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17. Februar 2017

Kunst in ihrer Vielfalt

Gestern durfte ich eine ganz besondere Ausstellung besuchen.
Die HFG - Hochschule für Gestaltung - in Offenbach hat die Arbeiten ihrer Erstsemester-Studenten ausgestellt.
Die Ausstellung begeisterte mich vor allem wegen ihrer Vielfalt. Von schlichten Bleistiftzeichnungen über Action-Painting, von Bildhauerei über verschiedene Drucktechniken, Ölmalerei bis hin zu Video-Installationen, Tonaufnahmen, Theateraufführungen, raumfüllenden Installationen und vielem mehr war wirklich so ziemlich alles vertreten, was an dieser Kunsthochschule gelehrt wird. Und die Ausstellung betraf lediglich das erste Semester!

Ich habe ein paar der Kunstwerke fotografiert, lasst sie einfach auf euch wirken.

© Jan Trinkaus


© Jan Trinkaus



© Jan Trinkaus




© Jan Trinkaus


© Tobias Krämer


© Tobias Krämer



© Tobias Krämer


© Tobias Krämer



© Nils Julius Jeske



© Nils Julius Jeske 



© Christian Leicher



© Simon Gerstner


© Lennart Schweigert


PS: Die noch fehlenden Namen liefere ich selbstverständlich nach.

21. August 2016

Künstler sein



Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. 

(Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter)



Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


17. August 2016

To do or not to do

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!

Diese Aufforderung stand heute morgen in einem Kalender, den mir meine Kinder zu Weihnachten geschenkt hatten.

Was für eine Aufforderung.
Ich neige ja dazu, Listen zu führen. To do - Listen, Einkaufslisten, Gewichtsprotokolle, Gartenpläne, Renovierungspläne.
Ich schreibe auf, was ich tun will, ich schreibe auf, was ich erreichen will, ich notiere, was ich gegessen habe, was ich getrunken habe, führe Listen über geschriebene Seiten und solche über noch zu schreibende Seiten, ich führe Gartentagebücher, Haushaltsbücher, Listen über alles Mögliche.
Jeden Morgen beim ersten Kaffee notiere ich, was ich an diesem Tag alles erledigen möchte.
Und jetzt steht da dieser Satz:
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast!
Jeden Tag Freude klingt ja erstmal nicht schlecht. Jeden Tag klingt nach Liste, also setze ich Freude auf die Liste für heute. Und jetzt?
Warte ich auf die Freude oder wie geht es weiter? Ich überlege, woher die Freude kommen könnte. Worüber würde ich mich jetzt freuen? Da fällt mir einiges ein. Nur,,. wie kommt das jetzt zu mir?
Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast. Sorge dafür. Ich selbst soll dafür sorgen. Ich selbst bin für die Erledigung dieses Punktes auf der To-Do-Liste verantwortlich. Einmal Freude täglich. Mindestens. Jetzt überlege ich schon anders. Was würde mir heute Freude bereiten? Heute, an diesem ganz besonderen Tag, an genau diesem 17. August 2016, ein Tag, der so nie wieder sein wird in meinem Leben.
Mir wird ein bisschen mulmig bei diesem Gedanken. Nicht immer ist mir die Endlichkeit jedes einzelnen Augenblicks so präsent. Aber jetzt gerade ist sie es und umso mehr spüre ich auch die Verantwortung, diesem besonderen Tag ganz besonders zu begegnen.
Ich wollte heute viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Außerdem steht auf meiner To-Do-Liste das Unkraut auf dem Gehweg und im Vorgarten. Dann muss noch ein Auto abgeholt werden. Einkaufen, Wäsche waschen, kochen, ein Bücherregal leerräumen. Volles Programm also.
Sorge dafür, dass du Freude hast!


