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9. Januar 2017

Wohnung gesucht

Es ist vielleicht ein eher unüblicher Weg, aber dafür ist er noch nicht so ausgetreten.
Wir suchen eine Wohnung.
Genau genommen helfe ich meinem Ältesten (22) dabei, eine Wohnung zu finden.
Nach seiner Ausbildung zum Mediendesigner studiert er jetzt  Kunst an der Kunstakademie in Offenbach und muss seine bisherige Bleibe in Frankfurt leider aufgeben.
Jetzt suchen wir eine WG-geeignete Zweizimmerwohnung für ihn und seinen Kumpel, und diese Wohnung soll sich möglichst in Offenbach befinden.


























Kontakt kann jederzeit über mich hergestellt werden.
Wer also eine Wohnung weiß oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der eine Wohnung ... na ihr wisst schon ...
Und damit das ganze ein bisschen spannend wird: Für eine erfolgreiche Vermittlung biete ich ein schönes Paket meiner Bücher. Signiert selbstverständlich.



3. Januar 2017

Geschenkte Zeit

Einen Teil unserer Weihnachtsferien verbringen wir wieder in unserer schon fast Zweitheimat Weimar. Gestern dann die Anreise mit dem Zug. Und - wie sollte es anders sein - schon der erste Zug hatte so viel Verspätung, dass wir unseren Anschluss-ICE in Fulda um zwanzig Minuten verpasst haben.
Die Verspätung bescherte uns eine volle Stunde Zwangsaufenthalt im verschneiten und eiskalten Fulda. Alle haben geflucht. Denn viele wollten hier umsteigen in den ICE nach Erfurt. Und keiner hatte Lust, eine Stunde in Eiseskälte neben seinem Koffer auszuharren und zu frieren.
Aber genau das hätten wir gemacht, wären da nicht meine Kinder gewesen. Ein Blick auf den sonst wenig schönen Bahnhofsvorplatz und dann fingen sie an, einen Schneemann zu bauen. Sehr zur Belustigung der Passanten rollten sie Schneekugeln über den Platz, suchten Baumaterial zusammen und legten los.



Und mit einem Mal war die Stunde Wartezeit wie im Flug vorbei. Mit viel Spaß und Gelächter und glühenden Gesichtern. Und um einen Schneemann reicher. Carpe diem. Geschenkte Zeit, die wir gar nicht einkalkuliert hatten. Von Kindern kann man so vieles lernen.

29. Dezember 2016

Überraschungspost

Ganz kurz vor Ende des Jahres erreichte mich noch eine richtige Überraschungspost.
Die Klasse 4b der Grundschule Aßlar hat vor den Weihnachtsferien mein Buch "Florentine oder Wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt" gelesen, die Kinder haben ein Lesetagebuch geführt, kreative Aufgaben rund ums Buch erledigt UND - sie haben mir geschrieben! 23 wunderbare liebe Briefe der ganzen Klasse lagen heute in meinem Briefkasten.



 Am liebsten würde ich euch alle vorlesen bzw. zeigen, aber das schaffe ich leider aus Platzgründen und auch zeitlich nicht.
Deshalb habe ich hier stellvertretend zwei Briefe für euch eingescannt und setze mich jetzt daran, den Kindern ganz schnell einen Antwortbrief zu schreiben, damit sie ihn gleich nach dem Ende der Weihnachtsferien vorfinden.


Von hier aus aber schon mal ein ganz dickes Dankeschön an die ganze Klasse 4b und ihre Lehrerin Annika Rösch für diese wunderschöne Überraschung! Ich habe mich riesig darüber gefreut! Und Florentine ist auch ganz glücklich über so viel Fanpost!

31. Oktober 2016

Die Carnegie-Hall, Sir Karl Jenkins und ich

Musikliebhaber kennen seinen Namen. Der Komponist Karl Jenkins ist vor allem für seine Bemühungen um Völkerverständigung und Versöhnung zwischen den Erdteilen bekannt.
Es ist deshalb eine schöne Tradition, dass die Konzertreihen in der Carnegie Hall in New York alljährlich im Januar mit einer Folge von Kompositionen dieses Komponisten eröffnet werden.
So auch im Januar 2017.

Am Sonntag, dem 15. Januar 2017 wird in der Carnegie Hall  Karl Jenkins Requiem zur Aufführung gebracht sowie - als US - Premiere -  die Cantata Memoria for the Children of Aberfan.

Und so klingt die Ankündigung auf der Website der Carnegie Hall:

DCINY honors UK composer Sir Karl Jenkins with an evening comprised of both new and lauded compositions by the honoree. The program includes the U.S. premiere of Cantata Memoria for the Children of Aberfan and the Jenkins Requiem. The performance is conducted by Jonathan Griffith, DCINY Artistic Director and Principal Conductor, and features Distinguished Concerts Orchestra and Distinguished Concerts Singers International.

Warum ich euch das erzähle?

Weil ich mich so unglaublich auf dieses Konzert freue. Weil ich als Teil unseres großen Schulchores, in dem auch Eltern mitsingen, nämlich genau zu diesen "Distinguished Concerts Singers" gehöre.
Weil ich deshalb zusammen mit meinem "K3" Paul und einem großen Teil des Chores am 11. Januar 2017 nach New York fliegen, Sir Karl Jenkins himself kennenlernen und dann als Teil eines großen internationalen Chores in der Carnegie Hall auf der Bühne stehen und dieses Requiem singen werde.

Als vor etwa einem halben Jahr die offizielle Einladung an unsere Schule ging, glaubte unser Chorleiter zunächst an einen Scherz und suchte die versteckte Kamera. Aber es war kein Scherz. Und deshalb probt jetzt seit Wochen ein Auswahlchor des Schulchores für eben dieses Konzert.

Das alles ist so unfassbar, so unglaublich, dass es mir noch ein wenig vorkommt wie ein Traum. Ich freue mich so so so sehr auf die Musiker und Musikerinnen aus der ganzen Welt, denn es werden noch viele Chöre von allen Kontinenten dieses Planeten das Konzert mitgestalten. Und ganz besonders freue ich mich darüber, dass mein K3 Paul nicht nur im Tenor dabei ist, sondern am 15. Januar in der Carnegie-Hall auch noch seinen 15. Geburtstag feiern wird. Dieser Geburtstag dürfte für den Rest seines Lebens als Erinnerung kaum noch zu toppen sein.

