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Sonntag, 21. August 2016

Künstler sein



Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. 

(Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter)



Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


Samstag, 20. August 2016

101 Wege, nicht zu schreiben

Heute mal ein Feature des Deutschlandfunks.
Gefunden habe ich es dank der Kollegin Gesine Schulz, die den Link auf Twitter geteilt hat.

101 Wege, nicht zu schreiben

Man kann das Feature sowohl anhören, als auch den Inhalt als Textdatei oder PDF downloaden. Ein Download lohnt sich, denn dann stößt man auf so schöne Textstellen, wie diese hier:

Notizen geben dir das Gefühl, schon etwas geschrieben zu haben. Zu schreiben, obwohl du noch gar nicht schreibst. Immer lauert die Ersatzhandlung.

Wer von uns kennt das nicht? Ich fülle stapelweise Notizbücher, ohne wirklich etwas geschrieben zu haben. Aber trotzdem bleibt das gute Gefühl, ähnlich wie nach den Morgenseiten.



Alle, die noch nach 101 Gründen suchen, nicht zu schreiben, sollten sich dieses Feature nicht entgehen lassen.
Und sich dann hinsetzen - und trotzdem schreiben!



Freitag, 19. August 2016

Erster Hessischer Kinderbuchtag

Was dabei herauskommt, wenn sich Kinderbuch-Autoren und - Autorinnen austauschen, vernetzen und immer wieder im privaten Wohnzimmer treffen?

Der 1. Hessische Kinderbuchtag am 25. September in Eltville unter dem Motto:

Wir rocken die Burg!


Ich freue mich jetzt schon darauf und bin sicher: Es wird super! Kommt alle und macht mit!






Zu den Details:

Am Sonntag, den 25. September 2016 startet von 11:00 bis 15:00 Uhr der 1. Hessische Kinderbuchtag auf der Kurfürstlichen Burg Eltville! Unter dem Motto „Wir rocken die Burg“ präsentieren 16 namhafte Autoren aus ganz Hessen in kurzweiligen Lesungen ihre aktuellen Kinderbücher. Für die Kinder gibt es ein Quiz, den Gewinnern winken tolle Preise. Kulinarisches und einen Büchertisch gibt es im Burghof – und natürlich stehen die Autoren für Fragen, Interviews und Fotos zur Verfügung. 

Ein fröhliches Lesefest für Kinder und ihre Familien ab 5 Jahren, organisiert von Ilona Einwohlt, Antje Herden, Maja Nielsen und Sabine Stemmler, das in dieser Form wie der Hessentag immer wieder gebucht werden kann, so die Idee. Daher freuen sich die Autoren aus ganz Hessen nicht nur auf zahlreiche Kinder, sondern auch auf Veranstalter, Bibliothekare und Pädagogen, die sich für Lesungen und Leseförderung interessieren.
Es lesen: Julia Breitenöder, Nina Dulleck, Stefanie Dörr, Martin Ebbertz, Ilona Einwohlt, Sven Gerhardt, Angelika Glitz, Antje Herden, Juma Kliebenstein, Maja Nielsen, Bettina Obrecht, Barbara van den Speulhof, Jochen Till, Britta Vorbach und Annet Stütze, Jutta Wilke und Thomas Wolff.
Der Eintritt ist frei!




Mittwoch, 17. August 2016

To do or not to do

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!

Diese Aufforderung stand heute morgen in einem Kalender, den mir meine Kinder zu Weihnachten geschenkt hatten.

Was für eine Aufforderung.
Ich neige ja dazu, Listen zu führen. To do - Listen, Einkaufslisten, Gewichtsprotokolle, Gartenpläne, Renovierungspläne.
Ich schreibe auf, was ich tun will, ich schreibe auf, was ich erreichen will, ich notiere, was ich gegessen habe, was ich getrunken habe, führe Listen über geschriebene Seiten und solche über noch zu schreibende Seiten, ich führe Gartentagebücher, Haushaltsbücher, Listen über alles Mögliche.
Jeden Morgen beim ersten Kaffee notiere ich, was ich an diesem Tag alles erledigen möchte.
Und jetzt steht da dieser Satz:
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!
Jeden Tag Freude klingt ja erstmal nicht schlecht. Jeden Tag klingt nach Liste, also setze ich Freude auf die Liste für heute. Und jetzt?
Warte ich auf die Freude oder wie geht es weiter? Ich überlege, woher die Freude kommen könnte. Worüber würde ich mich jetzt freuen? Da fällt mir einiges ein. Nur,,. wie kommt das jetzt zu mir?
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast. Sorge dafür. Ich selbst soll dafür sorgen. Ich selbst bin für die Erledigung dieses Punktes auf der To-Do-Liste verantwortlich. Einmal Freude täglich. Mindestens. Jetzt überlege ich schon anders. Was würde mir heute Freude bereiten? Heute, an diesem ganz besonderen Tag, an genau diesem 17. August 2016, ein Tag, der so nie wieder sein wird in meinem Leben.
Mir wird ein bisschen mulmig bei diesem Gedanken. Nicht immer ist mir die Endlichkeit jedes einzelnen Augenblicks so präsent. Aber jetzt gerade ist sie es und umso mehr spüre ich auch die Verantwortung, diesem besonderen Tag ganz besonders zu begegnen.
Ich wollte heute viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Außerdem steht auf meiner To-Do-Liste das Unkraut auf dem Gehweg und im Vorgarten. Dann muss noch ein Auto abgeholt werden. Einkaufen, Wäsche waschen, kochen, ein Bücherregal leerräumen. Volles Programm also.
Sorge dafür, dass du Freude hast!