Ich könnte jetzt natürlich sagen: Meine Freude ziehe ich daraus, dass ich am Abend müde und zufrieden ins Bett falle, weil ich alles auf der Liste abgehakt habe. Aber ganz so einfach will ich es mir nicht machen. Allzu oft empfinde ich statt Freude über die gesetzten Häkchen nur eine abgrundtiefe Müdigkeit. Was kein Wunder ist, denn erfüllte Pflichten sind noch lange nicht etwas, das ich nur für mich getan habe. Ganz oft sind abgehakte Arbeiten solche, die ich erledige, um Anforderungen von außen gerecht zu werden. Ob das immer sinnvoll ist, sei jetzt mal dahin gestellt. Das wäre mal ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.
Aber jetzt bin ich auf der Suche nach der Freude für mich heute. Und da fällt mir etwas ein.
Ich wolle schon lange mal wieder in unserem Gartencenter stöbern. Seit Wochen schon. Warum mache ich das eigentlich nicht heute? Das Gartencenter hat sogar ein kleines Café und bietet damit genau die Entspannung, die mir heute zwischen meinen Erledigungen gut tun könnte.
Ich setze diesen Punkt auf meine Liste: Café-Besuch im Gartencenter. Und freue mich jetzt schon darauf, mir diese kleine Auszeit nachher zu gönnen.
Und damit ich es morgen und übermorgen und an jedem weiteren Tag nicht vergesse, schreibe ich diesen Satz jetzt vorne auf meinen Terminplaner:

Sorge dafür, dass du jeden Tag Freude hast.




14. August 2016

Ein ganz normaler Sonntag

Die Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff)

Was für ein Start in den Tag! Ich bin mit diesen Zeilen im Kopf wach geworden. Woher kam das Gedicht auf einmal? Ich kenne es schon lange, genau genommen seit meiner Schulzeit. Mein ehemaliger Deutschlehrer hat es oft zitiert und ich habe es vom ersten Moment an geliebt. Und nach etwas gesucht.

Mein Fokus lag dabei in all den Jahren auf zwei Dingen. Auf zwei Worten, besser gesagt. Mein Fokus lag auf den Worten Wünschelrute und Zauberwort.
Wünschelrute, das hat mit wünschen zu tun. Aber auch mit suchen und finden. Mit Wünschelruten suchen Menschen nach Wasser, nach unterirdischen Energien, Strahlungen. Und zum Finden braucht man wohl das Zauberwort. So dachte ich immer. Und fragte mich oft: Was könnte dieses Zauberwort sein? Und was wollte ich eigentlich finden? Zufriedenheit? Erfolg? Das Glück? Auf der Suche nach dem Glück bin ich ständig. Wie die meisten um mich herum.
Manchmal ist es zum Greifen nah, dann ist es wieder weg, manchmal kann ich darin baden, manchmal ist es flüchtig wie Schaum, dann wieder scheint es nur ein Hirngespinst zu sein.
Trotzdem: Wir jagen, suchen und wünschen weiter.
Und dann war da ja noch das Zauberwort.
Im Grunde suchen wir doch alle nach diesem Zauberwort. Das Wort, das uns Türen öffnet und uns verborgene Schätze finden lässt. Das Zauberwort, das Hässliches in Schönes verwandelt und Böses in Gutes. Das Zauberwort, das aus Unglück Glück macht.
Ich habe mich oft gefragt, was könnte dieses Zauberwort sein, das Eichendorff hier meinte. Liebe vielleicht. Liebe ist ein großes Wort. Dankbarkeit. Ein Wort, das mir viele Türen geöffnet hat im Leben. Vergebung. Frieden. Freiheit. Alles mächtige Zauberwörter.


Als ich heute morgen im Bett lag und mir plötzlich dieses Gedicht in den Kopf kam, da hörte es sich für mich zum ersten Mal ganz anders an, ganz neu.
Ich sprach es leise vor mich hin, rezitierte es wieder und wieder und spürte, wie mein Fokus sich verschob. Weg von der Wünschelrute, weg vom Zauberwort.
Schläft ein Lied in allen Dingen, schläft ein Lied in allen Dingen ... murmelte ich die ganze Zeit. In allen.
Und plötzlich traf es mich wie ein Stromschlag. In allen.  Allen war mein Wort. Allen ist das Wort, das ich so lange gesucht habe. In allen Dingen schläft ein Lied. Nicht nur in den schönen Dingen. Nicht nur in den guten Dingen. Nicht nur in den einfachen, leichten. In allen Dingen,
In jedem Augenblick, immer und überall. Mit diesem Gedanken bin ich dann richtig wach geworden und habe mich umgeschaut. Und hatte auf einmal das Gefühl, als ob alles zu mir spricht. Wirklich alles. Der Himmel, die Sonne vor dem Fenster. Aber auch der Tisch, der Stuhl in meinem Zimmer, die Kleidungsstücke auf dem Fußboden, die leere Kaffeetasse am Bett, die Bücher neben dem Bett, die Fotos an den Wänden, alles singt, klingt und erzählt seine ganz eigene Geschichte. In allen Dingen. In allen Augenblicken. In allen. Ich habe mein Zauberwort gefunden. An einem ganz normalen Sonntag.