Und wer weiß? Vielleicht befindet sich ja unter den vielen Konzertteilnehmern sogar noch ein amerikanischer Verleger, den ich um den Finger wickeln kann? ☺ ☺ ☺

23. Juli 2016

Und es dreht sich doch

Im letzten Post habe ich euch schon von Wilhelmsbader Park, der wunderschönen Grünanlage in Hanau, erzählt.
Gestern wurde jetzt nach jahrelanger Restaurationszeit etwas wieder eröffnet, das für mich schon seit Kindertagen DAS Sinnbild für diesen Park ist: Das Wilhelmsbader Karussell.

Ursprünglich erbaut um 1780 herum, thront es hoch oben auf einem Hügel über dem Park, wir Kinder liefen immer begeistert entweder den Hügel hinauf, um die zwar noch bunten, jedoch deutlich der Witterung und dem Verfall ausgesetzten Pferde und Kutschen zu bestaunen, oder wir gruselten uns beim Gang durch den alten Tunnel, der unter dem Karussell hindurch führt und einen Blick in das technische Wunderwerk des alten Vergnügungsapparates offenbart.

Sogar Goethe soll einst Wilhelmsbad besucht und dieses Karussell befahren haben.

Ich selbst habe das Karussell niemals fahrend erlebt, es stand still und war der langsamen Verfall preisgegeben. Auch in ihrer sichtbaren Vergänglichkeit hatten für mich die Pferde und Kutschen immer etwas Geheimnisvolles, fast Verwunschenes. Das Karussell wirkte auf mich stets wie in einen langen Schlaf versunken.

Kein Wunder, dass mich das magische Karussell in Cornelia Funkes Der Herr der Diebe sofort an unser Kleinod in Wilhelmsbad erinnerte und ich habe mir oft vorgestellt, was wohl passieren würde, wenn man auf einem dieser Pferde sitzen und sich im Kreis drehen könnte.
Aber das Karussell stand schon lange still, meines Wissens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Die Mitglieder eines 1998 gegründeter Fördervereins, viele viele Helfer und noch mehr Spenden haben es jetzt nach fast zwanzig Jahren tatsächlich geschafft, das alte Karussell zu neuem Leben zu erwecken. Das komplette Gebäude, die Technik, die Kutschen und Pferde, alles wurde liebevoll restauriert und wieder aufgebaut.
Und seit gestern dreht sich das Karussell wieder. Mit einem feierlichen Festakt wurde es eröffnet, erste Ehrengäste und geladene Gäste, darunter viele Alt-Hanauer, die als ganz kleine Kinder zum letzten Mal auf den Pferden saßen und gestern mit Tränen in den Augen in die Kutschen stiegen, drehten die ersten Runden zu den Klängen eines Leierkasten.

Mit einem dreitägigen Fest wird die Fertigstellung des Karussells in Wilhelmsbad gefeiert und ab heute dürfen auch alle anderen Besucher ein paar Runden drehen. Benutzt werden dürfen allerdings nur die Kutschen, um die kostbaren aufwändig restaurierten Pferde zu schützen. Ich werde versuchen, auch einen Platz zu ergattern. Und bin schon jetzt sicher, dass ein Hauch von Magie dabei sein wird, wenn sich das Karussell dreht.

Ein paar Fotos konnte ich gestern schon vor der offiziellen Eröffnung und dem Andrang machen. Weitere Bilder mache ich dann am Wochenende.
Wer mehr über die Geschichte des Karussells nachlesen will, kann das hier tun:
Die Geschichte des Wilhelmsbader Karussells










2. Juni 2016

Das wilde Leben

"Weißt du Mama, wir spielen diese Computerspiele so gerne, weil man da richtige Abenteuer erleben kann, so mit Lagerfeuer, im Wald schlafen, klettern und allem Drum und Dran." Mit diesen Worten versuchte mein 12-Jähriger mich von der Notwendigkeit eines neuen Spiels zu überzeugen. Ich muss dazu sagen, dass meine Jungs alle bei den Pfadfindern aktiv und so zum Glück auch noch im realen Leben mit Wanderschuhen, Rucksäcken, Feuerholz und Taschenmesser in der freien Natur unterwegs sind.
Trotzdem löste diese Bemerkung ein langes Gespräch am Familientisch aus, ein Gespräch darüber, wie sehr Kindheit sich verändert hat - und das wirklich nicht immer zum Guten.
Bevor die Sicherheitsfanatiker unter euch jetzt aufschreien - ja ich weiß, dass viele Dinge heute gefährlicher geworden sind. Höheres Verkehrsaufkommen, schnellere Autos, giftige Umwelt und und und ... trotzdem .. wenn ich meinen Kindern von meiner Kindheit erzähle, ernte ich leuchtende Augen und neidische Blicke. Und wir haben einmal gegenüber gestellt, wie das "damals" (ich bin Jahrgang 1963) war und wie es "heute" (2016) ist.
Und nochmal der Hinweis: Natürlich ist es völlig richtig, dass heute nicht mehr jeder Müll im Garten verbrannt werden darf und Autos nicht mehr im Hof gewaschen werden dürfen. Aber aus Kindersicht ist das auch sehr bedauerlich.

Damals: Regelmäßig jeden Samstag gab es ein großes Feuer im Garten, hier wurde das Altpapier und Gartenabfälle verbrannt. Über der Glut grillten wir Würstchen, wir kokelten mit langen Ästen, spielten Indianer und machten Rauchzeichen mit Badehandtüchern.

Heute: Feuer im Garten sind nicht mehr erlaubt, bestenfalls in einer Feuerschale. Wollen wir ein Lagerfeuer auf unserer Streuobstwiese machen, müssen wir vorher die Feuerwehr von unserer Absicht informieren und auf die Genehmigung warten.

Damals: In unserem Garten standen große Eisenstangen/Teppichstangen mit Wäscheleinen. Wir kletterten auf die Teppichstangen und spielten Zirkus. Kopfüber baumeln, hangeln, an Stangen hochklettern.

Heute: Kaum noch ein Kind kann an einer glatten Stange oder einem Seil hochklettern. Im Trockner kann man das so schlecht üben.

Damals: Ich schnallte mir alte Rollschuhe mit Einmachgummis an die Schuhe und sauste die steilen Straßen hinunter.

Heute: Inliner gibt es zum Glück, aber ohne Knieschoner, Handgelenkschoner, Ellbogenschoner und Helm darf kaum noch ein Kind auf die Straße.

