2. Januar 2019

LiteraTour wird zu Atelier Wort.Art

Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang verändern.
Aber du kannst starten wo du bist und das Ende verändern. (C.S. Lewis)

Gerne könnt ihr euch hier noch in aller Ruhe umschauen. Aber wer aktuellere Blogbeiträge von mir lesen möchte, sollte mit mir zusammen aufbrechen und mich in den neuen Blog begleiten. Ich freue mich auf euch - im Atelier Wort.Art !

5. September 2018

Chemnitz: Ein Weckruf

Die anhaltende rechtsextreme Gewalt auf den Straßen von Chemnitz ist schockierend und muss ein Weckruf sein für alle, die die Bildung rechtsextremer Formierungen bisher nicht genügend ernst genommen haben. Diese Vorgänge sind ein Angriff auf den Rechtsstaat und eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, so die Vorsitzende des Schriftstellerverbands Eva Leipprand.
Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) appelliert an jene, die sich immer noch von dieser Seite eine Lösung ihrer Probleme erwarten: Fremdenhass und Gewalt sind nicht zukunftsfähig. Sie zerstören die Gemeinschaft und die Grundlage von Freiheit und Demokratie. Sie sind kein Mittel gegen Abstiegsängste, Ungerechtigkeit und Folgen des Klimawandels. Nur eine offene Gesellschaft kann tragfähige Wege in die Zukunft finden.
Die im Grundgesetz niedergeschriebenen Menschenrechte sind über Jahrhunderte hart erkämpft worden und gelten für alle, ganz gleich welcher Herkunft und Religion. Nun gilt es, aufzustehen und sie zu verteidigen. Nina George, VS-Vorstandsmitglied: »Man kann es nicht deutlich genug sagen: Nach diesem Ausbruch von Hass und Gewalt muss jeder und jedem klar sein, die oder der sich solchen Aktionen anschließt, sie gutheißt oder verteidigt, dass sie dabei sind, die dunkelste Geschichte unseres Landes zu wiederholen. Jene, die zur Gewalt aufrufen, Hetzjagden rechtfertigen und den friedlichen Widerstand verhöhnen, gerieren sich als die Stimme des Volkes; dabei sind sie Stimmen des Hasses. Wer sich ihnen anschließt, sollte sich nicht beschweren, in eine extremrechte Ecke gestellt zu werden – er hat sich dort selbst positioniert.«
Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft kann und muss eine Gesellschaft lernen, es sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein. Dazu gibt es keine Alternative. Unser Grundgesetz gibt uns dafür die notwendigen Instrumente in die Hand.
Während fremdenfeindliche Gruppen die Gewalt auf die Straße tragen und Thilo Sarrazin mit seinem neuen Buch noch Öl ins Feuer gießt, kreist der Astronaut Alexander Gerst an Bord der Internationalen Raumstation um die Erde. Aus seiner Perspektive ist ganz klar: Wir Menschen müssen auf dieser Erde miteinander auskommen und pfleglich mit ihr umgehen. Einen Kampf aller gegen alle können wir uns nicht leisten. Aus der Ferne des Alls zeigt sich unser Blauer Planet in verletzlicher Schönheit und begrenzt in seinen Ressourcen. Er ist unsere Heimat, eine andere haben wir nicht.

8. Juli 2018

Vom Trotz

Regelmäßige BlogleseInnen haben es mitbekommen: Der ganze Trubel um den Datenschutz und die Panik der Blogger haben auch mich das Weite suchen lassen. Ich wollte auf meine Webseite ausweichen in der Hoffnung, dass ich dort den ganzen Voraussetzungen eher Genüge tue. 
Aber ich war mit diesem neuen Blog nicht glücklich. Er war mir zu statisch, alles das, was mir beim Bloggen Spaß gemacht hat, war weggefallen: Der Austausch mit anderen Bloggern, die Blogroll, die Möglichkeit, Gadgets unterzubringen, die Möglichkeit, mal eben spontan einen Artikel einzustellen. Mein Blog war quasi tot und ich todunglücklich.
Jetzt habe ich beschlossen, meinen Trotzmodus einzuschalten und einfach hier weiter zu machen.


