen wird. "Bedauerlicherweise hat die AfD gute Chancen", formuliert Bernhard Honnigfort in seinem Kommentar. 

Ich will das nicht. Ich will nicht, dass in meinem Land eine Partei gute Chancen hat, die alle moralischen Werte, mit denen ich aufgewachsen bin, mit Springerstiefeln und Naziparolen überrennt. Ich will nicht, dass Menschen in den Bundestag einziehen, deren erklärtes Ziel es ist, Frauen wieder zu Gebärmaschinen deutschen Nachwuchses zu degradieren, alleinerziehenden Mütter  das Leben zur Hölle zu machen, Andersgläubigen das Ausüben ihrer Religion zu verbieten, Schwulen und Lesben zu Menschen zweiten Grades zu degradieren und Grenzen wieder mit Stacheldraht und Mauern zu versehen. Wer das alles immer noch nicht glaubt oder nicht wahrhaben will, darf gerne das Programm der AfD zur Wahl lesen.

Ich will das nicht.

Und ich will nicht, dass diese Partei nächsten Sonntag eine Chance hat, weil Gleichgültigkeit sich in meinem Land breitgemacht hat wie ein klebriger Sumpf. Weil immer mehr Menschen sich einreden lassen, sie könnten ohnehin nichts bewegen, ihre Stimme, ihre Meinung werde ohnehin nicht gehört, und die sich deshalb lieber irgendwo in virtuellen Welten vergraben als wählen zu gehen, um ihre reale Welt zu retten.
Diesen Menschen möchte ich zurufen: In unserer realen Welt gibt es kein Reset. Es gibt kein "Zurück-auf-Start", es gibt kein Extra-Leben und selbst eine Google-Brille wird dir nicht helfen, die Realität zu beschönigen, sollte sie dir eines Tages nicht mehr gefallen.

Wer nicht wählen geht, ist nicht etwa neutral, wie so viele Nichtwähler meinen. Die Höhe der Wahlbeteiligung hat einen direkten Einfluss auf den Stimmenanteil einer Partei. Auch wer nicht rechts wählt, stärkt als Nichtwähler aktiv rechtsnationale Parteien.

Deshalb, Leute, bewegt euch und bewegt etwas. Schreibt an gegen Rechts, gegen rechte Gewalt, gegen rechtes Gedankengut, gegen rechte Parteien. Und geht wählen, um genau diese zu verhindern.

Als Autorin verwahre ich mich auch gegen die Zulassung rechtsgesinnter Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Ein Verlag, dessen Bücher u.a. zu Hass und Hetze aufrufen, kann sich nicht unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit verstecken. So auch die Präsidentin des PEN Deutschland, Regula Venske. 

Eigentlich war ich übrigens nur auf der Suche nach einem Button. Oder einer Idee für ein passendes Foto zu einem Blogbeitrag gegen rechtes Gedankengut. Dabei bin ich über diese Blogparade gestolpert, die schon im vergangenen Jahr gestartet wurde und die aus irgendwelchen Gründen gänzlich an mir vorbei gegangen ist.

Schreiben gegen Rechts - eine Initiative, die bereits im Jahr 2016 von Anna Schmidt ins Leben gerufen wurde und von rund 90 Blogs aufgegriffen und fortgesetzt worden ist. 
Und heute, dem letzten Montag vor der Wahl, scheint es mir dringender denn je, diese Blogparade wieder neu zu beleben. Und ich hoffe, ja, wünsche mir, dass sich viele Kollegen und Kolleginnen, BloggerInnen, SchriftstellerInnen, AutorInnen, SchreiberInnen aus allen Ecken der Branche unter dem Hashtag #schreibengegenrechts daran beteiligen und den Link zu ihrem Blog dann ebenfalls bei Anna Schmidt posten. 
Wir alle zusammen haben die Aufgabe, auf die Gefahr hinzuweisen, die sich da zusammenbraut. Wir alle haben die Aufgabe, zu verhindern, dass sich das wiederholt, von dem Erich Kästner einst sagte:

"Man darf nicht so lange warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man muss den rollenden Schneeball zertreten; die Lawine hält keiner mehr auf."






Donnerstag, 14. September 2017

Time is allways now

Im Moment bin ich ein bisschen untergetaucht, weil ich mitten im Manuskript stecke, das bald seinen Weg in den Verlag finden soll.
Damit mein Blog in dieser Zeit nicht völlig verwaist, hier noch schnell ein paar Fotos von meiner Lesung im Coppenrath Verlag.






In der Alten Feuerwache in Münster war es wie immer einfach nur schön! Man beachte das Getränkeangebot neben meinem obligatorischen Glas Wasser ☺ 
Mitgebracht habe ich euch außerdem das Foto eines alten Uhrwerks, das mich schon beim letzten Besuch im Verlag beeindruckt hat. Das Uhrwerk stammt aus einer ehemaligen Kirchturmuhr. Es ist voll funktionsfähig und tickt im Arbeitszimmer des Verlagsleiters mahnend vor sich hin. Damit die Mahnung auch ankommt, hat Wolfgang Hölker oben drauf einen Totenschädel installiert, der sich rhythmisch zur blauen Leuchtschrift mitdreht.

Time is allways now!







Montag, 4. September 2017

Begegnung der Kulturen

Unter diesem spannenden Motto durfte ich letzte Woche eine eintägige Schreibwerkstatt für die Schülerinnen und Schüler einer siebten Klasse in den Räumen der Romanfabrik Frankfurt durchführen.

Rund 30 Kinder, die meisten davon mit Migrationshintergrund, wagten sich mutig zusammen mit mir an das Abenteuer Schreiben.

Ich mache es kurz: Wir hatten einen Riesenspaß. Wir haben geschrieben bis die Köpfe rauchten, aber auch geblödelt, gelogen, dass sich die Balken bogen, wir haben Wörter-Lotto gespielt und Glücksgeschichten erfunden, sind der Liebe auf der Spur gewesen und haben sogar das Vortragen unserer Geschichten auf einer kleinen Bühne geübt.



Die kleine Liebesgeschichte zwischen einer Pfandflasche und einer Socke ist in einer Gruppenarbeit entstanden und ich wünsche euch einfach viel Spaß damit!

Die Plastikflasche und die Socke
Eines Tages fand ein Kind eine Plastikflasche und nahm sie mit. Als die Plastikflasche sich in dem neuen Zuhause umsah, entdeckte sie eine Socke. Eine wunderschöne Socke. Sofort verliebte sich die Flasche in die Socke. „Ich kann ohne die Socke nicht mehr leben“, dachte die Plastikflasche.Immer wieder versuchte Herr Pfandflasche, die Socke einzuladen, um ihr endlich zu sagen, dass er sie über alles liebte, doch dann war die Socke plötzlich spurlos verschwunden. Das Herz von Herrn Pfandflasche war von diesem Tag an gebrochen.
Das Kind kam zurück und schnappte sich die Plastikflasche, um mit ihr Bottleflips zu machen. Da kippte Herr Pfandflasche um und rollte unter das Bett. Dort landete er genau auf Frau Socke. Er roch an ihr, kuschelte mit ihr und gestand ihr endlich seine Liebe. Und so lebten sie glücklich für immer miteinander. Sie wurden nie gefunden. 
Stefan, 12 Jahre, Aulon, 12 Jahre, Markus, 12 Jahre, Jonas, 12 Jahre