Damals: Wir fuhren zum Campen nach Italien. Vater, Mutter, zwei Kinder. Papa baute die Rückbank seines PKW aus, dann kamen dorthin die Säcke vom Hauszelt, das Schlauchboot, die Luftmatratzen, das Gepäck und oben drauf die Bettwäsche. Auf diesem gemütlichen Gepäckberg kuschelten wir Kinder während der Fahrt. Gurte? Kindersitze? Gab es nicht.

Heute: Angeschnallt im Kindersitz für viele Stunden.

Damals: Die Landwirte stapelten kastenförmige Strohballen zu hohen Mieten am Wegrand. Wir bauten daraus Höhlen und Burgen, kletterten darauf herum, legten Wolldecken drüber und drunter.

Heute: Strohballen sind heute riesige Rollen, die abtransportiert werden.

Damals: Durch unser Dorf floss ein Bach, wir bauten Floße, Staudämme, fingen Fische und Kaulquappen, spielten stundenlang am Wasser

Heute: Der Bach fließt inzwischen unterirdisch, zum Fluss darf kaum ein Kind hier, man könnte ja ertrinken

Damals: Wir bauten Iglus und machten uns im Iglu ein Lagerfeuer

Heute: Schnee? Fehlanzeige. Lagerfeuer? Niemals und schon gar nicht ohne Erwachsene

Damals: Wir spielten auf der Straße Volleyball und Federball. Wenn ein Auto kam, wurde das Netz oder Seil eben kurz abgehängt, auf die Straße gelegt und das Auto fuhr langsam darüber.

Heute: Federball auf der Straße? Zu gefährlich.

Damals: Wir sind zur Grundschule gelaufen. Etliche Kilometer.

Heute: Die Kinder werden gefahren. Manchmal nur 500 Meter.

Damals: Radfahren ohne Helm

Heute: Radfahren nur mit Helm. Mit Kinderrad. Mit Stützrädern.

Damals: Nur zwei bis drei Fernsehprogramme. Und für Kinder nur am Nachmittag.

Heute: Kann man die Programme nicht mehr zählen. 24 Stunden Dauerberieselung.

Damals: wenn ich einkaufen ging, dann immer zuerst in den winzigen Edeka, danach zum Bäcker, zum Metzger, zum Bauern für Eier und Milch.

Heute: Aldi

Damals: wir malten stundenlang auf der Straße. Riesige Straßenbilder.

Heute: die Nachbarn schimpfen schon, wenn man nur auf dem Gehweg malt.

Damals: Wir kletterten auf jeden Baum.

Heute: Erst kürzlich wurden meine Jungs von einem "öffentlichen" Baum runtergejagt

Damals: Riesige Schneeballschlachten auf dem Schulhof

Heute: Schnee? Fehlanzeige. Und falls doch? Jedes meiner fünf Kinder musste schon einmal eine Strafarbeit zu diesem Thema schreiben: Warum es verboten ist, auf dem Schulhof mit Schneebällen zu werfen.







Damals ... ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Und sie macht mich - Sicherheit und Umweltschutz hin oder her - traurig. Das letzte Erlebnis dieser Art: K5 hatte in der Grundschule das Thema Feuer und Licht. Dazu sollten die Kinder Streichholzschachteln mitbringen. Leere!! Auf meine Frage, warum die denn leer sein sollen, bekam ich die Antwort: Damit die Kinder auf dem Schulweg nicht zündeln und keine Hecken oder Häuser anzünden. 
Wenn wir unsere Kinder nur noch in Schutzanzüge stecken, ihnen jedes bisschen Eigenverantwortung absprechen und die Welt zubetonieren, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn sie losziehen und sich eigene Welten suchen. Und wenn sie die nicht mehr finden in der realen Welt - virtuelle Welten gibt es wie Sand am Meer.

Apropos Meer ... damals .. keine Angst, ich hör schon auf.

29. April 2016

Nominiert für ...

... Kinderwagen-Test ...

Gestaunt habe ich schon, als mir diese Nachricht ins Haus flatterte.
Mein Blog wurde nominiert für die Wahl der "Top-Mama-Blogs", die Nachricht kam von der Redaktion Kinderwagen-Test.de

Auch wenn meine Kinder doch schon lange dem Kinderwagenalter entwachsen sind, freue ich mich über dieses besondere Lob. Und drücke meinem Blog natürlich die Daumen, dass er es auch in die nächste Runde schafft. Wer sehen will, welche Blogs noch nominiert worden sind, kann hier nachschauen:


26. April 2016

Vom Glück

... Kinder zu haben, erzähle ich euch ja öfter mal.
Wie so viel Glück aussieht, seht ihr hier. Meine Fünf. Und ich mittendrin.



21. April 2016

Vom Schreiben und Lesen

Hier ist es schon wieder viel zu still geworden. Geschuldet ist die Stille meiner wie immer viel zu knapp bemessenen Zeit. Eigentlich bräuchte ich jeden Tag eher 48 Stunden, um alles unterzubringen, was so untergebracht werden will. Und dann noch ein bisschen mehr Zeit,  um auch alles aufzuschreiben und euch zu erzählen.
Um meinen Blog nicht ganz aus den Augen zu verlieren und euch wenigstens ein bisschen auf dem Laufenden zu halten, habe ich mich heute zu einem knappen Update entschlossen, Fotos werden dann nachgereicht.

Schreiben I: Ich schreibe aktuell an einem Jugendroman, der einer kräftigen Überarbeitung bedarf, nebenbei spukt mir eine neue Geschichte für ein Kinderbuch im Kopf herum, die zumindest skizziert werden will, bevor sie beleidigt ist und sich eventuell einen anderen Kopf zum Spuken sucht. Das dritte Projekt, das mich aktuell in Atem hält, ist die Bearbeitung eines Romans von mir, der zur Zeit vergriffen ist und den ich in Eigenregie wieder unter die Leser bringen will. Schwarz wie Schnee. Nach wie vor in den Schulen ab Klasse 7 das beliebteste Buch, fast immer soll ich aus Schwarz wie Schnee lesen und in letzter Zeit muss ich diesen Wunsch leider oft ablehnen, weil das Buch nicht mehr käuflich zu erwerben ist. Daran will ich etwas ändern, aber das kostet eine Menge Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Siehe oben.