2. August 2016

KunstMais

Es ist eine feste Einrichtung bei uns: Das Maislabyrinth verbunden mit einer Kunstausstellung, organisiert von der Kulturhöhe Nidderau.

Gestern habe ich jetzt das Maislabyrinth zum zweiten Mal besucht und mir die dort verborgenen Kunstwerke heimischer und (noch) nicht heimischer Künstler angeschaut. Besonders beeindruckt haben mich die verschiedenen Holzgesichter, die von Flüchtlingskindern in Zusammenarbeit mit ihrer Schule hergestellt worden sind.
Auch "Vater Land" ist eine wunderbare Skulptur, in Gummistiefeln schreitet Vater Land durch das Universum, in seinen Armen ein Boot voller Menschen, auf seinem Rücken die ganze Welt.

Es gibt noch so viel mehr zu sehen und zu entdecken, ich lade euch ein, nach Nidderau zu fahren und das Maislabyrinth selbst zu besuchen oder aber den Seiten der Kulturhöhe Nidderau einen Besuch abzustatten.
Ein paar Foto-Eindrücke lasse ich euch hier.



















23. Juli 2016

Und es dreht sich doch

Im letzten Post habe ich euch schon von Wilhelmsbader Park, der wunderschönen Grünanlage in Hanau, erzählt.
Gestern wurde jetzt nach jahrelanger Restaurationszeit etwas wieder eröffnet, das für mich schon seit Kindertagen DAS Sinnbild für diesen Park ist: Das Wilhelmsbader Karussell.

Ursprünglich erbaut um 1780 herum, thront es hoch oben auf einem Hügel über dem Park, wir Kinder liefen immer begeistert entweder den Hügel hinauf, um die zwar noch bunten, jedoch deutlich der Witterung und dem Verfall ausgesetzten Pferde und Kutschen zu bestaunen, oder wir gruselten uns beim Gang durch den alten Tunnel, der unter dem Karussell hindurch führt und einen Blick in das technische Wunderwerk des alten Vergnügungsapparates offenbart.

Sogar Goethe soll einst Wilhelmsbad besucht und dieses Karussell befahren haben.

Ich selbst habe das Karussell niemals fahrend erlebt, es stand still und war der langsamen Verfall preisgegeben. Auch in ihrer sichtbaren Vergänglichkeit hatten für mich die Pferde und Kutschen immer etwas Geheimnisvolles, fast Verwunschenes. Das Karussell wirkte auf mich stets wie in einen langen Schlaf versunken.

Kein Wunder, dass mich das magische Karussell in Cornelia Funkes Der Herr der Diebe sofort an unser Kleinod in Wilhelmsbad erinnerte und ich habe mir oft vorgestellt, was wohl passieren würde, wenn man auf einem dieser Pferde sitzen und sich im Kreis drehen könnte.
Aber das Karussell stand schon lange still, meines Wissens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Die Mitglieder eines 1998 gegründeter Fördervereins, viele viele Helfer und noch mehr Spenden haben es jetzt nach fast zwanzig Jahren tatsächlich geschafft, das alte Karussell zu neuem Leben zu erwecken. Das komplette Gebäude, die Technik, die Kutschen und Pferde, alles wurde liebevoll restauriert und wieder aufgebaut.
Und seit gestern dreht sich das Karussell wieder. Mit einem feierlichen Festakt wurde es eröffnet, erste Ehrengäste und geladene Gäste, darunter viele Alt-Hanauer, die als ganz kleine Kinder zum letzten Mal auf den Pferden saßen und gestern mit Tränen in den Augen in die Kutschen stiegen, drehten die ersten Runden zu den Klängen eines Leierkasten.

