Sonntag, 25. September 2016

Erster Hessischer Kinderbuchtag



Trotz Hexenschuss, Bronchitis, Halsentzündung und Borreliose ... dieses Ereignis habe ich mir nicht nehmen lassen.
Heute fand in der Kurfürstlichen Burg in Eltville am Rhein der Erste Hessische Kinderbuchtag statt und ich durfte - zusammen mit 15 weiteren wunderbaren Kolleginnen und Kollegen dabei sein!

Zu einem ausführlichen Bericht bin ich heute nicht mehr in der Lage. Aber dafür lasse ich euch meinen kurzen Beitrag hier, den ich für die Eröffnungsfeier geschrieben hatte:



Warum ich Kinderbücher schreibe:
Schon als Kind war mir
eine Welt immer zu wenig.
Hier gab es ja keine echten Prinzessinnen mehr
 - oder nur hässliche –
keine Ritter, keine Drachen und keinen König.
Ich wollte andere Welten sehen,
wollte Hexen, Zauberer und Feen.
In meinen Büchern
hab ich sie alle gefunden.
Stundenlang hab ich gelesen,
bin zu den Sternen geflogen,
zu fremden Wesen.
Hab mich nachts
unter der Decke versteckt,
mit der Taschenlampe und `ner Tafel Schokolade
neue Welten entdeckt.
Ich bin mit dem Buch vor der Nase
morgens aufgestanden,
hab beim Zähneputzen gelesen
oder auf dem Klo,
und mir war ganz egal
wie meine Eltern das fanden.
Hab alle Wunschpunkte des Sams verbraucht,
hab mit Pippi nicht den Fußboden berührt
und ab und zu mit Winnetou
eine Friedenspfeife geraucht.
Ich bin zum Schulbus gelaufen
mit dem offenen Buch in der Hand.
Blöd war das nur, wenn da plötzlich
eine Laterne stand.
Die von Narnia war es leider nie.
Trotzdem war ich dort,
besuchte Aslan, den König.
Eine Welt war mir einfach immer zu wenig.
Mit Fuchur bin ich
zur kindlichen Kaiserin geflogen,
hab mit Momo die grauen Herren besiegt,
bin mit Jim Knopf und Emma
durch Lummerland gezogen.


Und eines Tages - war ich groß,
also von außen gesehen.
In mir drin steckt aber doch
immer noch
das Kind mit den Zauberern und Feen.
Und das erzählt mir Geschichten,
sagt ganz oft: Weißt du noch?
Wie wir damals …
mit Peter Pan die verlorenen Jungs in Nimmerland fanden
oder mit Alice vor der Tür zum Wunderland standen?
Und dann seh ich all die Türen,
hinter jeder Tür ein neuer Planet,
ein neues Abenteuer,
das nie zu Ende geht.
All die Welten,
in denen ich war,
sind nie wirklich verschwunden.
Ich hab dort die Steinzeit, einen goldenen Pokal und
sogar ein altes Zirkusschwein gefunden.
Und heute weiß ich: Ich hab etwas,
das selbst Harry Potter nie hatte:
Mein Stift ist ein Zauberstab und
mein Patronus eine Leseratte.
Jede Geschichte, die ich erzähle,
ist eine neue Tür.
Und jedes Buch,
das ich schreibe
und das DU liest –

öffnet sie DIR!
© Jutta Wilke


Sonntag, 11. September 2016

Fiese Eindringlinge

Hier ist es aktuell ein bisschen ruhiger geworden und das hat Gründe. Mich hat es erwischt. Genau genommen hat mich vor etlichen Wochen eine Zecke erwischt und ich habe mir nicht allzu viel dabei gedacht.
Bis jetzt einige Krankheitszeichen aufgetreten sind, die meine behandelnde Ärztin stutzig und mich etwas flügellahm gemacht haben. Fieber, heftige Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Dauermüdigkeit ... um nur einige zu nennen.
Eine gründliche Blutuntersuchung brachte es dann ans Licht: Ich habe mir durch den Zeckenbiss eine Borreliose eingefangen. Damit hätte ich nie und nimmer gerechnet, weil ich mich zwar dunkel an eine Zecke erinnern konnte, das aber wirklich schon so lange zurücklag, dass ich das gar nicht in Betracht gezogen hatte. Eine (Spät)Sommergrippe erschien mir wahrscheinlicher.
Aber jetzt konnte mir meine Ärztin meinen ziemlich lädierten Zustand zumindest medizinisch nachvollziehbar erklären.