Schreiben II: Eine der schönsten Veranstaltungen in diesem Jahr teilte ich mir mit meinem Kollegen Heiko Wolz. Zusammen waren wir eingeladen, in Zeil am Main einen Schreibworkshop zu leiten. Das allein wäre ja noch nicht so ungewöhnlich, weil sowohl Heiko als auch ich oft und gerne Schreibwerkstätten in Schulen durchführen. Diesmal waren unsere "Schreibschüler" aber keine Kinder, sondern Deutschlehrerinnen und -lehrer aus Zeil und Umgebung, die einmal einen Blick in unsere Trickkiste werfen wollten. Zusammen hatten wir sehr viel Spaß, vor allem das gemeinsame Plotten der Geschichte vom "feuerroten Entenfrosch", der sich doch eigentlich nur nach einem Kuss sehnt, dazu seinen Tümpel verlassen muss und ausgerechnet seinem Erzfeind, dem gefährlichen Babydrachen, über den Weg läuft, das ganze angelehnt an die klassische Heldenreise und gewürzt mit Ausflügen zu Harry Potter, Star Wars oder Herr der Ringe, dürfte allen in Erinnerung bleiben. Danke an Heiko - ich habe teilweise Tränen gelacht  und - ich sehe die Heldenreise jetzt mit ganz anderen Augen!

Lesen: Im Frühling ist Lesezeit, der Welttag des Buches steht vor der Tür, ich bin viel unterwegs, vor ein paar Tagen war ich in der Umgebung von Bamberg, in ein paar Tagen fahre ich nach Wörlitz, zwischen beiden Städten liegen knapp 300 KM. Fahrtzeit ist Arbeitszeit, zumindest soweit ich sie im ICE verbringe, so schaffe ich es, auch an Lesetagen wenigstens ein bisschen zu schreiben. Anfang Mai bin ich dann eine Woche in Hildesheim unterwegs, um dort während der Hildesheimer Kinder- und Jugendbuchwoche an zahlreichen Schulen zu lesen.

Haus und Hof: Das alles würde ich gar nicht schaffen, ohne den wunderbaren Mann an meiner Seite, der sich in der Zwischenzeit um Kinder und Viecher und Haus kümmert. ... und zwar so intensiv, dass er mal eben noch flugs das ganze Haus von Kopf bis Fuß renoviert (Dauerbaustellen lassen mich zum Glück ziemlich kalt). Fotos reiche ich nach, sobald Tapeziertisch und Gipseimer hier wieder verschwunden sind. Versprochen!

Garten: In Zeil wurde ich gefragt, ob meine Tomatenkerne auch angegangen sind. Sind sie! Inzwischen stehen auf der Fensterbank zahlreiche kleine Tomatenpflänzchen und warten sehnlichst darauf, dass sie ins Freie dürfen. Auf der Terrasse gedeihen schon verschiedene Salate, Kohlrabi, die Erbsen fangen an zu ranken, erste Radieschen, Zwiebeln, Knoblauch, die ersten Erdbeeren färben sich rot, Zitronen machen ja immer alles gleichzeitig von der Blüte bis zur Frucht, jede Menge Kräuter warten auf die Ernte und die Kartoffeln müssen schon angehäufelt werden. Auch hier muss ich euch dringend Fotos nachliefern.
Vor allem von unseren munteren Kaninchen, denen wir inzwischen einen Freilauf gebaut haben, damit sie auch von unserem Wildkräutergarten (andere nennen es Unkraut) profitieren können.

Kinder: Weil wir uns sonst am Wochenende vielleicht langweilen könnten, schieben wir am kommenden Sonntag nochmal eben flugs eine Konfirmation ein ☺
Der Mittlere - Paul - wird konfirmiert und bis dahin spätestens muss die Baustelle verschwunden und das Haus wieder in einem vorzeigbaren Zustand sein.



Ich bin sicher, wir schaffen das. Sollte aber jemand über Hermines Zeitumkehrer verfügen, wäre ich trotzdem ein dankbarer Abnehmer.

1. April 2016

Sicher am Ball ...

Zugegeben, ich hab mich tierisch gefreut auf die Lesungen in Rüsselsheim.
Der SC Opel Rüsselsheim, ganz richtig, das ist (laut Vereins-Stempel) "der Fußballverein wo Opel herkommt", hatte mich zu einer Lesung in sein Ostercamp eingeladen.
Das Ostercamp ist eine Veranstaltung des Vereins in den Osterferien, in dem Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren u.a. natürlich Fußball spielen und verschiedene Ausflüge machen. Und damit die Kinder neben der Lust am Kicken auch Lust am Buch bekommen, plante der Verein eine Bücherralley, einen Besuch in der Stadtbücherei und eine Lesung mit mir.
Und da saß ich nun. Vor mir ein (in Großbuchstaben: EIN) Mädchen und eine ganze fußballbegeisterte Horde Jungs.


Wir hatten jede Menge Spaß, waren immer dicht am Ball, haben gelernt, dass man auch in gemeinsamen Diskussionen "abgeben" können muss und es wenig Sinn macht, wenn alle gleichzeitig losstürmen, wir haben gerätselt und geknobelt und überlegt, wie eigentlich so eine Geschichte ins Buch kommt.

Und was mich besonders freut: Die Presse bescheinigte "der Autorin" heute, dass sie sich echt gut mit sämtlichen Ballsportarten auskennt.
Was die Presse nicht wusste: Fußball spielt nur eins meiner Kinder und zwar ... meine Tochter ☺
Die Jungs spielen (von oben nach unten) American Football, Handball, Hockey und Basketball.

Tja ... da sag noch einer, Autorinnen und/oder Frauen hätten keine Ahnung vom Fußball. Obwohl mir einer der kleinen Zuhörer bestätigte, dass Frauen resp. Mädchen immer ganz böse foulen würden. tztztz...


24. März 2016

Das Internet hat die Welt so klein gemacht

... findet die Mama von Jens Schönlau, dem Blogger über Literatur, Lyrik, Lifestyle, Liebe und Leidenschaft, kurz fiftyfiftyblog.

In seinem neuesten Blogbeitrag erzählt Jens von einem Gespräch mit seiner Mutter über die aktuelle Weltlage, ihr Resümee: "Das ist alles, weil das Internet die Welt so klein gemacht hat."