Mit einem dreitägigen Fest wird die Fertigstellung des Karussells in Wilhelmsbad gefeiert und ab heute dürfen auch alle anderen Besucher ein paar Runden drehen. Benutzt werden dürfen allerdings nur die Kutschen, um die kostbaren aufwändig restaurierten Pferde zu schützen. Ich werde versuchen, auch einen Platz zu ergattern. Und bin schon jetzt sicher, dass ein Hauch von Magie dabei sein wird, wenn sich das Karussell dreht.

Ein paar Fotos konnte ich gestern schon vor der offiziellen Eröffnung und dem Andrang machen. Weitere Bilder mache ich dann am Wochenende.
Wer mehr über die Geschichte des Karussells nachlesen will, kann das hier tun:
Die Geschichte des Wilhelmsbader Karussells










30. Mai 2016

Danke für einen Liebesbrief

Wenn ich meinen Beruf nenne, wenn ich erzähle, dass ich Kinderbücher schreibe, dann ernte ich meistens ein geseufztes "Hach!" und oft noch ein "das wollte ich auch schon immer machen".
Seit Harry Potter und J.K. Rowling ist dieses "Hach!" oft von einer Begeisterung begleitet, als hätte ich den Zauberjungen selbst erfunden. Habe ich leider nicht. Weshalb mein Leben als Kinderbuchautorin auch bei weitem nicht so glamourös ist wie das meiner berühmten Kollegin. Es ist für ich trotzdem der beste aller Berufe und ich würde ihn nie wieder eintauschen wollen. Trotzdem gibt es sie, diese grauen dunklen Tage, an denen gar nichts geht, an denen man sich fragt, warum mache ich das eigentlich alles, wozu quäle ich mich so, warum tue ich mir das an? Diese Tage, an denen die Kreativität sich plötzlich über Nacht verabschiedet, an denen all die Millionen Bücher da draußen besser zu sein scheinen als der eigene Text. Text? Welcher Text? Etwa der, den man schon letzte Woche abgeben wollte und von dem einem noch kein einziges Wort eingefallen ist?
Ich weiß, ich bin mit diesen grauen Tagen nicht alleine. Meine AutorenkollegInnen kennen sie alle, und ich bin sicher, auch Maler, Musiker, Schauspieler und andere Künstler kennen sie.

Man sitzt vor dem leeren Blatt Papier resp. Monitor resp. Leinwand, starrt darauf, starrt ins Leere und nichts passiert. Derweil stapeln sich im Briefkasten die Mahnungen, der Haushalt verkommt langsam, die letzten durchgeschriebenen, -gemalten, -musizierten Nächte hängen noch in den Kleidern, gerade wollte man sein Ego mit Hilfe von Google ein bisschen aufpolieren und stieß dabei ausgerechnet auf eine 1-Sterne-Rezension zum letzten Werk. Das sind die Tage, an denen man aufgeben möchte.

Und dann passiert das, was mir heute passiert ist. Man bekommt einen Liebesbrief! Das kommt - zumindest in meinem Alter - nicht mehr so häufig vor (die Rechnungen und Mahnungen überwiegen deutlich), aber heute ist es passiert.

Ein Liebesbrief, nicht nur für mich alleine, sondern für alle, denen es ähnlich geht wie mir, die sich durchboxen, weitermachen, immer wieder die Ärmel hochkrempeln, weil sie ihre Kunst nicht loslassen wollen, weil aufgeben gar keine Alternative wäre.


Dieser Liebesbrief kam von meiner Buchhändlerin, Bloggerin und Freundin Sarah, bekannt auch als Pinkfisch.
Und dafür möchte ich jetzt hier mal danke sagen! Danke für diesen wunderbaren Brief, für die Liebeserklärung an alle Künstler und Kreativen, danke fürs Mutmachen und Anfeuern. Mein Tag ist plötzlich gar nicht mehr grau ... sondern irgendwie ... pink

24. März 2016

Das Internet hat die Welt so klein gemacht

... findet die Mama von Jens Schönlau, dem Blogger über Literatur, Lyrik, Lifestyle, Liebe und Leidenschaft, kurz fiftyfiftyblog.

In seinem neuesten Blogbeitrag erzählt Jens von einem Gespräch mit seiner Mutter über die aktuelle Weltlage, ihr Resümee: "Das ist alles, weil das Internet die Welt so klein gemacht hat."