Ich werde mir einen einigermaßen richtigen Datenschutzhinweis basteln, aber ich werde auch nicht auf Blogroll und Kommentarfunktion verzichten, wie es so viele meiner KollegInnen tun. Ich habe Dinge zu erzählen, und die will ich weiter erzählen und auch diskutieren, und ich möchte auch weiterhin zeigen können, was die anderen Blogs so tun. Und da tut sich gerade eine ganze Menge.
Wer also wieder regelmäßig hier mitlesen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Jetzt muss ich erstmal eine Weile basteln, aber ich denke, in den nächsten Tagen wird dieser Blog wieder (fast) ganz der alte sein.



12. Juni 2018

Die besten 7

DIE BESTEN 7



© Johannes Hennemuth
© Johannes Hennemuth

Pünktlich mit dem Sommermonat Juni hatte mein Verlag eine wunderbare Überraschung für mich:
Mein Roman "Stechmückensommer" ist von den Juroren des Deutschlandfunk zu den "besten 7 Büchern für junge Leser" im Monat Juni gewählt worden.
Wer die komplette Auswahl nachlesen möchte, folgt einfach diesem LINK.

Aber das war noch nicht alles: eine weitere richtig tolle Besprechung gab es von Sylvia Schwab in Deutschlandradio Kultur und ihr "Prädikat: besonders wertvoll" macht mich richtig ein bisschen stolz.
Nachlesen bzw. -hören könnt Ihr die Besprechung von Sylvia Schwab HIER.


3. Mai 2018

Bookstar.ch 2018

Bis vor kurzem kannte ich diesen Preis überhaupt nicht, aber jetzt hatte ich allen Grund, mich schlau zu machen.
Der 'Bookstar' ist ein Preis, der von den Kinder- und Jugendmedien Zürich vergeben wird zusammen mit den Kinder- und Jugendmedien der Zentralschweiz. Ein Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis für Bücher - und jetzt kommt das Besondere - die von Kindern und Jugendlichen bewertet werden. Also von unserer Zielgruppe.
Warum ich euch das erzähle?
Weil ich vor einigen Tagen erfahren habe, dass mein Roman 'Roofer' auf der Shortlist des bookstar.ch 2018 gelandet ist. 

©Alice Gabathuler
©Alice Gabathuler

Und wisst ihr, worüber ich mich noch mehr freue? 
Dass meine Freundin und Autorenkollegin Alice Gabathuler mit ihrem Roman 'Hundert Lügen' ebenfalls auf der Shortlist steht. 

©Alice Gabathuler
©Alice Gabathuler

Natürlich drücke ich uns beiden die Daumen und ganz ehrlich - ein bisschen Unterstützung von euch kann ganz sicher nicht schaden ☺

29. März 2018

Lebenszeichen


Es gibt mich noch. Allerdings bin ich im Moment mehr offline als online unterwegs. Zwar habe ich schon 1000 Pläne für meinen Garten, auch meine Terrasse müsste dringend aufgeräumt und die Kräuter neu sortiert werden, fast bin ich im Moment aber dankbar dafür, dass der Frühling noch nicht so richtig Einzug gehalten hat. Ich habe einfach zu wenig Zeit für alle anstehenden Arbeiten. Aber jetzt am Osterwochenende will ich anfangen, den Wildwuchs in Angriff zu nehmen und werde euch dann auch wieder regelmäßig aus dem Garten berichten. Ansonsten hält mich neuer Job im wunderbaren Buchladen am Freiheitsplatz auf Trab. Vor allem, seit ich dort die Kinder- und Jugendbuchabteilung unter meinen Fittichen habe. 
Außerdem schreibe ich an einem neuen Kinderroman und bin gerade mit meinem Protagonisten auf der Jagd nach einem gestohlenen Notizbuch. Das wird knifflig.

Aus den Augenwinkeln beobachte ich dabei, wie mein aktueller Roman Stechmückensommer sich auf den Weg zu meinen Leserinnen und Lesern macht und freue mich über eine wunderbare Rezension von Jana Mikota.

Solange mir die Zeit für längere Blogbeiträge fehlt, könnt ihr gerne hier nachlesen, wie Jana Mikota mein Buch gefallen hat. 