Und weil mich dieser Blogbeitrag (hier zu finden: Mit Mama über die Weltlage gesprochen) schon den ganzen Vormittag beschäftigt, will ich ihn hier mit euch teilen. 
Und meine Gedanken dazu, die ich auch Jens als Kommentar geschickt habe, hänge ich gleich mit an:

Ich sehe es wie Jens Mama. Das Internet hat die Welt so klein gemacht. Vor allem hat es sie schnell gemacht. Die Schnelligkeit hindert die Menschen am Denken. Schnell schnell einen Tweet absetzen, schnell einen Kommentar tippen, schnell ein Post schreiben … nur schnell, bevor es andere tun. Schnell liken, schnell teilen, nur nicht erst Zeit nehmen zum Nachdenken, Lesen, Überprüfen, Abwägen … mir macht diese neue Geschwindigkeit oft Angst. Manchmal möchte ich mich aus allem ausklinken. FB habe ich schon lange gelöscht, trotzdem bin ich noch bei Twitter, nutze das Netz für meinen Blog, meine Kontakte … nur meine Bücher schreibe ich ganz altmodisch per Hand. Was können wir tun? Respekt. Ja. Liebe. Ja. Langsamkeit? Für mich wäre das ganz wichtig. Neue Entdeckung der Langsamkeit. Ruhe rein bringen in diesen tosenden wirbelnden immer mehr außer Kontrolle geratenden Planeten.

Wie gesagt, manchmal möchte ich einfach abhauen. Irgendwo raus aufs Land. Weit weg von Internet und Nachrichten aus aller Welt. Kopf in den Sand. Gemüse anbauen. Schön am Meer sitzen und Sonnenuntergänge betrachten, während auf der anderen Seite Kriege toben. Aber eine Lösung wäre das nicht. Nur eine sehr persönliche Flucht. Ich weiß es nicht. Ich weiß ehrlich nicht, was ich tun, wie ich tun soll. Ich habe fünf Kinder. Was soll ich ihnen mit auf den Weg geben?

23. März 2016

Neustart

Aufmerksame BlogleserInnen haben es natürlich sofort gemerkt: Ich habe mal wieder das Design geändert.
Ein typisches Zeichen für einen inneren Neustart. Wenn ich mein Blogdesign ändere entspricht das ungefähr dem Friseurbesuch oder Shoppen bei anderen. Irgendwas Neues muss her, ich kann das alte nicht mehr sehen, fühle mich nicht mehr wohl in meiner Haut bzw. der Blog-Haut, ich brauche das Gefühl, aufgeräumt, umgeräumt zu haben, so alle paar Monate erwischt es mich.
Zum Kleiderkauf fehlt mir (meistens) das nötige Kleingeld, umräumen tue ich oft und gerne, aber die einfachste und preiswerteste Methode, sich mit einem neuen Outfit zu schmücken, ist tatsächlich das Blogdesign.
Da es jetzt doch endlich Frühling wird, habe ich die roten Turnschuhe mal wieder ausgepackt und ein bisschen natürliche Wandverkleidung gewählt. Ich hoffe, ihr fühlt euch genauso wohl wie ich.

Einen Neustart gibt es auch für einige meiner Bücher, dazu dann demnächst mehr, noch ist alles ein bisschen in der Schwebe. Aber parallel zu meinem Roman, den ich jetzt endlich fertig schreibe, habe ich eine wunderbare neue Idee, die seit Tagen in mir brodelt und für die ich mir jetzt erstmal - ganz neustartmäßig - ein schönes neues Notizbuch besorgt habe.

Und dann wäre da noch das Projekt "Ballast abwerfen". Monatelang stand mein Abnehme-Ticker (ganz nach unten scrollen!) still, jetzt hat er sich endlich in Bewegung gesetzt. Nachdem ich zwischen Frustessen und Frusthungern vieles ausprobiert habe, um die angegessenen überflüssigen Pfunde wieder loszuwerden, bin ich jetzt bei denen gelandet, die Punkte zählen. Obwohl ich einige Leute kenne, die wirklich gute Erfahrungen mit Weightwatchers gemacht haben, war ich skeptisch. Würde diese Punktezählerei mir nicht tierisch auf die Nerven gehen? Reichte es nicht, wenn ich weniger aß und vor allem das richtige?


Nun - bei mir reichte es nicht. Weil ich es nicht wirklich schaffte, weniger zu essen, und weil ich auch nur selten das Richtige aß oder es kurz danach wieder mit etwas Ungesundem völlig zunichte machte.
Also habe ich mich angemeldet. Und bin begeistert.
Keine Sorge - ich werde aus diesem Blog keinen Werbeblog für WW machen, euch auch nur am Rande berichten, ich weiß, dass ganz viele von euch von der Punktezählerei abgeschreckt werden, aber für mich ist es definitiv das richtige. Es gibt heute eine WW-App, man muss die Punkte nicht mehr kompliziert ausrechnen und von Hand eintragen, es gibt hunderte von superleckeren Rezepten und im Grunde darf man ja ohnehin alles essen, weil es keinerlei Verbote gibt. Es hat mich zwei, drei Tage Umstellung gekostet, mich an die neue Herangehensweise zu gewöhnen, ich war ehrlich überrascht, wie viele Punkte ich da manchmal durch quasi nichts in mich hineingeschaufelt hatte und wie satt ich jetzt jeden Tag bin. Die Kinder sind von der neuen Kocherei ebenfalls begeistert, weil ich ständig irgendwelchen witzigen Rezepte ausprobiere. (Wer kriegt schon Mango-Sorbet zum Dessert an einem ganz normalen Wochentag?) Und natürlich das Wichtigste: Ich nehme ab. Langsam und stetig und wenn es euch interessiert, könnt ihr es unten im Ticker verfolgen. Das wäre dann mein Neustart Nummer drei.

Der Neustart Nummer vier betrifft meinen Garten, meine Terrasse und meine neu gewonnene Einstellung dazu. Davon erzähle ich euch dann am Wochenende mehr.

23. Juli 2015

Schöne Ferien

Morgen ist es soweit. Es gibt endlich Ferien!
Zumindest für meine Schulkinder. Ich selbst muss noch ein bisschen warten, bis ich den Stift ein paar Tage aus der Hand legen darf. Meine Erfahrung zeigt allerdings auch, dass ich gerade in der "schreibfreien Zeit" oft produktiver und schreibfreudiger bin als in meiner Arbeitszeit. Was sicher daran liegt, dass die Kreativität und die Ideen ein bisschen Luft brauchen zum Atmen und deshalb genau dann wie dicke Luftblasen nach oben ploppen, wenn ich die Füße einmal hochlege.