Ich könnte jetzt natürlich sagen: Meine Freude ziehe ich daraus, dass ich am Abend müde und zufrieden ins Bett falle, weil ich alles auf der Liste abgehakt habe. Aber ganz so einfach will ich es mir nicht machen. Allzu oft empfinde ich statt Freude über die gesetzten Häkchen nur eine abgrundtiefe Müdigkeit. Was kein Wunder ist, denn erfüllte Pflichten sind noch lange nicht etwas, das ich nur für mich getan habe. Ganz oft sind abgehakte Arbeiten solche, die ich erledige, um Anforderungen von außen gerecht zu werden. Ob das immer sinnvoll ist, sei jetzt mal dahin gestellt. Das wäre mal ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.
Aber jetzt bin ich auf der Suche nach der Freude für mich heute. Und da fällt mir etwas ein.
Ich wolle schon lange mal wieder in unserem Gartencenter stöbern. Seit Wochen schon. Warum mache ich das eigentlich nicht heute? Das Gartencenter hat sogar ein kleines Café und bietet damit genau die Entspannung, die mir heute zwischen meinen Erledigungen gut tun könnte.
Ich setze diesen Punkt auf meine Liste: Café-Besuch im Gartencenter. Und freue mich jetzt schon darauf, mir diese kleine Auszeit nachher zu gönnen.
Und damit ich es morgen und übermorgen und an jedem weiteren Tag nicht vergesse, schreibe ich diesen Satz jetzt vorne auf meinen Terminplaner:

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast.




Sonntag, 14. August 2016

Ein ganz normaler Sonntag

Die Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff)

Was für ein Start in den Tag! Ich bin mit diesen Zeilen im Kopf wach geworden. Woher kam das Gedicht auf einmal? Ich kenne es schon lange, genau genommen seit meiner Schulzeit. Mein ehemaliger Deutschlehrer hat es oft zitiert und ich habe es vom ersten Moment an geliebt. Und nach etwas gesucht.

Mein Fokus lag dabei in all den Jahren auf zwei Dingen. Auf zwei Worten, besser gesagt. Mein Fokus lag auf den Worten Wünschelrute und Zauberwort.
Wünschelrute, das hat mit wünschen zu tun. Aber auch mit suchen und finden. Mit Wünschelruten suchen Menschen nach Wasser, nach unterirdischen Energien, Strahlungen. Und zum Finden braucht man wohl das Zauberwort. So dachte ich immer. Und fragte mich oft: Was könnte dieses Zauberwort sein? Und was wollte ich eigentlich finden? Zufriedenheit? Erfolg? Das Glück? Auf der Suche nach dem Glück bin ich ständig. Wie die meisten um mich herum.
Manchmal ist es zum Greifen nah, dann ist es wieder weg, manchmal kann ich darin baden, manchmal ist es flüchtig wie Schaum, dann wieder scheint es nur ein Hirngespinst zu sein.
Trotzdem: Wir jagen, suchen und wünschen weiter.
Und dann war da ja noch das Zauberwort.
Im Grunde suchen wir doch alle nach diesem Zauberwort. Das Wort, das uns Türen öffnet und uns verborgene Schätze finden lässt. Das Zauberwort, das Hässliches in Schönes verwandelt und Böses in Gutes. Das Zauberwort, das aus Unglück Glück macht.
Ich habe mich oft gefragt, was könnte dieses Zauberwort sein, das Eichendorff hier meinte. Liebe vielleicht. Liebe ist ein großes Wort. Dankbarkeit. Ein Wort, das mir viele Türen geöffnet hat im Leben. Vergebung. Frieden. Freiheit. Alles mächtige Zauberwörter.


Als ich heute morgen im Bett lag und mir plötzlich dieses Gedicht in den Kopf kam, da hörte es sich für mich zum ersten Mal ganz anders an, ganz neu.
Ich sprach es leise vor mich hin, rezitierte es wieder und wieder und spürte, wie mein Fokus sich verschob. Weg von der Wünschelrute, weg vom Zauberwort.
Schläft ein Lied in allen Dingen, schläft ein Lied in allen Dingen ... murmelte ich die ganze Zeit. In allen.
Und plötzlich traf es mich wie ein Stromschlag. In allen.  Allen war mein Wort. Allen ist das Wort, das ich so lange gesucht habe. In allen Dingen schläft ein Lied. Nicht nur in den schönen Dingen. Nicht nur in den guten Dingen. Nicht nur in den einfachen, leichten. In allen Dingen,
In jedem Augenblick, immer und überall. Mit diesem Gedanken bin ich dann richtig wach geworden und habe mich umgeschaut. Und hatte auf einmal das Gefühl, als ob alles zu mir spricht. Wirklich alles. Der Himmel, die Sonne vor dem Fenster. Aber auch der Tisch, der Stuhl in meinem Zimmer, die Kleidungsstücke auf dem Fußboden, die leere Kaffeetasse am Bett, die Bücher neben dem Bett, die Fotos an den Wänden, alles singt, klingt und erzählt seine ganz eigene Geschichte. In allen Dingen. In allen Augenblicken. In allen. Ich habe mein Zauberwort gefunden. An einem ganz normalen Sonntag.