Rezension Stechmückensommer bei KinderundJugendmedien.de




12. März 2018

Leipzig liest - den STECHMÜCKENSOMMER

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse ist mein neuer Roman erschienen. Ich bin nach wie vor total verliebt in das Cover, und ich glaube, dass die vielen Grüntöne nach dem langen grauen Winter genau zur richtigen Zeit im Bücherregal gelandet sind. 


Die ersten eifrigen Leserinnen hat das Buch auch schon gefunden und ich freue mich jetzt schon auf die erste Schullesung mit "Stechmückensommer", die bereits nach den Osterferien stattfinden wird.



Vorher aber können alle, die neugierig sind, mich und das Buch auf der Leipziger Buchmesse treffen. Am Messe-Freitag werde ich in Halle 2 aus dem Roman lesen und mich allen neugierigen Fragen stellen.
Ich  würde mich ehrlich freuen, möglichst vielen von Euch dort zu begegnen!

12. Februar 2018

Es läuft.

Schon im Januar wurde mir klar: Dieses Jahr wird ein Jahr der Schreibwerkstätten und neuen Projekte. Im Moment bin ich mitten in der Vorbereitungsphase, an manchen Tagen platzt mir fast der Kopf vor lauter Telefonaten und eMail-Verkehr, aber so langsam lichtet sich das Chaos und es kommt Struktur in die Dinge.
Mehrere große Schreibwerkstätten stehen auf dem Programm, von jeder werde ich Euch noch berichten, aktuell beschäftigen mich die Hürden, die zu nehmen sind, um solche Dinge auf die Beine zu stellen. Räume finden, Termine festlegen, Flyer entwerfen, Mittagessen organisieren, Anmeldungen koordinieren, Arbeitsmaterialien beschaffen, das volle Programm.
Zu allen Vorbereitungen für drei große Schreibwerkstätten kommt die Vorfreude auf eine ganz besondere Lesung, die im Wohnzimmer der wunderbaren Kollegin Maja Nielsen stattfinden wird. Auch davon will ich noch gesondert berichten, heute sind gerade die Einladungen aus der Druckerei gekommen, die ich jetzt ganz schnell an Büchermenschen und KollegInnen verteilen muss.
Schreiben? Ja, ich schreibe auch noch. Nein. Das vor allem. Aktuell an einem wunderbaren witzigen Kinderroman, im Hinterkopf haben sich zwei ältere Damen für eine ganz andere Geschichte eingeschlichen, im Moment versuche ich noch, sie mit Kaffee und Kuchen bei Laune und einigermaßen ruhig zu halten, damit Sie mich erst das Kinderbuch fertig schreiben lassen. Dann wären da noch einige Exposés und Plotideen, die ich eigentlich bis zu Leipziger Buchmesse auf Papier gebracht haben wollte, denn ja, die nächste Buchmesse steht auch schon wieder vor der Tür. Und damit auch die Premiere meines neuen Romans "Stechmückensommer", der im März im Knesebeck Verlag erscheint.



Zum Inhalt:

So hat Madeleine sich ihre Sommerferien nicht vorgestellt:
Erst wird sie von ihren Eltern in ein Feriencamp nach Schweden geschickt, wo sie überhaupt nicht hin will und dann wird sie ganz aus Versehen auch noch von einem durchgeknallten Punk entführt.
Dabei wollte Julian eigentlich nur einen VW-Bus klauen, weil er - wie er sagt - ganz dringend zum Nordkap muss. Als schließlich auch noch Vincent, der Junge mit dem Extra-Chromosom, zu ihnen stößt, ist das ungleiche Trio komplett. Und das mitten in einem Sommer voller Stechmücken, Wälder, Seen und Abenteuer ...


2. Februar 2018

Aus Gründen

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador


(Eugen Gomringer, 1951/53)




30. Januar 2018

Netzwerk mit Backwerk

Netzwerken mit KollegInnen kann bedeuten, dass man sich über den Job austauscht, sich gegenseitig Tipps gibt, sich unterstütz, bei Fragen gemeinsam nach Antworten sucht, auch mal eine Schulter zum Anlehnen bietet oder ein Taschentuch zum Ausheulen reicht.
Netzwerken mit KollegInnen kann aber auch heißen, dass man an einem ganz gewöhnlichen Dienstag zur sehr frühen Frühstückszeit den Königstigern im Haus knackfrische selbstgebackene Brötchen servieren kann.