Wie in jedem Jahr haben meine Jungs für ihre drei Klassenlehrer eine kleine Ferienüberraschung vorbereitet. Und auch in diesem Jahr stammt die Idee wieder aus meinem Lieblings-DIY-Blog Mamas Kram.

Das sieht doch schon so richtig nach Sommerferien aus oder?



Allen unter euch, die in den nächsten Tagen schon die Koffer packen, wünsche ich von Herzen



22. Juni 2015

Ballast

Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass es nicht immer einfach war in den letzten Monaten. Mein Leben blieb nicht immer dort, wo ich es haben wollte, machte mir Striche durch meine Rechnungen, ließ sich nicht einfach fassen und leben, sondern schien sich gegen mich verschworen zu haben.
Oft fühlte ich mich wie jemand, der mitten im Ozean strampelt und strampelt und dabei vollkommen die Richtung verloren hat. Eigentlich bin ich eine gute Schwimmerin. Schließlich war ich mal Triathletin. Die Betonung liegt auf "war". Im realen Leben absolvierte ich meinen letzten Wettkampf, als mein Zweitgeborener 3 Jahre alt war. Das ist jetzt 19 Jahre her. Das Training stellte ich bald darauf auch ein. Gelaufen bin ich allerdings noch eine Weile länger, bis hin zum ersten und einzigen Marathon vor 12 Jahren. Seitdem wurde es mit der Bewegung immer weniger.
Aber auch bildlich gesprochen wurde ich immer träger. Ich war früher ein einziges Energiebündel. Habe andere mitgezogen, konnte andere motivieren, anspornen, von meiner Kraft abgeben. Seit Monaten war das nicht mehr so. Ich fühlte mich leer, ausgelaugt, kraftlos und - was noch viel schlimmer war - schrecklich mutlos. Denn das Schwimmen im Ozean meines Lebens fühlte sich an, als hätte mir jemand Bleigewichte an die Füße gebunden. Alles Strampeln half nichts, ich schluckte Salzwasser und das gleich literweise.
Und jedesmal, wenn ich etwas Auftrieb hatte, ist eine große Hand daher gekommen und hat mich wieder unter Wasser gedrückt. So jedenfalls fühlte es sich an in den letzten Jahren ... mein Leben.



Aber: Ich kann nicht nur gut schwimmen (eigentlich) - ich liebe auch das Meer. Und zwar vor allem das wilde, stürmische, nicht berechenbare Meer. Wäre also gelacht, wenn ausgerechnet das Meer, und sei es auch nur bildlich gesprochen, mich unterkriegen würde.
Was hilft, wenn man zu ertrinken droht? Ich griff nach jedem noch so kleinen Holzbalken, manchmal war es nur ein Strohhalm, der vorbei schwamm. Rettungsleinen in Form von Freunden, von Büchern, von Ärzten, von guten Ratschlägen, was sich in meine Nähe traute, wurde umklammert. Und so ganz allmählich kommt es zurück, das Selbstvertrauen in die eigenen Schwimmkünste.



Das Umstellen dieses Blogs auf fröhlichere Farben war ein erster Schritt. Jetzt gilt es, den Ballast loszuwerden, der sich in den letzten Jahren angesammelt hat. Gegen die Rückenschmerzen und einen komplett verspannten Nacken suche ich noch nach Hilfe. Für einen Yogakurs habe ich mich bereits angemeldet. Die Seele geht jetzt regelmäßig in einen Chor und blüht wieder auf. Den sichtbaren Ballast hier im Haus habe ich angefangen auszumisten. Kleiderschränke, Bücherregale, Küchenschränke.
Dem fühlbaren Ballast (okay, auch der ist sichtbar) von angesammelten 15 Kilo Übergewicht in den letzten Jahren habe ich ebenfalls den Kampf angesagt (und etwas verschämt ganz unten unter meinem Blog einen Gewichtsticker installiert, um mich selbst zu motivieren). Gestern war ich seit Monaten das erste Mal wieder laufen. Vermutlich hätte ich mit meinem Gestampfe bei Jurassic-Park als Statist eine Rolle bekommen, aber - hey - ich WAR LAUFEN! Und werde es heute wieder tun.

Und das Schreiben? Davon erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag. Nur so viel: es schreibt sich wieder. Und es fühlt sich verdammt gut an.




11. Mai 2015

Abschied

Ich habe lange überlegt, ob das hier der richtige Ort ist, darüber zu sprechen/schreiben, warum es im Blog derzeit so ruhig geworden ist. Aber ich spüre, dass schwere Dinge leichter werden, wenn ich darüber spreche.
Vor einigen Tagen mussten wir den Freund und Lebensgefährten meiner Tochter mit 22 Jahren bestatten. Er wurde durch einen grausamen Unfall von einer Sekunde auf die andere mitten aus dem Leben gerissen.
Der Schock sitzt noch tief. Und erst so ganz langsam und allmählich schafft sich neben Wut und Fassungslosigkeit ein anderes Gefühl Raum: Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür, dass ich den jungen Mann kennen lernen durfte und Dankbarkeit auch dafür, dass er es selbst in kürzester Zeit geschafft hat, meiner Tochter unglaublich viel Liebe und Freude zu schenken.
Wir haben uns in einem Friedwald unter rauschenden Baumwipfeln und begleitet von lautem Vogelgezwitscher von ihm verabschiedet. Und mit einem Auszug aus seinem Lieblingsroman "Das Rad der Zeit", den ich im Wald vorgelesen habe.