Und weil mich dieser Blogbeitrag (hier zu finden: Mit Mama über die Weltlage gesprochen) schon den ganzen Vormittag beschäftigt, will ich ihn hier mit euch teilen. 
Und meine Gedanken dazu, die ich auch Jens als Kommentar geschickt habe, hänge ich gleich mit an:

Ich sehe es wie Jens Mama. Das Internet hat die Welt so klein gemacht. Vor allem hat es sie schnell gemacht. Die Schnelligkeit hindert die Menschen am Denken. Schnell schnell einen Tweet absetzen, schnell einen Kommentar tippen, schnell ein Post schreiben … nur schnell, bevor es andere tun. Schnell liken, schnell teilen, nur nicht erst Zeit nehmen zum Nachdenken, Lesen, Überprüfen, Abwägen … mir macht diese neue Geschwindigkeit oft Angst. Manchmal möchte ich mich aus allem ausklinken. FB habe ich schon lange gelöscht, trotzdem bin ich noch bei Twitter, nutze das Netz für meinen Blog, meine Kontakte … nur meine Bücher schreibe ich ganz altmodisch per Hand. Was können wir tun? Respekt. Ja. Liebe. Ja. Langsamkeit? Für mich wäre das ganz wichtig. Neue Entdeckung der Langsamkeit. Ruhe rein bringen in diesen tosenden wirbelnden immer mehr außer Kontrolle geratenden Planeten.

Wie gesagt, manchmal möchte ich einfach abhauen. Irgendwo raus aufs Land. Weit weg von Internet und Nachrichten aus aller Welt. Kopf in den Sand. Gemüse anbauen. Schön am Meer sitzen und Sonnenuntergänge betrachten, während auf der anderen Seite Kriege toben. Aber eine Lösung wäre das nicht. Nur eine sehr persönliche Flucht. Ich weiß es nicht. Ich weiß ehrlich nicht, was ich tun, wie ich tun soll. Ich habe fünf Kinder. Was soll ich ihnen mit auf den Weg geben?

22. Dezember 2015

Alle Jahre wieder ...

Karten, Geschenke, Plätzen, Weihnachtsbaum ... alles fertig.
Nur eins fehlt noch:

Drei Nüsse für Aschenbrödel


Seit rund 40 Jahren für mich ein absolutes Muss in der Weihnachtszeit ☺



Und wer - wie ich - vom Aschenbrödel im Schnee gar nicht genug kriegen kann, der kann sich auch noch die Doku zum Film anschauen. Zugegeben ... der Prinz ist ein bisschen in die Jahre gekommen und Rolf Hoppe als König war einfach besser als sein Double aus Wachs.




Und selbst wenn ein 60jähriges Aschenbrödel in einer Vorabendserie ein kleines bisschen weh tut ... dem Zauber des Films kann die Doku nichts anhaben. Der bleibt für mich.
Was nicht nur an den traumhaft schönen Winterbildern liegt, sondern vor allem auch an der Musik.
Und nachdem ich heute endlich mein Klavier mal wieder entstaubt und für die Weihnachtszeit geöffnet habe, kann jetzt geübt werden.






Ich wünsche euch allen von Herzen ein wunderschönes friedliches Weihnachtsfest!




20. Oktober 2015

Beten in der Paulskirche

Navid Kermani erhielt in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Verliehen wurde der Preis am 18. Oktober in der Paulskirche in Frankfurt.

Ich hatte das große Glück, dieser Veranstaltung beiwohnen zu dürfen. Glück deshalb, weil Navid Kermani nicht nur ein begnadeter Autor und dazu noch ein begnadeter Redner ist. Glück auch, weil der Preisträger mir mit seiner Rede ein Stückchen Hoffnung zurück gegeben hat.

Im Angesicht des Attentats von Köln, den vielen Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in den letzten Wochen, im Angesicht der Wahlen in der Schweiz mit einem Ergebnis, das mir Brechreiz verursacht, im Angesicht der Pegida-Aufmärsche und kranken Selbstdarstellungen ihrer Anhänger, im Angesicht der verheerenden Kriege und Terrorakte weltweit schaffte es Navid Kermani, trotzdem er fast eine Stunde von nichts anderem sprach, mir ein Stück Hoffnung zurückzugeben. Hoffnung darauf, dass es doch noch möglich ist, dieser Welt, in der wir aktuell leben, mit Liebe zu begegnen.