Dank dem wunderbaren Blitzrezept meiner Kollegin Barbara van den Speulhof habe ich genau das heute gemacht.
Die Königstiger waren begeistert. Und ich auch.

So sahen unsere Brötchen aus.



Und hier kommt das Rezept, wahlweise mit allerlei Körnigem, Würzigem, Mehligem aufpeppbar und als Brot- oder Brötchenteig zu verwenden:

Schnelles Brot nach Barbara van den Speulhof:

Zutaten:

500 g Mehl (Sorten nach Wahl)
1 Pck. Trockenhefe
1,5 TL Salz
320 ml Wasser (lauwarm)

Und so geht es:

Die trockenen Zutaten mischen, Wasser zufügen und einmal mit dem Knethaken durchkneten, bis ein Teig entsteht.
Teig zugedeckt über Nacht im Kühlschrank (!) gehen lassen.

Am nächsten Morgen Brötchen oder Brotlaib formen und bei 220° C (Umluft) im Backofen backen.

Brötchen ca. 13 Minuten
Brot ca. 25 Minuten

Guten Appetit! Und danke an Barbara!




24. Januar 2018

Vom Nicht-Suchen und Trotzdem-Finden

So was Blödes. Es war noch dunkel draußen, da fiel mir ein, dass heute bei uns die Biotonne geleert wird. Und ich wollte diese doch mit dem nicht-mehr-Grünzeug und dem Inhalt etlicher vergammelter Blumentöpfe aus dem Vorgarten füllen.
Ich rannte nach draußen. Im Hintergrund brummte schon die Müllabfuhr. So schnell wie möglich pfefferte ich alles in die Tonne. Im Schlafanzug. Und in meinen gepunkteten Gummistiefeln. Die Nachbarn hinter den Gardinen beäugten mich argwöhnisch. Bei einem Blumentopf war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, guckten doch unter dem braunen Laub ein paar deutlich grüne Blättchen hervor. Irgendwie konnte ich mich auch gar nicht daran erinnern, mit was ich den Topf in der letzten Saison eigentlich bepflanzt hatte. Auf jeden Fall wollte ich den Inhalt jetzt nicht so einfach im Dunkeln entsorgen und zupfte vorsichtig ein braunes Blatt nach dem anderen ab. Jetzt wurde der Argwohn der Nachbarn noch größer. Und ich erlebte eine Überraschung.




Unter den fast verrotteten Blättern fand ich einen Thymian mit wunderbaren frischen grünen Blättchen und ein Alpenveilchen, das mich mit einer weißen Blüte und zahlreichen weiteren Blütenknospen fröhlich begrüßte. Ich habe ehrlich überhaupt keine Ahnung mehr, wann und warum ich auf die Idee gekommen bin, ein Alpenveilchen mit einem Thymian zusammen in einen Topf zu setzen, aber die beiden scheinen sich in der dunklen Jahreszeit miteinander angefreundet und prächtig verstanden zu haben. Ihr Anblick rührte mich. Denn ein bisschen so fühle ich mich seit ein paar Tagen. 
Ein bisschen so, als hätte ich mich unter braunem Laub zurückgezogen, ein Stück weit verloren, und als hätte jetzt jemand angefangen, aufzuräumen und diese Dunkelheit über mir wegzuziehen und Licht zu schaffen. Mir war das nicht so bewusst. Bis heute Morgen. Ich hatte mich auch nicht richtig verloren. Aber irgendwie heute doch wiedergefunden.