 Das Rad der Zeit 
Süden. Zuerst nach Süden, dann vielleicht nach Westen, die Küste entlang. Vielleicht würde er ein Schiff finden? Es gab so vieles auf der Welt, das er nicht gesehen hatte. […]Er hatte einfach nicht die Zeit, einen wahren Blick auf viele Teile der Welt zu werfen. Das wird neu sein, dachte er. Reisen ohne verfolgt zu werden, oder hier und da herrschen zu müssen. […]
Er dachte darüber nach und erkannte, dass er lachte… Während er das tat, erhob sich ein Wind um ihn.Der Wind erhob sich hoch und frei, stieg in den wolkenlosen Himmel auf. Er wehte über eine zerborstene Landschaft […] eine Landschaft, die zur gleichen Zeit mit Feiernden bedeckt war. Er kitzelte die Äste einiger Bäume, die endlich angefangen hatten auszutreiben.Der Wind wehte südwärts, durch knorrige Wälder, über schimmernde Ebenen hin zu unentdeckten Ländern.
Er war wie der Wind, und wie der Wind berührte er alles, und wie der Wind war er verschwunden.Das Leben ist ein Traum, aus dem wir alle aufwachen müssen, bevor dann ein neuer Traum beginnt.Dieser Wind, er war nicht das Ende. Es gibt kein Ende, und es wird niemals Enden geben, bei der Drehung des Rades der Zeit. […]



21. März 2015

Dialog im Dunkeln

Ich hatte euch einen Bericht über unsere besondere Geburtstagsfeier gestern versprochen. Jetzt stehe ich noch so unter den völlig neuen Eindrücken, dass ich gar nicht recht weiß, wo ich anfangen soll.
Emil, unser K4, hatte nämlich einen ganz besonderen Geburtstagswunsch: er wollte mit ein paar Freunden in ein Museum in Frankfurt.
Und es sollte keineswegs irgendein Museum sein - die Auswahl in Frankfurt ist nicht eben klein - sondern er wusste sehr genau, was er sich wünschte: einen Besuch im Dialogmuseum.


Ich muss gestehen, bis zu diesem Wunsch hatte ich keine Ahnung, was das Dialogmuseum überhaupt ist. Dem Namen nach klang es für mich nach Handy, eMail oder Telefonkonferenzen, aber da lag ich vollkommen daneben.

Im Dialogmuseum in Frankfurt können Kinder und Erwachsene die Welt blinder Menschen kennenlernen und erforschen.

Wir buchten eine Geburstagstour für Emil und lernten schon bei der Buchung: Das Museum kann immer nur mit einer Führung besichtigt werden, hierbei werden Gruppen in Größen von max. 8 Teilnehmern zusammengestellt, die dann von einem Guide durch die Erlebnisräume in absoluter Dunkelheit geführt werden. Die Gruppengröße ist allein der Sicherheit der Besucher geschuldet, denn soviel kann ich schon verraten: Man sieht in diesen Räumen absolut nichts!

Ich bin dann gestern mit fünf Kindern zwischen 10 und 13  Jahren nach Frankfurt gefahren und Emil bekam mit seinen Gästen seine ganz eigene Geburtstagstour.
Schon der Anfang war spannend: Jacken, Rucksäcke, aber auch Handys, leuchtende Armbanduhren und andere "Leuchtobjekte" wurden in einem Schließfach verstaut. Dann warteten wir auf unseren "Guide", der uns am Eingang des Museums abholen sollte.
In der Zwischenzeit hatten die Kinder die Möglichkeit, schon mal das Alphabet der Blindenschrift zu studieren, das überdimensional an der Wand installiert war.
An kleinen Schultischen gab es die Möglichkeit, eigene Texte oder Botschaften in Blindenschrift zu stanzen, wir lernten, dass man dazu die Schrift spiegelverkehrt mit einer Nadel in das Papier stechen muss, um dann die Buchstaben nach dem Umdrehen des Blattes auch durch Tasten lesen zu können.


Endlich war es soweit: Ein Mitarbeiter des Museums holte uns an den Eingang und drückte jedem von uns einen Blindenstock oder Taststock in die Hand. Wir erhielten eine kurze Einweisung, wie man sich mit Hilfe dieses Geräts vorwärtstastet, die Kinder wurden noch einmal gebeten, den Stock wirklich auch nur über dem Fußboden und nicht etwa als Schwertkämpfer in der Luft zu benutzen und dann brachte uns der Mitarbeiter zum Eingang: ein ins Stockdunkle führender Gang, an dessen Ende uns unser Guide erwarten sollte.

Mit der linken Hand an einer Wand, mit der rechten noch etwas verkrampft am Stock tasteten wir uns Schritt für Schritt vor in die Dunkelheit. Anfangs noch recht forsch wurde unsere kleine Gruppe im Gänsemarsch immer langsamer, denn es wurde von Meter zu Meter dunkler und auf einmal war es nur noch das: schwarz. Absolut schwarz. Ich erwartete, dass meine Augen sich an diese absolute Dunkelheit gewöhnen würden, aber nichts dergleichen geschah: es war und blieb einfach pechschwarz.
Unser Guide nahm uns in der Schwärze in Empfang, begrüßte uns, stellte sich als Manuel vor, fragte unsere Namen ab und gratulierte Emil zum Geburtstag. Und dann ging es los. Im Gänsemarsch stolperten wir hinter ihm her, wir sollten seiner Stimme folgen und sicherheitshalber legten wir einander noch die Hand auf die Schulter, um nur ja niemanden zu verlieren. Manuel, seit seinem dritten Lebensjahr blind, führte unsere Hand an eine Holzgeländer, dem wir jetzt folgen sollten: Das Aufatmen in der Gruppe war deutlich zu hören.
Wir gingen Schritt für Schritt, die Hand fest am Geländer weiter ... als plötzlich unsere Füße erst über Kieselsteine stolperten und dann in weichem Waldboden versanken. Die Vögel zwitscherten laut, irgendwelche Insekten summten, Bäume rauschten, wir waren mitten in einem Wald. Das Geländer hörte auf und wurde zu einem rauen Fels, an dem wir uns vorsichtig entlang tasteten, bis auf einmal das kalte Wasser eines kleinen Wasserfalls über unsere Hände lief.

Manuel führte uns zu einer Parkbank und ließ uns sitzend mit den Geräuschen eines Waldes alleine.

Es würde hier zu weit führen, alle Erlebnisräume bis in alle Einzelheiten zu beschreiben, fest steht, dass dieses Museum bei allen Kindern und auch bei mir einen sehr tiefen, sehr besonderen Eindruck hinterlassen hat.
Wir haben eine (simulierte) Bootsfahrt über den Main gemacht, haben gelernt, wie man als Blinder eine Straße überquert, haben uns durch Häuserzeilen, vorbei an parkenden Autos und Telefonzellen getastet, haben blind einen Geldautomaten "erkannt" und in einem besonders dafür eingerichteten Raum auf dem Teppichboden sitzend "Klangwelten" kennengelernt, die sogar körperlich spürbar waren. Wir haben ein "Geräuschequiz" gespielt und waren am Meer.