Aktuell ziehen wir mit sehr starken Antibiotika gegen die Borrelien zu Feld. Und entsprechend fühle ich mich. Mein Verdauungssystem spielt verrückt, mein Kopf dröhnt und müde bin ich eigentlich nur noch ... und auf dem Schreibtisch häufen sich die Texte, die fertig geschrieben oder überarbeitet werden wollen.
Deshalb kommen jetzt all die Dinge ein bisschen zu kurz, die zusätzliche Kraft und Energie brauchen. Dieser Blog gehört dazu. Aber ich bin noch da, lese bei euch mit und werde euch auch weiter auf dem Laufenden halten.




Montag, 29. August 2016

#FreeWordsTurkey








Heute, am Montag, dem 29. August 2016, startet die bisher größte Aktion und gezielte Kampagne, um sich für die Meinungsfreiheit und für die Autorinnen und Autoren der Türkei einzusetzen: #FreeWordsTurkey

Im Anhang findet ihr die Pressemeldung, welche die Aktion vorstellt und  Punkt 9.00 deutschlandweit online gehen wird.

Nicht nur die gesamte Buchbranche, sondern ALLE BÜRGER werden darin aufgerufen, sich so laut sie nur können auszusprechen für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Kunstfreiheit, und damit an unsere Politiker heranzutreten.

Ich persönlich bitte euch alle, die Pressemitteillung, die Kampagne unter dem Hashtag #FreeWordsTurkey weiter zu tragen, zu teilen, zu veröffentlichen, bekannt zu machen und vor allem auch die Petition zu unterzeichnen.

Und hier die Pressemitteilung im Wortlaut:


Petition: Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey
Bundesregierung und EU-Kommission müssen Meinungsfreiheit in der Türkei einfordern 

Börsenverein des Deutschen Buchhandels, PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen fordern von Bundesregierung und EU-Kommission kompromisslosen Einsatz für Meinungsfreiheit in der Türkei / Petition unter www.freewordsturkey.de/petition / Bundeskanzleramt mit Aktionsbotschaft angestrahlt

Frankfurt am Main / Berlin / Darmstadt, 29.8.2016 – Die türkische Regierung geht derzeit vehement gegen die Freiheit des Wortes vor. Seit dem Putschversuch vor sechs Wochen werden regierungskritische Autoren, Journalisten, Verleger und andere Medien- und Kulturschaffende massiv drangsaliert und verfolgt. Mindestens 60 Journalisten und Autoren wurden verhaftet, mehr als 130 Medienhäuser wurden geschlossen, darunter 45 Zeitungen, 29 Buchverlage und 15 Magazine. Damit spitzt sich die bereits angespannte Situation für Journalisten, Autoren und Verlage in der Türkei weiter zu.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels startet deshalb gemeinsam mit dem PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen die Kampagne „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“. Gemeinsam rufen sie dazu auf, eine Online-Petition an die Bundesregierung und die EU-Kommission zu unterzeichnen. Darin appellieren sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Die drei Organisationen fordern die Verantwortlichen dazu auf, ihre Politik gegenüber der Türkei und anderen Ländern, in denen die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt wird, zu überprüfen. Außerdem fordern sie schnelle Hilfe für verfolgte Journalisten und Autoren, zum Beispiel durch die unbürokratische Ausstellung von Nothilfe-Visa.
„Die türkische Regierung greift die Meinungsfreiheit massiv an. Die Bundesregierung und die EU-Kommission dürfen dazu nicht länger schweigen. Die Freiheit des Wortes ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar. Die Politik muss dieses Recht kompromisslos vertreten, sie darf es nicht aufgrund von Nützlichkeitserwägungen auf Spiel setzen. Lassen Sie uns gemeinsam das Schweigen brechen und ein Zeichen für die Meinungsfreiheit setzen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.
„Die Verhaftungen, Einschüchterungen und Behinderungen von Autoren in der Türkei müssen umgehend aufhören. Wir haben das Recht und die Pflicht, für die Kollegen zu kämpfen, weil mit den gezielten Maßnahmen gegen die Presse- und Meinungsfreiheit nicht nur die türkische Demokratie massiv gefährdet wird, sondern durch die Tatenlosigkeit der europäischen Politik gegenüber diesen Vorgängen auch unsere Werte massiv beschädigt werden. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, sagt Sascha Feuchert, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschlands.
„Schweigen ist angesichts der Situation in der Türkei keine Option. Gegen die massenhafte Verfolgung von Journalisten und Autoren gilt es jetzt, klar Stellung zu beziehen. Die verfolgten türkischen Medienschaffenden brauchen unsere Solidarität und unsere praktische Unterstützung“, sagt Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen.