Rein äußerlich ging es auch in den letzten Wochen hier weiter wie davor auch. Ich habe geschrieben. Manchmal ohne Unterbrechung und mit Hingabe, manchmal nur Wort für Wort und vielen eingeschobenen Pausen. Ich habe einen fertigen Roman durch das Lektorat begleitet (dazu später mehr), ich habe etliche Schreibwerkstätten für das kommende Jahr vorbereitet und ich habe - last but not least - einen wunderbaren neuen Nebenjob angefangen (auch dazu an anderer Stelle mehr), denn vom Schreiben alleine lebe ich mit meinen Kindern schon lange nicht mehr gut. Rein äußerlich war also alles in Ordnung. Innendrin sah es teilweise anders aus. Deshalb auch mein langes Schweigen hier im Blog. Ich hätte einfach nichts zu sagen, zu erzählen gehabt. Oder jedenfalls nichts, das ich sagen und erzählen wollte.

Aber jetzt geht es mir wie dem kleinen Alpenveilchen. Die ersten Ideen-Knospen sprießen, die Lust am Tun ist zurück, und mein Projekt-und-Ideen-Buch füllt sich wieder. Eigentlich ist der Winter ja noch lange nicht zu Ende. Aber ich fühle mich ein bisschen wie aus dem Winterschlaf erwacht. Und bin gespannt, was dieses Jahr mir alles bringen wird. Und weil ein bisschen Grün uns allen nicht schaden kann in den grauen Monaten, zeige ich Euch schon mal das Cover meines neuen Romans, der dann im März pünktlich zum Frühling und zur Buchmesse Leipzig erscheinen wird. Und auf den ich mich mindestens so sehr freue wie auf den Frühling selbst.






24. November 2017

Totensonntag

Am kommenden Sonntag ist Totensonntag. Ein Tag, an dem man der Toten gedenken soll, in diesem Jahr etwas überrollt von den vorgezogenen Weihnachtsmärkten, was bei vielen Menschen zu Empörung führt. 
Vor einigen Jahren habe ich diese Empörung einmal persönlich erfahren. Es war winterlich, es war rund um die Uhr dunkel, laut Kalender einige Tage vor dem Totensonntag. Ich hatte ein Haus voll kleiner Kinder und wollte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Also habe ich mit ihnen zusammen den kleinen Baum vor dem Haus mit einer Lichterkette geschmückt und zusätzlich haben wir selbstgebastelte Schneeflockensterne in den Baum gehängt.
Am nächsten Tag hatten wir einen anonymen Brief im Kasten. Eine Nachbarin beschwerte sich bitterlich, dass wir die Lichtchen schon vor dem Totensonntag draußen angebracht hätten. Sie schrieb etwas von Würde und Unachtsamkeit und Weihnachtsgetöse und riet uns, die Ostereier gleich auch aufzuhängen.
Dieser Brief hat mich damals sehr betroffen gemacht. Denn für mich hat die Vorweihnachtszeit überhaupt nichts mit Getöse zu tun, dem Rummel kann ich mich ganz gut entziehen. Für mich bedeutet diese Zeit Besinnlichkeit, ein bisschen runterfahren, und ja, Lichterketten, Weihnachtsschmuck,  Plätzchenduft, das gehört schon auch dazu. Ich liebe Weihnachtsmärkte und Weihnachtslieder, Weihnachtsschmuck verteile ich am liebsten im ganzen Haus, ich mag die heimelige Stimmung, die mit den Kerzen einzieht, mag das Zusammenrücken im Haus, wenn es draußen fast gar nicht mehr hell wird. Und wenn ich nach einem langen Tag im Dunkeln nach Hause komme, dann freue ich mich auch über ein paar Lichtchen im Vorgarten, die mich begrüßen. Ich bin gerne bereit über den ökologischen Unsinn solcher Lichter zu reden, würde mein Haus auch niemals von oben bis unten mit strombetriebenen Lampen zuhängen, im Gegenteil, in den letzten Jahren sind wir zu echten Kerzen in großen Windlichtern übergegangen.