Und zum Abschluss der Tour führte uns Manuel in eine Dunkelbar. Hier durfte jedes Kind noch ein Getränk bestellen und am Tisch sitzend durften wir "unseren Guide" dann mit Fragen zu seiner Geschichte und allem bombadieren, was uns sonst noch auf- oder eingefallen ist.

Nach diesem besonderen Museumsbesuch waren wir uns vor allem über eines einig: Unsere Welt ist in der Dunkelheit nicht ärmer, sondern reicher geworden. Wir haben in der kurzen Zeit und in einer eigentlich nur simulierten Umgebung Dinge gelernt, wahrgenommen, ertastet, gehört, gefühlt und erlebt, die wir, trotzdem wir doch sehend durch unsere Welt laufen, so noch nie wahrgenommen haben. Die Kinder fanden es besonders faszinierend, dass sie schon nach kurzer Zeit die Angst vor der Dunkelheit vollkommen verloren hatten, sich von Meter zu Meter sicherer fühlten und dass es "null langweilig" war.  Und das ganz ohne Monitore, ohne visuelle Überflutung, ganz ohne Sehen.

Noch heute bewege ich mich absolut staunend durch den Tag und überlege andauernd und immer wieder, wie sich diese oder jene Situation wohl für einen Blinden darstellen würde.
Ich muss an die Fledermäuse denken, die wir gestern gehört haben, an die Flugzeuge "über dem Main", bei denen wir raten durften, ob sie gerade starten oder landen und auch tatsächlich das erkennen konnten.
Ich denke an das gleichmäßige Rauschen der Wellen, als wir auf dem Teppichboden sitzend und liegend am Meer waren und dem Geschrei der Möwen lauschten. Ich denke an die vielen verschiedenen Oberflächen, die wir bei unserem Spaziergang durch die Innenstadt ertastet haben und an die Ampel, gegen die ich im Eifer des Gefechts gelaufen bin ☺

Diesen Tag wird sicher nicht nur Emil noch lange in Erinnerung bleiben. Und ganz bestimmt war es nicht unser letzter Besuch im Dialogmuseum!
Und um es mit einem Besucher des Dialogmuseums zu sagen:

Es war ein Zauber, eine neue Welt. Der Eindruck wird bleiben,
schön und unheimlich und man merkt, da ist mehr als man weiß.


23. Februar 2015

Norbert

Wenn so etwas nach einem langen grauen dunklen Tag plötzlich auf dem Küchentisch liegt, dann ist der Tag auf einmal gar nicht mehr grau und dunkel sondern hell und freundlich. Ich wünsche euch allen so einen "Norbert"!


12. August 2014

Schreiben ist toll

... das fanden  zumindest 15 Mädchen und Jungen zwischen 8 und 16 Jahren, die sich in der letzten Woche zur Sommerferien-Schreibwerkstatt in Usingen im Hochtaunuskreis getroffen haben.
Fünf Tage lang haben wir zusammen geschrieben, Wörter gesammelt, Ideen gesponnen und unseren Helden Komplikationen in den Weg gelegt, was das Zeug hielt.

© privat

Täglich vier volle Stunden lang ließen die Teilnehmer nicht nur ihre Köpfe, sondern auch Stifte und Papier qualmen mit einem Eifer, der gestandene Autoren blass werden lässt.

© privat

Nach Usingen musste ich jeden Tag etwa 70 Kilometer anreisen, denn es liegt mitten im schönen Hochtaunus-Kreis. Jetzt wisst ihr auch, warum es hier im Blog so still war in den letzten Tagen.
Aber es hat sich gelohnt.
Wir haben uns zusammen wirklich von der Figuren-Entwicklung bis zum Drei-Akt-Modell ganz tief in die Geheimnisse des Schreibens gekniet, wir haben eklige Sachen genauso geschrieben wie traurige und natürlich haben wir auch ganz viel Lustiges zu Papier gebracht.

© privat

Zwischen unseren Schreibstunden wurden wir liebevoll bekocht und betreut von Anja Drescher-Parré, die uns alle ins Jugendbildungswerk Hochtaunuskreis eingeladen hatte. Ein ganz herzliches Danke auf diesem Weg auch noch einmal an Anja!

Selbst die Presse war da, aber das größte Kompliment für diese tolle Woche haben mir die jungen Schriftsteller selbst gemacht.

© privat

Die hatten nämlich so viel Spaß am Schreiben, dass sie beschlossen haben: Mit der Schreibwerkstatt darf nach den Ferien auf gar keinen Fall Schluss sein. Deshalb wollen sie sich in Zukunft jeden Freitagnachmittag zum gemeinsamen Schreiben weiter in den Räumen des Jugendbildungswerks treffen. 

© privat

Ist das nicht toll? 
Und natürlich haben wir gleich weitere Schreibkurse in Usingen geplant. Über die Termine halte ich Euch auf meiner Schreibwerk-statt-Seite auf dem Laufenden.


© privat

26. Juni 2014

Manchmal kommt es anders ...

... eigentlich sollte hier ein Beitrag über meine neuesten Pläne (ich sag nur LiteraTour) stehen.
Die Website dazu ist gebaut, die Pläne sind geschmiedet, Ideen sind massenweise vorhanden und warten auf ihre Umsetzung.
Daneben befand sich mein Nachfolgeroman für "Tanjas BH" im Endspurt, der Verlag steht in den Startlöchern und ich suchte neue witzige Herausforderungen für meine Protagonisten.
Aber dann wurde mein Mittlerer krank. Er liegt jetzt seit Montag im Krankenhaus und meine Tage verbringe ich zwischen Kinderstation und Zuhause, wo ja auch noch ein paar Kinder auf mich warten. Mein neuester Schreibplatz ist ein Krankenzimmer, im Hintergrund flimmern Zahlen über Monitore, die mich sehr an die Anfangsszene aus "Schwarz wie Schnee" erinnern. Mein Kind hängt an Kabeln und Schläuchen, aber keine Sorge, so schlecht wie Kira in meinem Roman geht es ihm nicht, die Geräte dienen nur der Überwachung und der Medikation. Trotzdem ist unser Alltag derzeit etwas auf den Kopf gestellt und Dinge, die vorher noch unendlich wichtig schienen, rücken plötzlich in den Hintergrund. Prioritäten verschieben sich. Und manchmal ist das ganz gut so ...