Gemeinsame Bewegung der Buch- und Medienbranche

Verlage, Buchhandlungen und andere Medienunternehmen unterstützen die Kampagne aktiv. Unternehmen schalten ihren Webseiten ein Bild mit der Aktionsbotschaft „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“ vor. Buchhandlungen rufen ihre Kundinnen und Kunden in den kommenden Tagen mit Plakaten in ihren Läden zur Teilnahme an der Petition auf. Die drei Organisationen fordern Partnerorganisationen im In- und Ausland dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen und die Petition zu verbreiten.

Sonntag, 28. August 2016

Ohrfeige

Abbas Khider (c) Morgenpost.de


Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen.
Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört.

Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayrischen Provinz gelandet. Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte, bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang.

... geschrieben hat diesen ebenso abgründigen wie warmherzigen Roman Abbas Khider. Und gelesen wird dieses Buch jetzt im Rahmen der Aktion "Hanau liest ein Buch" in der ganzen Stadt.

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Seit 2000 lebt er in Deutschland. 2008 erschien sein Debütroman "Der falsche Inder", es folgten die Romane "Die Orangen des Präsidenten" (2011), "Brief in die Auberginenrepublik" (2013) und "Ohrfeige" (2016).
Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis sowie dem Hilde-Domin-Preis geehrt. Ganz aktuell erhält Abbas Khider den Spycher: Literaturpreis Leuk 2016. Abbas Khider lebt in Berlin.


Vom 16. bis 24. September 2016 lesen nun rund 60 Vorleserinnen und Vorleser an über 50 Orten in und um Hanau aus Khiders neuestem Roman "Ohrfeige".

Ich selbst bin auch dabei und freue mich auf zwei Lesetermine in "meinen" zwei Buchhandlungen in Hanau.
Wer Lust hat, mir beim Vorlesen zu lauschen, kommt entweder am


oder alternativ am


Kleiner Tipp: Am 19. September 2016 findet ab 16:30 eine Signierstunde mit dem Autor Abbas Khider persönlich im Buchladen am Freiheitsplatz statt.
Das wäre doch eine ideale Verbindung: Erst hört ihr mir ein bisschen beim Vorlesen zu und schnuppert so in das Buch, danach könnt ihr es im Buchladen kaufen und vom Autor persönlich signieren lassen. Besser geht's ja kaum

Ich freue mich jedenfalls auf zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer!





Donnerstag, 25. August 2016

Endlich Yoga



Ich habe euch noch gar nicht von meiner neuesten Erfahrung berichtet.
Dazu als kleine Vorgeschichte: in jungen Jahren war ich sehr sehr sportlich. Ich habe schon als Jugendliche Leichtathletik als Leistungssport betrieben, als Studentin bin ich dann später auf Triathlon umgestiegen - ihr wisst schon: Schwimmen, Radfahren, Laufen. Bis zum Ironman habe ich es zwar nicht geschafft, sondern mich auf die sogenannten Kurzdistanzen beschränkt, aber auch das beinhaltete pro Wettkampf rund 2 KM Schwimmen, 60 KM Radfahren und 10-12 KM Laufen.
In Trainingseinheiten hieß das: Ich habe damals eigentlich fast jeden Tag trainiert und fast jeden Tag zwei dieser Sportarten. Kurz: ich war fit wie ein Turnschuh.
Ich war damals eine Kämpfernatur. Ich wollte mich mit anderen messen. Mich reizte der Wettkampf gegen meinen inneren Schweinehund, aber auch gegen andere. Und besonders gut gefiel mir, dass im Triathlon immer gemischt angetreten wurde, also auch Männlein gegen Weiblein.