Was mich an diesem Brief und auch an der Entrüstung allerorts so betroffen macht, ist nicht die Kritik am Weihnachtsschmuck, sondern die Kritik am Zeitpunkt. Ich kann mit von oben verordneter Trauer so wenig anfangen. Es gibt auch in meinem Leben einige Menschen, deren Tod mir sehr zu Herzen gegangen ist, die ich vermisse und an die ich oft denke. Aber ich brauche dazu kein Datum, das mir vorschreibt, dass ich an diesem Tag zu trauern hätte, an diesem Tag auf den Friedhof gehen muss, damit auch die anderen sehen, dass ich traurig bin. Meine Trauer hat ihre Zeit, immer mal wieder, die fragt nicht nach Monaten und Wochentagen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es die Menschen, die in meinem Herzen weiterleben, auch nicht tun.
Manchmal stelle ich mir vor, dass sie da oben alle zusammensitzen, die Tage runterzählen bis zum kommenden Sonntag und dann Wetten abschließen, wer wohl die meisten Besucher am Grab verzeichnen kann.
Versteht mich nicht falsch, ich lasse denen, die solche Gedenktage brauchen, gerne ihren Totensonntag. So wie ich anderen auch ihren Muttertag lasse, obwohl der für mich in die gleiche Kategorie fällt. Liebe und Zuneigung lassen sich nicht diktieren. Auch nicht, wenn eine Kalender-App sich am Sonntag öffnet und mahnend an die Trauer erinnert.

Wir sollten besser von den Toten und Sterbenden lernen. Kürzlich las ich einen kleinen Bericht in der Zeitung, wonach eine Palliativ-Pflegerin in Sydney zusammengetragen hat, was Sterbende ihr anvertraut haben auf die Frage, was sie am meisten bedauern.

Am häufigsten wurden diese fünf Punkte genannt:

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, wirklich mein eigenes Leben zu leben.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, anderen meine Gefühle auszudrücken.
  • Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.
  • Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.


Ich wünsche Euch, dass Ihr es schafft, diese fünf Punkte umzusetzen. Ganz egal, welcher Tag gerade im Kalender steht.



19. November 2017

Lesen. Schreiben. Und der ganze Rest.

Der November ist Lesemonat. Ihr seht es an meiner Pinnwand auf der rechten Blog-Seite. Im November gibt es kaum einen Tag ohne ein oder zwei Lesungen. Am vergangenen Freitag war ich sogar für drei Lesungen in einer Grundschule unterwegs.
Da die Lesungen mich auch kreuz und quer durch Deutschland führen und nächste Woche sogar in die Schweiz, bleibt dazwischen wenig Zeit fürs Schreiben, jedenfalls zu wenig für alles, was ich eigentlich schreiben möchte.
Trotzdem bin ich am NaNoWriMo noch tapfer dran. Auch wenn der kleine NaNo-Kalender auf der linken Seite gruselig viele rote Felder hat, läuft es besser, als man auf den ersten Blick denken könnte.
Da ich so viel unterwegs bin, schreibe ich derzeit fast ausschließlich mit der Hand in Notizhefte. Da bin ich aber dann am Abend zu faul, die Wörter zu zählen und beim NaNo einzutragen. So kommen wesentlich mehr rote "das Ziel nicht erreicht" - Felder zustande, als es eigentlich sein dürften. Am Wochenende komme ich dann jeweils erst dazu, meine in der Woche entstandenen Texte abzutippen und vernünftig einzutragen. Und schwups, schon bin ich am vorgegebenen NaNo-Durchschnitt wieder so einigermaßen dran. Worauf ich in diesem stressigen Monat ehrlich stolz bin. Denn am Schluss zählt nur, ob man das Ziel erreicht hat. Wie auch immer.

Und auf noch etwas bin ich stolz: Ich habe einen neuen Job. Okay, einen Nebenjob. Aber einen so wunderbaren, dass ich mein Glück noch gar nicht fassen kann. Und mich ehrlich darauf freue, in diesen Job nach dem Lese-Marathon so richtig einzusteigen.


Ihr findet mich in Zukunft in regelmäßigen Abständen nicht nur am Schreibtisch, sondern auch in meinem Lieblingsbuchladen. Klar, getroffen habt ihr mich da auch früher schon öfter. Als Leserin. Als Bücher-Junkie. Aber seit ein paar Tagen könnt ihr mich dort hin und wieder auch als Buchhändlerin finden! Den ganzen Tag Bücher sichten, Bücher einräumen und vor allem Bücher empfehlen und verkaufen. Was für ein Traum! Und das Beste: Im Buchladen am Freiheitsplatz darf ich neben den beiden wunderbaren Bloggerinnen Buchbüchse und Pinkfisch arbeiten. Besser geht es kaum, oder? Ich werde auf jeden Fall berichten.