(c) dpa


Im Anschluss an seine Rede vereinigte Kermani rund 1200 Gäste der Preisverleihung unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlichster Kulturen und Religionen im Gebet. Im Gebet für eine bessere Welt. Was hätte passender sein können in einer Kirche?

Bitte nehmt euch eine Dreiviertelstunde Zeit und schaut und hört euch an, was Navid Kermani dieser Welt zu sagen hat.

Ihr findet die Rede in der Mediathek des ZDF.

Wer die Rede lieber lesen möchte, findet sie im Feuilleton der FAZ.

28. Juni 2015

Nimm dir, was du brauchst



Diese liebe Postkarte lag gestern in meinem Briefkasten! Ich habe mich so sehr über die Überraschung von Hanne von der Book Lounge Lesegenuss gefreut!
Danke Danke Danke

Das Beste an dieser Karte ist: Ich brauche eigentlich nur ganz wenig davon. So ganz spontan würde ich zugreifen bei Geistesblitz für mein aktuelles Manuskript, ein Tapetenwechsel wäre auch nicht schlecht, na ja und zu einer klitzekleinen Gehaltserhöhung würde ich auch nicht nein sagen.

Es bleibt aber noch ganz viel übrig. Deshalb - bedient euch bitte und nehmt, was ihr braucht ☺
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!




11. Mai 2015

Abschied

Ich habe lange überlegt, ob das hier der richtige Ort ist, darüber zu sprechen/schreiben, warum es im Blog derzeit so ruhig geworden ist. Aber ich spüre, dass schwere Dinge leichter werden, wenn ich darüber spreche.
Vor einigen Tagen mussten wir den Freund und Lebensgefährten meiner Tochter mit 22 Jahren bestatten. Er wurde durch einen grausamen Unfall von einer Sekunde auf die andere mitten aus dem Leben gerissen.
Der Schock sitzt noch tief. Und erst so ganz langsam und allmählich schafft sich neben Wut und Fassungslosigkeit ein anderes Gefühl Raum: Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür, dass ich den jungen Mann kennen lernen durfte und Dankbarkeit auch dafür, dass er es selbst in kürzester Zeit geschafft hat, meiner Tochter unglaublich viel Liebe und Freude zu schenken.
Wir haben uns in einem Friedwald unter rauschenden Baumwipfeln und begleitet von lautem Vogelgezwitscher von ihm verabschiedet. Und mit einem Auszug aus seinem Lieblingsroman "Das Rad der Zeit", den ich im Wald vorgelesen habe.


 Das Rad der Zeit 
Süden. Zuerst nach Süden, dann vielleicht nach Westen, die Küste entlang. Vielleicht würde er ein Schiff finden? Es gab so vieles auf der Welt, das er nicht gesehen hatte. […]Er hatte einfach nicht die Zeit, einen wahren Blick auf viele Teile der Welt zu werfen. Das wird neu sein, dachte er. Reisen ohne verfolgt zu werden, oder hier und da herrschen zu müssen. […]
Er dachte darüber nach und erkannte, dass er lachte… Während er das tat, erhob sich ein Wind um ihn.Der Wind erhob sich hoch und frei, stieg in den wolkenlosen Himmel auf. Er wehte über eine zerborstene Landschaft […] eine Landschaft, die zur gleichen Zeit mit Feiernden bedeckt war. Er kitzelte die Äste einiger Bäume, die endlich angefangen hatten auszutreiben.Der Wind wehte südwärts, durch knorrige Wälder, über schimmernde Ebenen hin zu unentdeckten Ländern.
Er war wie der Wind, und wie der Wind berührte er alles, und wie der Wind war er verschwunden.Das Leben ist ein Traum, aus dem wir alle aufwachen müssen, bevor dann ein neuer Traum beginnt.Dieser Wind, er war nicht das Ende. Es gibt kein Ende, und es wird niemals Enden geben, bei der Drehung des Rades der Zeit. […]



28. April 2015

Du musst das Leben nicht verstehen

                                 



                                  Du musst das Leben nicht verstehen,
                                  dann wird es werden wie ein Fest.
                                  Und lass dir jeden Tag geschehen
                                  so wie ein Kind im Weitergehen
                                  von jedem Wehen
                                  sich viele Blüten schenken lässt.
                                  Sie aufzusammeln und zu sparen,
                                  das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
                                  Es löst sie leise aus den Haaren,
                                  drin sie so gern gefangen waren,
                                  und hält den lieben jungen Jahren
                                  nach neuen seine Hände hin.