Irgendwann kamen dann meine Kinder auf die Welt und meine Prioritäten haben sich verschoben. Meinen letzten Wettkampf absolvierte ich, als meine heute 25 jährige Tochter drei Jahre alt war. Sie stand mit Fähnchen winkend am Straßenrand.

Mein Leben veränderte sich mit der Großfamilie. Ich bewegte mich noch, das schon, aber sehr viel gemächlicher und weniger sportlich ambitioniert. Mir fehlte das nicht mal besonders. Manchmal guckte ich ein wenig verzweifelt in den Spiegel, denn 25 Jahre plus 5 Schwangerschaften minus drei bis vier Stunden Sport täglich, das gibt bei mir unterm Strich satte 15 - 20 Kilo mehr auf der Waage.

Ab und zu habe ich es halbherzig wieder versucht. Mich in Fitness-Studios angemeldet, um sie kurz darauf wieder fluchtartig zu verlassen. Mich mit einer neuen Pulsuhr ausgestattet, um durch die Wälder zu rennen, irgendwann lag die Pulsuhr dann wieder in der Schublade. Der innere Schweinehund war einfach zu stark.

Inzwischen wurde mein Leben immer turbulenter, mir ging es dabei nicht immer besser, zeitweise stand ich kurz vor dem Burnout. Und ich merkte: es muss etwas passieren.
Schneller, höher, weiter interessiert mich heute nicht mehr so sehr. Aber gesünder wäre mir schon wichtig.
Und da kam eine Freundin auf mich zu, die ich eigentlich schon seit vielen Jahren über unsere Söhne kenne. Dorothee Droege ist ausgebildete Rücken- und Yogalehrerin. Und lud mich in einen ihrer Yoga-Kurse ein.
Beim ersten Versuch habe ich noch müde abgewinkt. Keine Zeit, und überhaupt: Yoga. Das stellte ich mir zum Gähnen langweilig vor. Vor meinem inneren Auge erschienen gedämpfte einschläfernde Farben, murmelnde Gesänge, Zimmerspringbrunnen und Leute, die mit glasigem Blick vor sich hin meditieren. Das war so meine Vorstellung. Nix für mich - da war ich mir sicher.

Mir ging es aber nicht besser. Ich habe zwar inzwischen angefangen, meine Ernährung umzustellen und auch sonst einiges in meinem Leben wieder geradezurücken, aber mein Körper ist noch nicht zufrieden. Dann kam Dorothee nochmal auf mich zu, ganz aktuell, weil ihr neuester Kurs begann. Und ich sagte zu, es doch einmal auszuprobieren.

Und: Ich war begeistert. Alle Yoga-Fans unter euch wird das sicher nicht wundern, mich hat es extrem gewundert. Ich habe mich schon ewig nicht mehr so wohl gefühlt nach 1,5 Stunden. Ich hatte das Gefühl, der ganze Körper wurde einmal neu ausgerichtet und wieder zusammengesetzt, ich bin wunderbar entspannt nach Hause geradelt. Und habe definitv beschlossen, das weiter zu machen. Die einzelnen Übungen und ihre Namen klangen für mich noch schrecklich fremd. Aber mit Langeweile und glasigem Blick hatte das alles überhaupt nichts zu tun. Ich hätte niemals gedacht, dass ich Yoga-Übungen als Sport empfinden würde. Und  zwar als eine durchaus anstrengende, aber doch sehr angenehme Sportart.
Ich werde euch weiter berichten, das nur mal schnell zu meiner neuesten Erkenntnis.


Sonntag, 21. August 2016

Künstler sein



Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. 

(Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter)



Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!