14. November 2017

Fundsache 7

Ich weiß nicht, wer Manfred Schneider war, das kleine Heft stammt aus meiner Reclam-Sammlung, die ich zum 150. Jubiläum des Verlags mal wieder rausgekramt habe. Offensichtlich tat sich Manfred schwer mit Schiller.


3. November 2017

Es ist wieder soweit

Pünktlich am 1. November 2017 hat er wieder begonnen - der NaNoWriMo.
Oder ausgeschrieben: der National Novel Writing Month.

50.000 Wörter in 30 Tagen. Das ist das Ziel. Wie tausende andere Schreibwütige mache ich seit vielen Jahren mit, oft, ohne das Ziel wirklich zu erreichen und mehr nach dem Motto: Dabei sein ist alles.
In diesem Jahr will ich mehr. In diesem Jahr will ich die Ziellinie überqueren. Ich habe einige Projekte vor mir, die genau das brauchen: Einen freien Kopf und schreiben, ohne darüber nachzudenken.
Ähnlich wie bei meinen Morgenseiten hilft der NaNoWriMo nämlich genau dabei. Wer das festgelegte durchschnittliche Schreibziel täglich erreichen will, hat keine Zeit mehr für langes Grübeln, für gründliches Plotten und Recherchieren. Wer dieses Ziel erreichen will, muss sich an die Tastatur setzen und drauflos schreiben. Vielleicht ist genau das das Geheimnis. Vielleicht ist es genau das, was diesen Schreibmonat für mich zu so einem besonderen macht.

Ich bin im normalen Leben ein Kopfschreiber. Sprich, ich plotte sehr gründlich und noch bevor ich den ersten "richtigen" Satz im Manuskript schreibe, steht meine komplette Geschichte. Bisher bin ich damit immer gut gefahren, aber im NaNoWriMo ist dafür keine Zeit. Und schon erst recht nicht, wenn genau in diesem Monat auch noch fast täglich Lesungen oder Schreibworkshops anstehen. Also versuche ich, meinen inneren Lektor einmal abzuschalten und ungefiltert aufzuschreiben, was da in mir nach außen drängt. Ich achte dabei nicht allzu sehr darauf, wie viele Wörter ich jeden Tag im Schnitt schreiben müsste und ob ich diesen Schnitt auch einigermaßen einhalte.
Es wird wegen der vielen anderen Termine Tage geben, an denen ich gar nicht schreiben kann und dann  zwischendurch hoffentlich auch immer mal wieder Tage, an denen ich nichts anderes tun werde. Am Ende soll eine halbwegs fertige Geschichte vor mir liegen.



Ihr könnt mein Schreiben anders als sonst online verfolgen. Nämlich da oben links neben diesem Posting. Dort habe ich einen kleinen Ticker eingebunden, der meine NaNoWriMo-Fortschritte penibel registriert und gleichzeitig kommentiert. In Farbe. Tage, an denen ich die erforderliche Zahl an Wörtern erreicht habe, markiert dieser Ticker grün, Tage, an denen ich so knapp unterm Schnitt liege, gelb, und Tage, an denen ich nichts bzw. viel zu wenig geschrieben habe, werden im Ticker rot angezeigt. Vermutlich werde ich sehr viele rote Tage haben. Was zählt, ist das Ziel.
Und das Wissen, dass ich nicht alleine bin. Überall da draußen sitzen aktuell Menschen an ihre Tastaturen und schreiben um die Wette. Mit einigen von ihnen bin ich im Kontakt. Wir spornen uns gegenseitig an, machen uns Mut und trösten auch mal, wenn es einen Tag so überhaupt nicht klappen wollte. Zu wissen, dass man nicht alleine am Schreibtisch sitzt, ist vielleicht der zweite Motivator beim NaNoWriMo. Denn das Geschäft des Schriftstellers ist ein einsames. Nur eben nicht im November. Da tun mir eher all die leid, die sich nicht aufraffen konnten oder aus anderen Gründen daran gehindert waren, sich auf die Rennstrecke um die 50.000 Wörter zu begeben.