                                  Rainer Maria Rilke


21. März 2015

Dialog im Dunkeln

Ich hatte euch einen Bericht über unsere besondere Geburtstagsfeier gestern versprochen. Jetzt stehe ich noch so unter den völlig neuen Eindrücken, dass ich gar nicht recht weiß, wo ich anfangen soll.
Emil, unser K4, hatte nämlich einen ganz besonderen Geburtstagswunsch: er wollte mit ein paar Freunden in ein Museum in Frankfurt.
Und es sollte keineswegs irgendein Museum sein - die Auswahl in Frankfurt ist nicht eben klein - sondern er wusste sehr genau, was er sich wünschte: einen Besuch im Dialogmuseum.


Ich muss gestehen, bis zu diesem Wunsch hatte ich keine Ahnung, was das Dialogmuseum überhaupt ist. Dem Namen nach klang es für mich nach Handy, eMail oder Telefonkonferenzen, aber da lag ich vollkommen daneben.

Im Dialogmuseum in Frankfurt können Kinder und Erwachsene die Welt blinder Menschen kennenlernen und erforschen.

Wir buchten eine Geburstagstour für Emil und lernten schon bei der Buchung: Das Museum kann immer nur mit einer Führung besichtigt werden, hierbei werden Gruppen in Größen von max. 8 Teilnehmern zusammengestellt, die dann von einem Guide durch die Erlebnisräume in absoluter Dunkelheit geführt werden. Die Gruppengröße ist allein der Sicherheit der Besucher geschuldet, denn soviel kann ich schon verraten: Man sieht in diesen Räumen absolut nichts!

Ich bin dann gestern mit fünf Kindern zwischen 10 und 13  Jahren nach Frankfurt gefahren und Emil bekam mit seinen Gästen seine ganz eigene Geburtstagstour.
Schon der Anfang war spannend: Jacken, Rucksäcke, aber auch Handys, leuchtende Armbanduhren und andere "Leuchtobjekte" wurden in einem Schließfach verstaut. Dann warteten wir auf unseren "Guide", der uns am Eingang des Museums abholen sollte.
In der Zwischenzeit hatten die Kinder die Möglichkeit, schon mal das Alphabet der Blindenschrift zu studieren, das überdimensional an der Wand installiert war.
An kleinen Schultischen gab es die Möglichkeit, eigene Texte oder Botschaften in Blindenschrift zu stanzen, wir lernten, dass man dazu die Schrift spiegelverkehrt mit einer Nadel in das Papier stechen muss, um dann die Buchstaben nach dem Umdrehen des Blattes auch durch Tasten lesen zu können.


Endlich war es soweit: Ein Mitarbeiter des Museums holte uns an den Eingang und drückte jedem von uns einen Blindenstock oder Taststock in die Hand. Wir erhielten eine kurze Einweisung, wie man sich mit Hilfe dieses Geräts vorwärtstastet, die Kinder wurden noch einmal gebeten, den Stock wirklich auch nur über dem Fußboden und nicht etwa als Schwertkämpfer in der Luft zu benutzen und dann brachte uns der Mitarbeiter zum Eingang: ein ins Stockdunkle führender Gang, an dessen Ende uns unser Guide erwarten sollte.

Mit der linken Hand an einer Wand, mit der rechten noch etwas verkrampft am Stock tasteten wir uns Schritt für Schritt vor in die Dunkelheit. Anfangs noch recht forsch wurde unsere kleine Gruppe im Gänsemarsch immer langsamer, denn es wurde von Meter zu Meter dunkler und auf einmal war es nur noch das: schwarz. Absolut schwarz. Ich erwartete, dass meine Augen sich an diese absolute Dunkelheit gewöhnen würden, aber nichts dergleichen geschah: es war und blieb einfach pechschwarz.
Unser Guide nahm uns in der Schwärze in Empfang, begrüßte uns, stellte sich als Manuel vor, fragte unsere Namen ab und gratulierte Emil zum Geburtstag. Und dann ging es los. Im Gänsemarsch stolperten wir hinter ihm her, wir sollten seiner Stimme folgen und sicherheitshalber legten wir einander noch die Hand auf die Schulter, um nur ja niemanden zu verlieren. Manuel, seit seinem dritten Lebensjahr blind, führte unsere Hand an eine Holzgeländer, dem wir jetzt folgen sollten: Das Aufatmen in der Gruppe war deutlich zu hören.
Wir gingen Schritt für Schritt, die Hand fest am Geländer weiter ... als plötzlich unsere Füße erst über Kieselsteine stolperten und dann in weichem Waldboden versanken. Die Vögel zwitscherten laut, irgendwelche Insekten summten, Bäume rauschten, wir waren mitten in einem Wald. Das Geländer hörte auf und wurde zu einem rauen Fels, an dem wir uns vorsichtig entlang tasteten, bis auf einmal das kalte Wasser eines kleinen Wasserfalls über unsere Hände lief.