Wer von euch ist dabei? Mich findet ihr auf der NaNoWriMo-Webseite unter "Holundermond".
Wenn ihr mir im Kommentar eure Usernamen verratet, dann füge ich euch meiner "Buddy-Liste" hinzu. Gemeinsam schreibt es sich schließlich noch besser.


2. November 2017

Roofer ist Jugendbuch des Monats Oktober

Diese Nachricht erreichte mich heute aus dem Verlag:

Im Oktober 2017 hat die Jugendbuch Gemeinschaft JuBuCrew Göttingen meinen Roman "Roofer" zum Buch des Monats gewählt.
Die JuBu-Crew der Arbeitsgemeinschaft Jugendbuch Göttingen bietet Kindern und Jugendlichen aus Göttingen und Umgebung die Möglichkeit, neu erschienene Bücher zum Lesen auszuleihen, beim wöchentlichen Treffen mit anderen Interessierten über die Bücher zu diskutieren und diese zu bewerten.
Die JuBu-Crew vergibt als unabhängige, selbstorganisierte Gruppe Jugendlicher (unter 18) die Auszeichnung "Buch des Monats" jeweils an ein besonders lesenswertes Buch.

Die JuBu-Crew ist übrigens auch eine der sechs Jugendjurys des Deutschen Literaturpreises.

Maja Duchatsch (15) begründete die Wahl u.a. so:

"... Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht von Alice mit einem flüssigen, spannenden und fesselnden Schreibstil. Sie hält sich nicht mit langatmigen Beschreibungen auf, sondern formuliert präzise und knapp das Wesentliche, sodass man gar nicht aufhören kann zu lesen.Auch das Cover ist sehr gut gelungen, da schon mit einem Blick die Thematik und die Gefahr, die damit zusammenhängt deutlich wird.Insgesamt kann man einfach nur sagen, dass das Buch auf jeden Fall empfehlenswert ist, da es in einem rasanten Tempo eine unglaublich spannende und realistische Geschichte erzählt, in der man sich wunderbar in die Personen hineinversetzen kann.
Zudem werden auch Themen wie das Risiko der Freiheit und Opfer, die man anderen zuliebe erbringt, aber auch Vorurteile und Rassismus behandelt.Von mir bekommt das Buch daher eine durchgehend positive Bewertung und eine dringende Leseempfehlung für alle Jugendlichen."


Ich freu mich! Totalst. Mehr kann ich dazu gerade gar nicht schreiben.





23. Oktober 2017

Interview mit Janett Cernohuby auf der Frankfurter Buchmesse

Es ist Herbst, es war Buchmesse und es ist Lesezeit.
Entsprechend viel bin ich unterwegs, entsprechend leise ist es deshalb in meinem Blog geworden. Aber es gibt mich noch.


Live hat das Janett Cernohuby von dem tollen Blog "Janetts Meinung" erfahren, die auf der Buchmesse Frankfurt einen Interviewtermin mit mir vereinbart hatte. Darüber habe ich mich ganz besonders gefreut, denn Janett und ich kennen uns virtuell schon seit des Erscheinens meines allerersten Romans Holundermond.
Schon damals hat Janett eine wunderbare Rezension geschrieben, was nahe lag, da sie in der Stadt lebt, in der Holundermond spielt: im schönen Wien.
Wir hatten uns allerdings noch nie persönlich gesehen, um so schöner war es jetzt, ihr auf der Buchmesse dieses Interview zu meinem aktuellen Roman Roofer zu geben.

Ich düse weiter - die nächsten Termine rufen, ihr könnt das Interview, das mir wirklich riesigen Spaß gemacht hat, hier nachlesen: http://www.janetts-meinung.de/interviews/jutta-wilke-im-interview


10. Oktober 2017

Treffen auf der Buchmesse Frankfurt

Wer mich gerne persönlich treffen möchte, auf einen Plausch oder für ein Autogramm, der ist herzlich eingeladen zu meiner Signierstunde am Messe-Samstag am Stand des Coppenrath-Verlags.
Ich freu mich auf euch!