Manuel führte uns zu einer Parkbank und ließ uns sitzend mit den Geräuschen eines Waldes alleine.

Es würde hier zu weit führen, alle Erlebnisräume bis in alle Einzelheiten zu beschreiben, fest steht, dass dieses Museum bei allen Kindern und auch bei mir einen sehr tiefen, sehr besonderen Eindruck hinterlassen hat.
Wir haben eine (simulierte) Bootsfahrt über den Main gemacht, haben gelernt, wie man als Blinder eine Straße überquert, haben uns durch Häuserzeilen, vorbei an parkenden Autos und Telefonzellen getastet, haben blind einen Geldautomaten "erkannt" und in einem besonders dafür eingerichteten Raum auf dem Teppichboden sitzend "Klangwelten" kennengelernt, die sogar körperlich spürbar waren. Wir haben ein "Geräuschequiz" gespielt und waren am Meer.

Und zum Abschluss der Tour führte uns Manuel in eine Dunkelbar. Hier durfte jedes Kind noch ein Getränk bestellen und am Tisch sitzend durften wir "unseren Guide" dann mit Fragen zu seiner Geschichte und allem bombadieren, was uns sonst noch auf- oder eingefallen ist.

Nach diesem besonderen Museumsbesuch waren wir uns vor allem über eines einig: Unsere Welt ist in der Dunkelheit nicht ärmer, sondern reicher geworden. Wir haben in der kurzen Zeit und in einer eigentlich nur simulierten Umgebung Dinge gelernt, wahrgenommen, ertastet, gehört, gefühlt und erlebt, die wir, trotzdem wir doch sehend durch unsere Welt laufen, so noch nie wahrgenommen haben. Die Kinder fanden es besonders faszinierend, dass sie schon nach kurzer Zeit die Angst vor der Dunkelheit vollkommen verloren hatten, sich von Meter zu Meter sicherer fühlten und dass es "null langweilig" war.  Und das ganz ohne Monitore, ohne visuelle Überflutung, ganz ohne Sehen.

Noch heute bewege ich mich absolut staunend durch den Tag und überlege andauernd und immer wieder, wie sich diese oder jene Situation wohl für einen Blinden darstellen würde.
Ich muss an die Fledermäuse denken, die wir gestern gehört haben, an die Flugzeuge "über dem Main", bei denen wir raten durften, ob sie gerade starten oder landen und auch tatsächlich das erkennen konnten.
Ich denke an das gleichmäßige Rauschen der Wellen, als wir auf dem Teppichboden sitzend und liegend am Meer waren und dem Geschrei der Möwen lauschten. Ich denke an die vielen verschiedenen Oberflächen, die wir bei unserem Spaziergang durch die Innenstadt ertastet haben und an die Ampel, gegen die ich im Eifer des Gefechts gelaufen bin ☺

Diesen Tag wird sicher nicht nur Emil noch lange in Erinnerung bleiben. Und ganz bestimmt war es nicht unser letzter Besuch im Dialogmuseum!
Und um es mit einem Besucher des Dialogmuseums zu sagen:

Es war ein Zauber, eine neue Welt. Der Eindruck wird bleiben,
schön und unheimlich und man merkt, da ist mehr als man weiß.


23. Februar 2015

Norbert

Wenn so etwas nach einem langen grauen dunklen Tag plötzlich auf dem Küchentisch liegt, dann ist der Tag auf einmal gar nicht mehr grau und dunkel sondern hell und freundlich. Ich wünsche euch allen so einen "Norbert"!